Prozess um Kindesmissbrauch : Berliner Ex-Jugendfeuerwehrwart gesteht

Jahrelang missbrauchte ein ehemaliger Jugendfeuerwehrwart ihm anvertraute Kinder sexuell. Schon in den 80er Jahren soll er sich an Kindern vergangen haben.

Vor dem Amtsgerichts Tiergarten wird heute der mutmaßliche Kindesmissbrauch durch einen Jugendfeuerwehrwart verhandelt.
Vor dem Amtsgerichts Tiergarten wird heute der mutmaßliche Kindesmissbrauch durch einen Jugendfeuerwehrwart verhandelt.Taylan Gökalp/dpa

Der Mann, der Feuerwehrbeamter war und für seine ehrenamtliche Arbeit als damaliger Landesjugendfeuerwehrwart ausgezeichnet wurde, hat über drei Jahrzehnte hinweg Kinder und Jugendliche missbraucht. Mitte der 80er Jahre sei es erstmals passiert, sagte der angeklagte Reinhard W.. Vor dem Amtsgericht Tiergarten gab er am Donnerstag sexuelle Übergriffe auf zwölf Geschädigte zu. Er sei aber nicht pädophil, es sei ihm um „Nähe“ gegangen, erklärte der 60-Jährige. Im Prozess geht es um zwei Jungen. Viele frühere Fälle sind verjährt.

Reinhard W. war im Frühjahr 2018 von seinem Ehrenamt zurückgetreten. Er reagierte damit auf eine gegen ihn erstattete Strafanzeige. Ein 16-Jähriger, sein mutmaßlich letztes Opfer, soll von dem Missbrauch erzählt haben. In einem Fall soll W. den Jungen sexuell berührt haben. Bei dem Zweiten geht die Anklage von 48 Taten aus. Der Junge sei zwischen neun und 14 gewesen. Der heute 20-Jährige saß als Nebenkläger mit im Saal.

W. nutzte das Vertrauen von Schützlingen aus, die ihm als Jugendfeuerwehrwart der Freiwilligen Feuerwehr in Friedrichshagen anvertraut waren. „Ich habe nicht die Nähe gesucht, um sexuelle Handlungen vorzunehmen, sondern bestehende Nähe ausgenutzt“, sagte der Angeklagte. Er schäme sich sehr, habe in einem Täter-Opfer-Ausgleich insgesamt 12.500 Euro an fünf Männer gezahlt und eine Therapie begonnen. „Ich habe den notwendigen Abstand nicht gehalten“, erklärte W. und gab 48 Taten in der Zeit von 2008 bis 2013 zu. Die Berührung des heute 16-Jährigen allerdings sei „aus Versehen“ erfolgt. Er habe möglicherweise „verlorene Nähe wiedererlangen wollen“. Die 20- und 16-jährigen Geschädigten wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt.

Nach der Anzeige hatten sich elf weitere Geschädigte gemeldet – Männer, die inzwischen erwachsen sind. Einer, dessen Fall verjährt ist, gab an, er habe damals nichts gesagt, weil er dachte, nur ihm wäre so etwas passiert und er habe die Übergriffe durch „irgendwelche Signale“ ausgelöst. Außerdem habe er befürchtet, als Lügner dargestellt zu werden.

Als die Vorwürfe bekannt wurden, reagierte seine Behörde sofort und suspendierte ihn. Der Prozess geht am 17. September weiter.

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