Reaktionen auf antisemitischen Vorfall : „Ein Angriff auf die Würde des Menschen“

Nach einem antisemitischen Übergriff auf einen Berliner Rabbiner verurteilen die Europäische Rabbinerkonferenz und Berliner Bischöfe die Tat vom Freitag.

Für Rabbiner Prof. Dr. Walter Homolka sind die Taten "Ausdruck einer Bedrohung unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts".
Für Rabbiner Prof. Dr. Walter Homolka sind die Taten "Ausdruck einer Bedrohung unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts".Foto: PNN / Ottmar Winter

Die Europäische Rabbinerkonferenz und Berliner Bischöfe haben den Übergriff auf Rabbiner Yehuda Teichtal in der Hauptstadt verurteilt. Die Rabbinerkonferenz (CER) warnte vor einer Bedrohung der Religionsfreiheit in Deutschland. Denn wiederholte Angriffe auf Rabbiner seien nicht nur eine Bedrohung und Herabwürdigung der einzelnen Geistlichen oder der jüdischen Gemeinschaft, sagte CER-Generalsekretär Gady Gronich der Deutschen Welle. „Diese Vorfälle bedrohen die Religionsfreiheit und das religiöse Miteinander in Deutschland und gefährden damit einen Wesenszug der deutschen Gesellschaft, die für ihre religiöse Pluralität bekannt ist.“

Es müsse auch Aufgabe der gesamten Gesellschaft sein, sich dem Antisemitismus entgegenzustellen und Solidarität zu zeigen. Gronich sagte, es sei wichtig, dass Juden sich in der Öffentlichkeit ohne Angst mit Kippa bewegen könnten. Dafür müsse der Staat sorgen. Er vertraue darauf, dass sich die Sicherheitsbehörden entschieden um Aufklärung des Vorfalls gegen Teichtal bemühten. Der Angriff in Gegenwart eines Kindes des Rabbiners sei „schäbig“.

Rabbiner Walter Homolka, Rektor des Abraham Geiger-Kollegs, erklärte am Donnerstag: „Die jüngsten Anschläge auf Rabbiner in Hamburg und Berlin und auf Kippa-Träger in Potsdam sind Ausdruck einer Bedrohung unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts.“ Der Staat müsse deutlich machen: „Solche Übergriffe dulden wir nicht“.

Der antisemitische Übergriff auf einen Berliner Rabbiner am vergangenen Freitag hat auch bei den Kirchen große Empörung und Bestürzung ausgelöst. Bei dem am Mittwoch bekanntgewordenen Vorfall soll der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Yehuda Teichtal, nach einem Synagogenbesuch im Beisein seiner Kinder von zwei Arabisch sprechenden Männern aus einem Wohnhaus heraus antisemitisch beschimpft und bespuckt worden sein. Der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch sprach von einer „verabscheuungswürdigen Tat“, die er „auf das Schärfste“ verurteile. Der evangelische Landesbischof Markus Dröge nannte den Vorfall einen Angriff auf die Würde des Menschen.

Bischöfe sehen Tat als Angriff auf Berliner Gesellschaft

In einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an den Rabbiner schreibt Koch, „die katholische Kirche im Erzbistum Berlin steht fest an Ihrer Seite. Wir werden nicht zulassen, dass Hass gleich welcher Art, insbesondere aber der Hass auf das Judentum, sein Ziel erreicht, unsere Gesellschaft zu spalten.“

Der evangelische Landesbischof Markus Dröge schrieb an Teichtal, „dass Sie solche menschenverachtenden Anfeindungen in Berlin erleben mussten, trifft alle Berlinerinnen und Berliner, weil es ein Angriff auf die Werte unseres Zusammenlebens ist, ein Angriff auf die Würde des Menschen“. Umso mehr sei es ein eindrucksvolles Zeugnis der Glaubenshaltung des Rabbiners, dass er sich gleich nach der menschenverachtenden Tat unerschüttert für Liebe, Toleranz, Dialog und Bildung eingesetzt habe.

Zuvor hatten sich bereits zahlreiche Politiker geäußert. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) verurteilte den Übergriff „aufs Schärfste“ und betonte, Berlin als „Stadt der Freiheit“ sei auch eine Stadt der Religionsfreiheit.

Teichtal ist Vorsitzender des orthodoxen Jüdischen Bildungszentrums Chabad Lubawitsch in Berlin-Wilmersdorf. Nach der Kippa-Warnung des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, im Mai, hatte er erklärt, „unsere Identität“ zu verbergen sei „keine Option“. (KNA, epd)

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