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Prozess in Berlin : Bushido vergleicht Beziehung zu Clanchef Abou-Chaker mit Zwangsheirat

Am sechsten Verhandlungstag im Prozess gegen Arafat Abou-Chaker hat der Rapper Bushido weitere Details über seine ehemalige Geschäftsbeziehung bekannt gegeben.

Der Rapper Bushido ist Zeuge im Prozess gegen den angeklagten Arafat Abou-Chaker.
Der Rapper Bushido ist Zeuge im Prozess gegen den angeklagten Arafat Abou-Chaker.Foto: AFP

Sie standen zusammen auf dem roten Teppich und schienen beste Freunde, als 2010 mit „Zeiten ändern dich“ ein Kinofilm über Bushidos Leben gefeiert wurde. Doch nun behauptet der Rapper, dass das alles nur Fassade gewesen sei. Er habe sich in den Geschäftsbeziehungen zu Arafat Abou-Chaker von Anfang an „unfrei“ gefühlt und habe gezahlt, wie es der Clanchef verlang habe. Warum es lange aussah, als wären sie echte Partner? „Wenige können das verstehen, es ist wie bei einer Zwangsheirat“, sagte Bushido am Montag als Zeuge vor dem Landgericht.

Anis „Bushido“ Ferchichi ist am Montag zum vierten Mal im Prozess um mutmaßliche Straftaten zu seinem Nachteil gegen Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder in den Zeugenstand getreten. Was mit dem Clanchef lief, müsse man sich vorstellen wie eine Beziehung, die man eigentlich nicht will. „Man versucht, sich die Situation lebenswert zu machen“, so der 41-jährige Rapper. Er sei davon ausgegangen, dass er aus den Fängen des Clanchefs wohl nicht mehr herauskommen werde. So habe er dessen Forderungen erfüllt und sich auf gemeinsame Geschäfte auch mit Immobilien eingelassen.

Arafat Abou-Chaker hatte Bushido nach dessen Angaben 2004 geholfen, aus dem Plattenvertrag zu kommen. Einem der drei Gesellschafter habe er in dessen Büro eine Ohrfeige verpasst und ihn an den Ohren gezogen. „Sie haben nicht eingegriffen?“ wollte der Richter nun wissen. Der Rapper gab zu, dass er sich „nicht in der Position“ gesehen habe. Außerdem sei er nicht von Gewalt ausgegangen und habe nicht zwischen die Fronten geraten wollen.

Laut Bushido musste er die Hilfe des Clanchefs extrem teuer bezahlen. „30 Prozent von allem“ habe Arafat Abou-Chaker gefordert. Erst in bar, dann sei 2007 ein Manager-Vertrag geschlossen worden. Neun Millionen Euro habe Arafat Abou-Chaker „offiziell“ mit ihm verdient bis 2017. Außerdem gibt es Immobilien. Bushido will Details zu den Millionen-Objekten allerdings kaum kennen. Nachdem er 2017 erstmals Nein gesagt habe in der Geschäftsbeziehung zu dem «dominant" auftretenden Clanchef, habe er sich mit den Dingen intensiver befasst und manche böse Überraschung erlebt.

Abou-Chaker soll Vereinbarung "mit sich selber" abgeschlossen haben

Der 41-jährige Rapper sprach am inzwischen sechsten Verhandlungstag von einer angeblichen Vereinbarung, die Arafat Abou-Chaker mit sich selbst abgeschlossen habe. Der Clanchef behaupte seit 2019, dass darin alles geregelt sei für den Fall ihrer geschäftlichen Trennung. Es stehe darin, „dass die Geschäfte nie enden sollten“, so Bushido. Arafat Abou-Chaker hätte „lebenslang an meinen Sachen“ verdienen und diesen angeblichen Anspruch auf seine Erben übertragen wollen. Im Oktober werde es eine Verhandlung vor einem Zivilgericht geben.

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Zu den mutmaßlichen Taten, um die es im Prozess gegen den Clanchef und drei seiner Brüder geht, soll es gekommen sein, nachdem der Rapper im September 2017 die Beziehungen aufgelöst habe. Arafat Abou-Chaker soll das nicht akzeptiert, Bushido zu sich bestellt und ein Vermögen verlangt haben. Einmal sei der Rapper dabei mit Stuhl und Wasserflasche attackiert worden. Die Angeklagten haben zu den Vorwürfen geschwiegen. Mittwoch geht der Prozess weiter.