Um ein Viertel zurückgegangen : Weniger Hartz-IV-Empfänger in Berlin

Seit 2010 hat sich die Zahl der Hartz-IV-Empfänger um rund 27 Prozent reduziert. Der Anteil der Rentner und Ausländer ist dabei angestiegen.

Unter den Hartz-V-Empfänger befinden sich auch viele Rentner, deren Rente allein zum überleben nicht ausreicht.
Unter den Hartz-V-Empfänger befinden sich auch viele Rentner, deren Rente allein zum überleben nicht ausreicht.Foto: Jan Woitas/zb/dpa

Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger in Berlin ist innerhalb eines Jahrzehnts um mehr als ein Viertel zurückgegangen. Während im Juni 2010 rund 441.700 Menschen Leistungen aus dem Arbeitslosengeld II bezogen, waren es im Juni 2019 rund 347.400.

Das teilte die Sozialverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des AfD-Abgeordneten Herbert Mohr mit. Das ist ein Rückgang um 27,1 Prozent, während die Einwohnerzahl Berlins in dem Zeitraum um etwa 10 Prozent stieg. Aktuell bezieht knapp jeder zehnte Berliner Hartz IV.

Aus der Statistik geht hervor, dass der Ausländeranteil an den Hartz-IV-Empfängern zwischen 2010 und 2019 von 25,8 Prozent auf 38,0 Prozent stieg. Zum Vergleich: Der Anteil der Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an der Gesamtbevölkerung steigt ebenfalls seit Jahren und liegt aktuell bei 20 Prozent.

Viele Geflüchtete haben Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt

Die größte Gruppe unter den 131.900 ausländischen Beziehern von ALG II bilden die Türken (27.800). Hinzu kommen 21.600 Menschen aus Syrien. Die meisten sind Geflüchteten, die nach Anerkennung ihres Asylantrages oder mit einem anderen Aufenthaltsstatus nicht arbeiten. Für viele ist es vor allem wegen mangelnder Deutschkenntnisse schwierig, einen Job zu finden. Mit größerem Abstand folgen bei den Herkunftsländern die EU-Staaten Bulgarien (8920) und Polen (8143).

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) weist darauf hin, dass immer mehr Rentner wegen geringer Altersbezüge auf Hartz IV angewiesen sind. Innerhalb von zehn Jahren sei ihre Zahl von rund 56.600 um 42 Prozent auf 80.400 gestiegen.

„Die amtlichen Zahlen zeigen nur die Spitze des Eisbergs“, meinte der Geschäftsführer der NGG-Region Berlin-Brandenburg, Sebastian Riesner. „Denn sehr viele Menschen, die wegen Mini-Renten eigentlich einen Anspruch auf die Grundsicherung haben, schrecken aus Scham vor einem Antrag zurück.“

Der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung - und damit auch der Rentenbezieher - steigt allerdings auch durch die demografische Entwicklung in Deutschland. (dpa)

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!