Schulen in Berlin : GEW will kleinere Klassen und mehr Sozialarbeiter

Die Bildungsgewerkschaft kritisiert den 39-Punkte-Plan von Schulsenatorin Sandra Scheeres und fordert bessere Bedingungen für Lehrer.

Ein Pädagoge betritt ein Lehrerzimmer (Symbolfoto).
Ein Pädagoge betritt ein Lehrerzimmer (Symbolfoto).Foto: Julian Stratenschulte/dpa

39 Maßnahmen waren es, die Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) im Januar vorgestellt hat und mit denen die Qualität der Berliner Schulen und die Lernleistungen der Schüler verbessert werden sollen. Unter anderem soll der Deutsch- und Mathematikunterricht in der Grundstufe gestärkt werden.

Die Bildungsgewerkschaft GEW Berlin hat sich mit ihrer Kritik ein bisschen Zeit gelassen und nun am Donnerstag eigene Vorschläge zur Qualitätsverbesserung vorgelegt. „Die Arbeitsbedingungen der Pädagogen werden bei dem Maßnahmenpaket von Scheeres kaum in den Blick genommen“, lautet der Hauptvorwurf, den der GEW-Vorsitzende Tom Erdmann erhebt.

Das Konzept der Bildungsverwaltung sei entstanden, ohne dass Beschäftigtenvertreter oder die GEW einbezogen worden seien. Fachkräftemangel und fehlende räumliche Kapazitäten seien die Hauptursachen für die Probleme an den Schulen. Das Papier von Scheeres gebe keine Antwort darauf, wie Schulen wieder attraktive Arbeitsplätze für Pädagogen werden könnten.

Zusätzliche Deutschstunde sei Förderung nach Gießkannenprinzip

Die GEW fordert ihrerseits unter anderem kleinere Klassen: an Grundschulen 22 Kinder pro Klasse, in siebten Klassen maximal 24 Kinder und in den Klassen 8 bis 13 höchsten 27 Schüler. An besonders belasteten Schulen sollen diese Frequenzen noch niedriger sein.

Außerdem fordert die GEW die Absenkung der Unterrichtsverpflichtung um mindestens eine Stunde und Entlastung für Erzieher, außerdem eine bessere Vergütung für Referendare (mindestens 300 Euro mehr pro Monat) und eine bessere Qualifizierung und Unterstützung von Quer- und Seiteneinsteigern, auch im sozialpädagogischen Bereich. Sie fordern mehr Sozialarbeiter, nämlich mindestens eine Fachkraft pro 100 Schüler an allen Schulen und zudem an jeder Schule medizinisch geschultes Personal, das zum Beispiel Schüler mit chronischen Erkrankungen versorgen kann.

Auch die zusätzliche Deutschstunde, die ab kommendem Schuljahr in den ersten Klassen der Grundschulen eingeführt wird, kritisiert die GEW. Das sei eine Förderung nach dem „Gießkannenprinzip“. Die dafür verwendeten Mittel seien Ressourcen, die eigentlich für die Sprachförderung gedacht seien und den Schülern zu Gute kommen sollten, die in dem Bereich einen Nachholbedarf haben. Zudem bedeute die zusätzliche Deutschstunde, dass die Grundschulen ihre Ganztagskonzepte wieder umplanen müssten, um diese Stunde unterzubringen.

Personalmangel in Kitas: Zusätzliche Aufgaben seien nicht zu schaffen

Das Konzept von Scheeres sieht außerdem vor, dass schon in der Kita verstärkt darauf geachtet werden soll, dass die Kinder ein mathematisches Grundverständnis erwerben. Die GEW gibt zu Bedenken, dass gerade im Kitabereich der Personalmangel so hoch sei, dass bereits die Umsetzung des bestehenden Bildungsprogramms (das im übrigen Sprach- und Mathematikförderung vorsehe) gefährdet sei und zusätzlich Aufgaben „aktuell überhaupt nicht zu bewerkstelligen“ seien.

Die geplante Zulage für Lehrkräfte und Erzieher an Schulen in schwieriger Lage sei ein Paradebeispiel für die mangelhafte Umsetzung einer eigentlich gut gemeinten Idee. Wie berichtet, sollen Erzieher an Schulen, an denen mindestens 80 Prozent der Schüler lernmittelbefreit sind, tariflich eine Stufe höher eingruppiert werden.

Das führe dazu, dass die meisten Erzieher dort nur rund 70 Euro mehr bekommen und auf lange Sicht für manche sogar wegen des tariflichen Stufenmodells sogar ein finanzieller Nachteil entstehen könnte, während Lehrer 300 Euro mehr bekommen. Dies führe zu neuen Ungerechtigkeiten und großer Unruhe in den Schulen.

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