Restaurierung der Kapelle der Versöhnung : „Die Uhr ist Zeitzeugin“

Die Versöhnungsgemeinde sammelt Spenden für ein kostbares Erinnerungsstück. Dafür sind 30 000 Euro nötig. Ein Interview mit dem Pfarrer der Gemeinde.

Die Versöhnungskirche auf dem ehemaligen Mauerstreifen in der Bernauer Straße.
Die Versöhnungskirche auf dem ehemaligen Mauerstreifen in der Bernauer Straße.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Die Kapelle der Versöhnung auf dem ehemaligen Todesstreifen an der Bernauer Straße war zum Zeitpunkt des Mauerbaus 1961 schon geschlossen, 1985 veranlasste die DDR-Regierung die Sprengung der Kirche. Nach der Wiedervereinigung wurden die alten Steine der Kirche in den Lehm der Kapelle eingearbeitet, viele Einrichtungsgegenstände verblieben jedoch in den Depots der Gemeinden quer durch Berlin. So auch die Turmuhr. Jetzt möchte die Gemeinde die Uhr restaurieren lassen. Dafür sind 30 000 Euro nötig. Um das Geld zusammenzubekommen, wurde die Spendenaktion „Gönn dir eine Minute“ ins Leben gerufen. Für 45 Euro bekommen Spender eine Minute, und helfen so mit, ein Stück Berliner Geschichte zurückzuholen.

Zum 125. Gründungsjubiläum der Versöhnungsgemeinde am 28. August soll die Uhr im Foyer des Gebäudes des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung am Berliner Nordbahnhof wieder in Betrieb gehen – nach 58 Jahren Stillstand.

Wie kam es zu der Spendenaktion?

Nach der Wiedervereinigung wurde die Kapelle als Zeichen der Versöhnung errichtet. Die geretteten Glocken der damaligen Kirche sowie ihr Altar kehrten wieder an ihren ursprünglichen Ort zurück. Dasselbe wollten wir auch für die Uhr. Aber wir hatten zu große Angst vor Vandalismus. Glücklicherweise bot die Diakonie an, die Uhr hinter einer Plexiglasscheibe in ihrem Foyer bei „Brot für die Welt“ auszustellen. Hinzu kommt, dass uns nur das Uhrwerk erhalten geblieben ist, das Ziffernblatt ist mit dem Turm zerstört worden. Nun hat die Berliner Zionskirche neue Ziffernblätter anfertigen lassen und uns eines geschenkt.

Thomas Jeutner, 58, ist Pfarrer der Evangelischen Versöhnungsgemeinde Berlin.
Thomas Jeutner, 58, ist Pfarrer der Evangelischen Versöhnungsgemeinde Berlin.

Was bedeutet die Uhr Ihnen persönlich?

Erinnerungsarbeit lebt immer von Zeitzeugen. Die Uhr ist eine Zeitzeugin. Sie ist mit dem Mauerbau stehengeblieben. Die Tatsache, dass sie bald wieder ticken wird, zeigt, dass man das Leben nicht anhalten kann. Berlin wurde mit dem Mauerfall wiederbelebt. Heute ist die Stadt eine florierende Metropole und die Uhr ihr Lebenszeichen. Als ehemaliger DDR-Bürger verbinde ich meine eigenen Erfahrungen mit der Region um den Nordbahnhof. Als Lehrling zum Eisenbahner habe ich damals am zugemauerten Bahnhof meinen ersten Arbeitstag verbracht. Nach 30 Jahren hat mich mein beruflicher Weg wieder hierhin zurückgeführt. Das berührt mich sehr.

Wie viel Geld haben Sie bisher erhalten?

Die Häfte haben wir zusammen. Insgesamt 720 Minuten können die Spender erwerben. Wir hoffen, bis August die restlichen Spenden zu bekommen. Jede Person, die uns eine Minute widmet, erhält eine Urkunde und eine Spendenbescheinigung.

Informationen zu der Aktion: uhr-der-versoehnung.de

Thomas Jeutner, 58, ist Pfarrer der Evangelischen Versöhnungsgemeinde Berlin. Zur Gemeinde gehört die Kapelle der Versöhnung auf dem ehemaligen Todesstreifen an der Bernauer Straße.

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