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Zum Teil wurden Menschen mit Feuerwerkskörpern beworfen.

© Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Neujahr: Dutzende Verletzte, 400 Festnahmen zu Silvester in Berlin

Die allermeisten Menschen feiern den Jahreswechsel friedlich und fröhlich. Aber in bestimmten Stadtteilen Berlins gerät Silvester auch diesmal zum Ausnahmezustand.

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Dutzende Böller-Verletzte, zahlreiche Angriffe auf die Polizei und Hunderte vorläufige Festnahmen sind erneut das Ergebnis der Berliner Silvesternacht gewesen. Und doch verlief der Jahreswechsel nach Einschätzung von Polizei und Feuerwehr etwas ruhiger als in den vergangenen Jahren. 

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) zogen eine insgesamt positive Bilanz des Einsatzkonzeptes gegen Böllerkrawalle. Die allermeisten Menschen in Berlin begrüßten das Jahr 2026 friedlich feiernd, unter anderem bei einer großen Party am Brandenburger Tor.

Ruhigere Nacht als früher - aber Gewalt und Angriffe

„Berlin hat eine ruhigere Silvesternacht erlebt als in den vergangenen Jahren“, erklärte Wegner. Die vier großen Verbotszonen für Feuerwerk hätten sich bewährt ebenso wie intensive Vorbeugung und hartes Durchgreifen. 

Spranger teilte mit, das entschiedene Vorgehen gegen illegales Feuerwerk und das konsequente Eingreifen der Polizei in der Nacht hätten sich als richtig erwiesen. „Dennoch haben wir auch diesmal Gewalt und einen unverantwortlichen Umgang mit Feuerwerk erlebt, bei dem Unbeteiligte und Einsatzkräfte zu Schaden kamen.“

Die Polizei hatte in den letzten Monaten 220.000 Feuerwerkskörper und Patronen für Schreckschusspistolen beschlagnahmt und so aus dem Verkehr gezogen. In der Silvesternacht waren gegen Randale und Gewalt 3.200 Polizisten zusätzlich zu den üblichen 900 der normalen Nächte im Einsatz. 

2.340 Einsätze der Polizei, 800 Ermittlungen, 430 Festnahmen

Die vorläufige Bilanz der Polizei: 2.340 Einsätze zwischen 18.00 Uhr und 6.00 Uhr morgens sowie 800 Ermittlungen wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz, Angriffen auf Polizisten, Widerstand, Brandstiftungen, Körperverletzungen und Landfriedensbruch. 

430 Menschen wurden kurzzeitig festgenommen. 14 wurden den Angaben zufolge zur Verhinderung weiterer Taten inhaftiert, 7 zum Erlass eines Haftbefehls einem Richter vorgeführt. 35 Polizisten wurden demnach verletzt, 2 davon so schwer, dass sie stationär in Krankenhäusern aufgenommen werden mussten. 

47 Fahrzeuge, vor allem Autos, wurden in der Nacht angezündet oder gerieten in Brand. Bei einer linken Demonstration „Silvester im Knast“ mit rund 200 Teilnehmern in Moabit seien Polizisten „massiv mit Pyrotechnik angegriffen“ worden. 

In Gropiusstadt in Neukölln beschlagnahmte die Polizei eine selbstgebaute Feuerwerksanlage, für die mehrere Batterien von Raketen durch Zünder miteinander verbunden waren. 

Flaschenwürfe und Feuerwerkskörper gegen Polizisten

Kurz nach Mitternacht griffen laut Polizei rund 150 Menschen in Kreuzberg auf der Kreuzung Mehringdamm und Yorckstraße die Polizei gezielt mit Flaschenwürfen und Pyrotechnik an. Gegen 0.20 Uhr flogen den Angaben zufolge Steine und Raketen aus einer Menschenmenge auf dem Rosenthaler Platz in Mitte auf ein Polizeiauto. 

