Kommunikation von Lehrern und Schülern : Chatten erlaubt – aber nicht mit Whatsapp

Lehrer dürfen Schülern per Messenger schreiben, wenn der Datenschutz gewahrt ist. So sieht es die Berliner Datenschutzbeauftragte.

Smartphones und Handynachrichten gehören zum Alltag von Schülerinnen und Schülern.
Smartphones und Handynachrichten gehören zum Alltag von Schülerinnen und Schülern.Foto: Patrick Seeger/dpa

Elternabend in einem Tempelhofer Gymnasium. Der Lehrer berichtet, wie er alle 30 Schülerinnen und Schüler an ihren Praktikumsplätzen besucht hat. Das sei nur mit Hilfe einer App möglich gewesen: Whatsapp. So habe er spontan Termine vereinbart, die er nacheinander abklappern konnte. Ein Vater meldet sich zu Wort und macht ein ernstes Gesicht. „Ich weiß nicht, ob ich es gut finde, dass der Lehrer die Privatnummer meiner Tochter hat“, sagt er. Andere Eltern murmeln zustimmend. Statt über die gelungene Praktikumsbetreuung spricht die Runde über Datenschutz.

Als der Lehrer einige Wochen später von dieser Diskussion erzählt, wird seine Stimme leiser. Er möchte seinen Namen und den Namen der Schule nicht in der Zeitung lesen, weil er Konsequenzen fürchtet. Die Idee mit der Whats- app-Gruppe sei von den Schülern gekommen, sagt er. Wenn er seine Klasse erreichen wolle, müsse er sich nach ihr richten: „E-Mails kann man in dieser Generation vergessen.“ Er schickt der Gruppe Zeitungsartikel, wenn sie zur nächsten Unterrichtseinheit passen, oder gibt Bescheid, wenn die erste Stunde ausfällt. Soll er auf diesen praktischen Kanal verzichten?

Senatsverwaltung hat noch keine Richtlinie verabschiedet

Der Tempelhofer Lehrer ist mit dieser Frage nicht allein. Vergangenes Jahr löste ein Kollege von einer anderen Schule eine Whatsapp-Gruppe auf, nachdem sich Eltern bei der Berliner Datenschutzbeauftragten Maja Smoltczyk beschwert hatten. Smoltczyk teilte damals mit, dass Whatsapp zur dienstlichen Kommunikation rechtswidrig sei. Doch die Senatsverwaltung für Bildung hat bis heute keine Richtlinie verabschiedet, wie die Lehrkräfte mit Messengern umgehen sollen. „Es bedarf derzeit der Betrachtung des Einzelfalls im Hinblick auf die Berücksichtigung datenschutzrechtlicher Belange“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Diese unklare Situation verunsichert Lehrerinnen und Lehrer.

Auch in der Lehramts-Ausbildung wird das Thema Whatsapp nicht behandelt. „Wir haben in der Universität und im Referendariat nie darüber gesprochen, ob Messenger-Gruppen mit Schülerinnen und Schülern in Ordnung sind“, sagt ein junger Lehrer, der seit Sommer in Reinickendorf unterrichtet und seinen Namen ebenfalls nicht gedruckt sehen möchte.

Dabei hat die Datenschutzbeauftragte keine grundsätzlichen Einwände gegen Messenger, wenn niemand gezwungen ist, sich im Chat aktiv zu beteiligen. „Unter der Voraussetzung, dass die Nutzung des Dienstes ohne die Angabe der Telefonnummer oder der echten E-Mailadresse möglich ist, hätten wir im schulischen Kontext keine datenschutzrechtlichen Bedenken“, sagte eine Sprecherin.

Es gibt erlaubte Alternativen zu Whatsapp

Whatsapp erfüllt diese Voraussetzung nicht. Der Konzern sitzt in den USA und gehört zu Facebook. Man kann sich nur mit der Handynummer anmelden. Zudem häuften sich zuletzt Berichte über Sicherheitslücken in der Verschlüsselung – Hacker könnten unter Umständen in Gruppen mitlesen. Whatsapp sammelt Metadaten, erfasst also, mit wem man zu welcher Uhrzeit kommuniziert, wie lang und wie groß eine verschickte Nachricht ist, wann man online ist, wann man das Handy nutzt und wann die App läuft. Es ist unklar, was bei Whatsapp mit diesen Daten passiert.

Doch es gibt Alternativen: Die Apps Wire und Threema entsprechen den Vorstellungen der Datenschutzbeauftragten. Beide wurden in der Schweiz entwickelt. Für den privaten Gebrauch empfiehlt die Datenschutzbeauftragte Threema und Wire explizit. Hier erfindet man einen Nutzernamen und muss sonst keine persönlichen Informationen öffentlich preisgeben. Die Dienste sammeln kaum Metadaten, und Experten schätzen ihre Verschlüsselung als sicher ein. Wire ist gratis, Threema kostet einmalig bis zu 3,49 Euro. Die Schülerinnen und Schüler müssten selbstverständlich freiwillig mitmachen.

Als der Tempelhofer Lehrer von der Einschätzung der Datenschutzbeauftragten erfährt, ist er erleichtert: „Ich werde mich über diese Apps informieren.“ Der Lehrer aus Reinickendorf verzichtet weiterhin auf Messenger: „Mir persönlich ist das zu stressig.“



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