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Tagesspiegel Plus

Sträucher, Hecken, Bäume: Welche Pflanzen Sie jetzt schneiden sollten – und wofür noch Zeit bleibt

Zwischen März und September ist das Fällen und starke Zurückschneiden von Bäumen und Hecken verboten. Ein Überblick, worauf Hobbygärtner achten sollten und welches Gemüse Sie jetzt schon anzüchten können.

Von Andreas Austilat

Preisfrage: Was war das Geräusch der Woche? Das kommt natürlich zunächst darauf an, wo man wohnt. Ist es eine Gegend, in der es Gärten gibt, dann war es der Häcksler. In den Berliner Außenbezirken jedenfalls, so der subjektive Eindruck, zerkleinerten die Dinger permanent frisch geschnittene Äste.

Und das hat zwei Gründe. Da war zum einen das gute Wetter, das Hobbygärtner und -gärtnerinnen erwartungsfroh ins Freie trieb. Und zum anderen war da Paragraph 39 des Bundesnaturschutzgesetzes.

Danach ist es nämlich vom 1. März bis zum 30. September verboten, Bäume oder Hecken zu fällen oder zu stark zurückzuschneiden. Die Anordnung dient dem Schutz der Tiere, die möglicherweise im Geäst leben. Abgesehen davon stehen in Berlin – und nicht nur dort – alle Laubbäume sowie die Waldkiefer unter besonderem Schutz, wenn ihr Stamm 80 Zentimeter Umfang erreicht hat. Ausnahmen müssen bei der Naturschutzbehörde beantragt werden. Ansonsten drohen Strafen, bis zu 50.000 Euro, das ist der Extremfall, schnell fällig werden können aber ein paar 100 Euro.

Nach Paragraph 39 des Bundesnaturschutzgesetzes ist es vom 1. März bis zum 30. September verboten, Bäume oder Hecken zu fällen oder zu stark zurückzuschneiden. Der „schonende Form- und Pflegeschnitt“ ist auch nach dem 1. März erlaubt.

Andreas Austilat

Daher also die Eile. Doch die war in einigen Fällen womöglich übertrieben, denn es ist keineswegs so, dass nun von Montag an die Gartenschere ruhen muss. Schließlich ist im Gesetz von fällen und zu stark zurückschneiden die Rede. Das heißt, dass der „schonende Form- und Pflegeschnitt“ auch nach dem 1. März erlaubt ist. Es darf also im Prinzip und unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften weitergestutzt werden. Nur, wer ist jetzt dran?

Gelber Frühjahrsblüher: Die Forsythie.

© bl / imago images/MiS

Grundsätzlich sollte man sich dem Rhythmus der Pflanze anpassen. Danach sind Sträucher, bei denen demnächst mit der Blüte zu rechnen ist, alle Frühjahrsblüher also, sowieso besser in Ruhe zu lassen. Schneidet man jetzt die Forsythie zum Beispiel, ist ja nichts mehr da, was blühen kann. Übrigens, nach der Forsythienblüte, so besagt eine Faustregel, können die Rosen beschnitten werden. Und die Forsythie natürlich, denn alle Frühjahrsblüher werden nach der Blüte gestutzt.

Im Sommer blühende Sträucher sind jetzt an der Reihe, Hecken haben noch Zeit

Jetzt hingegen sind die im Sommer blühenden Sträucher an der Reihe. Hortensien und Sommerflieder sollten Ende Februar, Anfang März in Form gebracht werden, da sich die Blüten an den jährlichen Neuaustrieben bilden. Vor dem Laubaustrieb sollte auch das Kernobst beschnitten werden, also Apfel- oder Birnbäume. Dieser regelmäßige Schnitt ist wichtig für eine ertragreiche Ernte. Umstritten ist, wie gefährlich Frost für die frische Wunde werden kann, falls die Nächte wieder kälter werden. Temperaturen unter minus fünf Grad gelten als riskant. Das Steinobst, also Kirsche oder Pflaume, wird erst nach der Ernte beschnitten.

Nach der Forsythienblüte, so besagt eine Faustregel, können die Rosen beschnitten werden.

© Kitty Kleist-Heinrich

Für Hecken hat man noch Zeit. Denn eingangs zitierte Vorschrift besagt auch für sie nicht, dass von jetzt an bis Oktober jegliche Tätigkeit ruhen muss. Form- und Pflegeschnitte sind erlaubt, nur der radikale Rückschnitt oder gar das Fällen nicht. Aber auch beim Stutzen der einjährigen Triebe muss darauf geachtet werden, dass dort keine Vögel brüten. Übrigens sollte man bei Thujahecken sowieso nicht ins Holz scheiden, will man nicht riskieren, dass gar nichts mehr kommt.

Sind also die Sommerblüher und der Apfelbaum in Form gebracht und das letzte Laub vom Rasen geharkt, ist jetzt eigentlich noch nicht so viel zu tun da draußen. Das heißt, je nach persönlicher Ambition kann man sich schon mal der Vorfreude hingeben und mit der Anzucht des Lieblingsgemüses beginnen.

Auberginen und Paprika können jetzt schon angezüchtet werden

Wichtig ist die Qualität des Saatgutes. Der BUND empfiehlt überdies Saatgut aus der Region, wie es etwa von Vern e.V. angeboten wird. Der Verein mit Sitz bei Angermünde hat sich dem Erhalt und der Rekultivierung einheimischer Gemüsesorten verschrieben, darunter fast vergessene Sorten wie die Gurke mit dem schönen Namen „Berliner Aal“. Das Saatgut kann man online direkt bei Vern e.V. per Kontaktformular ordern oder zum Beispiel in ausgewählten Filialen der BioCompany in Berlin, Potsdam und Kleinmachnow kaufen.

Gartenleiterin Katrin Rust von Vern e.V. hat auf Anfrage erklärt, welches Gemüse jetzt für die Anzucht infrage kommt. Auberginen zum Beispiel oder Paprika, Mitte März folgen dann Tomaten und Ende März Gurken. Die Anzucht ist jedoch nicht unkompliziert. Damit die Saat keimt, braucht es Wärme, am besten 22 bis 25 Grad, Bedingungen, die zum Beispiel auf der Fensterbank herzustellen sind. Außerdem ist ausreichend Sonnenlicht wichtig.

Tipps für die Anzucht enthält auch der aktuelle Gartenbrief des Berliner Pflanzenschutzamtes, welcher auf deren Webseite als PDF-Datei heruntergeladen werden kann. Die Pflanzenschützer empfehlen dort Keimlinge auf der Fensterbank regelmäßig zu drehen, damit sie nicht nur einseitig von der Sonne bestrahlt werden. Außerdem sollte auf saubere Gefäße geachtet und eine spezielle Anzuchterde verwendet werden.

Zeigen sich die ersten Blätter, muss die Temperatur nicht mehr so hoch sein. 16 Grad wären optimal, sonst wird das junge Gemüse „spillerig“ wie Katrin Rust sagt. Ins Freiland kommen die so mühsam herangezogenen Jungpflanzen am besten erst nach den Eisheiligen, will man nicht riskieren, den Nachwuchs wieder zu verlieren. Wem das alles dann doch zu aufwändig ist, der muss auf fertige Jungpflanzen setzen. Die kommen aber erst Ende April auf den Markt.

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