Solarschiffe : Ohne Fußabdruck übers Wasser

Im nächsten Jahr soll mit der SolarCircleLine die erste rein solarbetriebene Fahrgastschiff-Reederei ihren Betrieb aufnehmen.

Jan-Frederik Wendt
Ab 2019 sollen zwei Flotten der SolarCirlcleLine über die Berliner Gewässer schippern.
Ab 2019 sollen zwei Flotten der SolarCirlcleLine über die Berliner Gewässer schippern.Foto: SolarCircleLine

Zirka 150 Ausflugsdampfer schippern über die Seen und Flüsse im Berliner Großraum. Ein Linienfahrtschiff mit Platz für 180 Passagiere, das mit einem Dieselmotor angetrieben wird, stößt pro Saison über 126 Tonnen CO2 in die Luft. Um der Umweltverschmutzung nun Einhalt zu gebieten, wagt sich die SolarCircleLine nun in unentdeckte Gewässer hervor: Das Unternehmen will als erste rein solarbetriebene Fahrgastschiff-Reederei ab 2019 mit zwei Solarschiffen ihren Betrieb im Linien- und Charterverkehr beginnen. Die Solarschiffe sollen die Berliner Gewässer befahren, ohne einen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen. „Wir wünschen uns eine Zukunft, in der fossile Brennstoffe zu Lande und zu Wasser keine Rolle mehr spielen“, sagte Geschäftsführer Tim Schultze. Gemeinsam mit dem zweiten Geschäftsführer Andreas Behrens bildet er die Doppelspitze der SolarCircleLine.

Die Kiebitzberger Schiffswerft in Havelberg baut die beiden Solarschiffe. 180 Fahrgäste sollen auf einem Dampfer Platz finden. Der CO2-Ausstoß soll bei null liegen. 48 Solarmodule mit einer Gesamtoberfläche von 78 Quadratmetern erzeugen Strom auf jedem Schiffdach. Die Leistung liegt bei 16 Kilowatt. Die erzeugte Energie fließt in zwei Batterien, die sich in den beiden Schwimmkörpern befinden. Die Energie soll für eine Laufzeit von zehn bis zwölf Stunden ausreichen – und damit für einen kompletten Ausflugstag.

Ein Solarschiff soll nicht mehr als zwei Millionen Euro kosten

Die Solarschiffe entstehen in einem Katamaran-Baustil. Sie sollen zirka 36 Meter lang und sieben Meter breit werden. Driftoptimierte Rümpfe sorgen für ein effizienteres Gleitverhalten und weniger Widerstand im Wasser. Das Schiffsgewicht wird durch einen Aluminiumbau und Spezialglas reduziert. So kann jeweils Energie gespart werden. Ein weiterer Vorteil: Der Lärmpegel soll unter 50 Dezibel liegen. Ein herkömmlicher Dieselmotor ist fast dreimal so laut. Die genauen Baukosten stehen laut Andreas Behrens nicht fest. Ein Schiff solle in der Produktion aber nicht über zwei Millionen Euro kosten. Mittelfristig soll eine größere Fahrgastflotte aufgebaut werden.

Die Unternehmensgründer vertrauen auf die wirtschaftsstarke Berliner Tourismusbranche. Heutzutage wüssten immer mehr Reisende, dass die Umweltkosten für Sightseeing-Touren in Zeiten des Massentourismus zu hoch seien. Eine zukünftige Solarschiffflotte soll den hohen Schadstoffausstoß im Tourismussektor minimieren.

Die Emissionsbelastung der Schifffahrt ist in der Gesamtbilanz gering

Die SolarCircleLine GmbH ist ein Tochterunternehmen der SolarWaterWorld AG. Das Mutterunternehmen ist seit 20 Jahren auf die Solarschifffahrt spezialisiert. Die Stern- und Kreisschifffahrt wurde als Minderheitsgesellschafter an Bord geholt. Die Reederei besitzt 31 Fahrgastschiffe. Sie befördert nach eigenen Angaben jährlich fast eine Million Passagiere. Die SolarCircleLine soll im Tretpower Hafen beheimatet werden.

Die Schadstoffbelastung der Schifffahrt macht bei der Gesamtemission in Berlin für Stickstoffoxide 1,3 Prozent und für Feinstaub 0,4 Prozent aus. Die Prozentzahlen zeigen: Die Emissionsbelastung der Schifffahrt ist in der Gesamtbilanz gering. Für die Belastung im Stadtgebiet ist der Autoverkehr dominierend. Dennoch ist die Stickoxid-Emission durch Schiffsmotoren ein Dorn im Auge der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, sagte Pressesprecher Jan Thomsen.

Das Abgeordnetenhaus hatte im März einen Beschluss zur Schadstoffreduktion durch Berliner Schiffe gefasst

Die Luftverschmutzung müsse minimiert werden. Dafür soll das aktuelle Pilotprojekt „Saubere Schiffe“ sorgen. Im Rahmen des Projekts können bis zu fünf Schiffe verschiedener Reedereien mit Partikelfiltern und katalytischer Stickoxid-Minderungstechnik nachgerüstet werden. Die Kosten übernimmt die Senatsverwaltung.

Zudem hat das Berliner Abgeordnetenhaus im März einen Beschluss zur Schadstoffreduktion durch Berliner Schiffe gefasst. Nun wird eine Bundesratsinitiative vorbereitet. Aktuell regeln EU-Richtlinien die Emissionsgrenzwerte von Schiffen. Der Bund setzt die Regelungen um. Das Land Berlin kann nur bei konkreten wasserbehördlichen Genehmigungen eingreifen, etwa bei Gewässeranlagen.

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