In Moabit versammelten sich demnach 500 Menschen an der Beusselstraße und randalierten. „Die Angriffe mit Pyrotechnik waren dabei so massiv, dass die Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr zu Brandlöschung nicht eingesetzt werden konnten.“ Erst ein Wasserwerfer und gezielte Festnahmen hätten die Lage beruhigt. 

In Spandau sei eine gezündete Pyrotechnikbatterie umgekippt. Ein abgefeuerter Feuerwerkskörper habe ein Pyrotechnikdepot in der Nähe entzündet. Dadurch explodierte eine Kugelbombe, die die Schaufensterfront eines Geschäfts zerstörte. 

Brennende Balkone, Wohnungen, Keller und Dächer 

1.600 Feuerwehrleute waren im Dienst und absolvierten 1.830 Einsätze. Darunter waren den Angaben zufolge 643 Brände, 971 Rettungs- und Krankeneinsätze sowie 216 technische Hilfeleistungen. Es brannten Balkone, Wohnungen, Keller und Dächer von Einfamilienhäusern sowie ein Bahnhofsgebäude in Wedding. Die Ringbahn der S-Bahn war dadurch auch am Neujahrstag weiter unterbrochen. 

Elf gewalttätige Angriffe auf Feuerwehrleute und Fahrzeuge wurden gezählt. Dabei wurde aber anders als in früheren Jahren niemand verletzt. 

Dutzende Verletzte in Krankenhäusern

Durch privates Feuerwerk wurden hingegen zahlreiche Menschen, darunter auch Kinder, zum Teil schwer verletzt. Allein das Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn behandelte nach Angaben einer Sprecherin in der Nacht 30 Patienten, darunter 8 Kinder im Alter von 7 bis 17 Jahren. Viele hatten Handverletzungen oder Verbrennungen, Finger mussten amputiert werden.

In der Charité behandelten Ärzte zwischen 17.00 Uhr und 06.00 Uhr 41 Menschen wegen Verletzungen im Zusammenhang mit Feuerwerk, darunter 5 Kinder und Jugendliche. 

Fröhliche Freiluftpartys

Die Freiluftpartys am Brandenburger Tor und an der Siegessäule verliefen nach Angaben der Polizei ohne Probleme. „Bei der neuen Silvesterparty am Brandenburger Tor haben rund 25.000 Menschen das neue Jahr friedlich und fröhlich begrüßt“, teilte der Regierende Bürgermeister Wegner mit. 

Aus Sicht der Veranstalter der Party „Yeah26“ ging das Konzept auf: „Im Prinzip war das eine große Open-Air-Disko“, erklärte Moritz van Dülmen von Kulturprojekte Berlin. Das 6,5 Minuten lange Feuerwerk habe schöne Bilder in die Welt geschickt. Mit Kosten von etwa 590.000 Euro sei die Veranstaltung günstiger gewesen als ihre Vorgänger. Die Hälfte des Geldes sei für Sicherheit nötig gewesen. 

Einige hundert Meter entfernt fand auf der Straße des 17. Juni eine weitere Open-Air-Party mit mehreren Bühnen statt. Angemeldet war sie als Demonstration. Die Polizei sprach von 2.000 Teilnehmern, die Veranstalter von 35.000. 

Senatorin: Berlin will Feuerwerk großflächiger verbieten

Innensenatorin Spranger will weiter darauf drängen, dass Berlin privates Feuerwerk großflächiger verbieten kann. Instrument soll eine „Länderöffnungsklausel im Sprengstoffrecht“ sein. So könne Berlin selbst entscheiden, „wo wir Feuerwerksverbote erlassen und Pyroerlaubniszonen genehmigen“.

Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Stephan Weh, erklärte, Polizei und Feuerwehr hätten nur mit viel Personaleinsatz „Auswüchse des Silvesterwahnsinns“ abgemildert. Die GdP beharrt auf der Forderung nach einem völligen Verbot privaten Feuerwerks.

© dpa-infocom, dpa:260101-930-485082/6

Das ist eine Nachricht direkt aus dem dpa-Newskanal.

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