Umgang mit Rechtspopulisten : Berliner Stadtmission lädt die AfD kurzfristig aus

Die AfD-Bundestagsfraktion wollte im Albrechtshof in Berlin-Mitte tagen. Doch der Betreiber, die Stadtmission, hat die Veranstaltung kurzfristig abgesagt.

Alexander Gauland und Alice Weidel, Chefs der AfD-Bundestagsfraktion
Alexander Gauland und Alice Weidel, Chefs der AfD-BundestagsfraktionFoto: Fabrizio Bensch/REUTERS

Es wirkt wie eine Wende um 180 Grad: Das von der Stadtmission betriebene Hotel Albrechtshof in Berlin-Mitte hat die AfD kurzfristig wieder ausgeladen. Die Bundestagsfraktion der Partei wollte am Montag eine Veranstaltung mit dem Titel "Dieselmord im Ökowahn" im Tagungsraum des Hotels abhalten. Das wurde ihr untersagt – nur zwei Stunden vor dem geplanten Veranstaltungsbeginn.

"Unser Blick auf Menschen und die Gebote der Nächstenliebe sind mit vielen Positionen der AfD nicht vereinbar", teilte Stadtmission-Vorstand Joachim Lenz mit. "Wir geben der AfD daher bei uns keinen Raum, um für ihre Positionen zu werben."

Verwunderlich ist diese Position zumindest auf den ersten Blick deshalb, weil die Stadtmission erst Ende Juni über den Umgang mit der rechtspopulistischen Partei diskutiert hatte und zu dem Schluss gekommen war, "allen Gästen, unabhängig von Herkunft, Glauben, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Überzeugung, mit der gleichen Freundlichkeit und Wertschätzung zu begegnen".

Dies gelte auch gegenüber Menschen, die diese Werte nicht teilen. Anlass war ein Abendessen, bei dem AfD-Fraktionschefin Alice Weidel in größerer Runde zu Gast im hauseigenen Restaurant war. Die Reservierung erfolgte wohl ohne die Nennung des Parteinamens. Andere Gäste, darunter Vertreter der Arbeitsgruppe Migration der evangelischen Kirche, fühlten sich durch die Anwesenheit der AfD-Politiker gestört und verließen das Lokal.

In der sich daraufhin entfaltenden Diskussion kamen die Mitarbeiter zu dem Ergebnis, dass die Werte, nach denen bei der Stadtmission gelebt und gearbeitet wird, auch auf die AfD anzuwenden seien.

Herr Gauland kriegt ein Schnitzel, Frau Weigel einen Kaffee - eine Plattform will die Stadtmission aber nicht sein

Anders stelle sich der aktuelle Fall dar. "Nach wie vor gilt: Herr Gauland kriegt bei uns ein Schnitzel und Frau Weidel einen Kaffee", sagte Joachim Lenz dem Tagesspiegel. Eine öffentlich wirksame Plattform wolle man der AfD aber nicht geben. Das galt seiner Darstellung nach auch schon zuvor.

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Doch die Diesel-Veranstaltung sei ihnen durchgerutscht, Lenz selbst habe erst am Montagmorgen von dem Termin erfahren. Deswegen sei die Absage auch sehr kurzfristig erfolgt. "Wir müssen unsere interne Kommunikation da verbessern", sagte Lenz.

Das Hotel Albrechtshof in Mitte gehört der Stadtmission.
Das Hotel Albrechtshof in Mitte gehört der Stadtmission.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Und wie steht es um Parteitreffen der AfD ohne Beteiligung der Öffentlichkeit? "Da diskutieren wir gerade drüber", sagt Lenz. Er tendiere dazu, zu sagen: Trefft euch bitte woanders. Die Grenze sei allerdings nicht immer einfach zu ziehen: "Wenn Frau Weidel mit ihrer Familie oder Freunden kommt, bewirten wir sie", sagt Lenz. "Was aber machen wir, wenn sie mit vier Journalistinnen kommt?"

Den Beifall von Rechtskonservativen – die gebe es schließlich auch unter Christen – wolle die Stadtmission jedenfalls nicht. In einer Mitteilung von Montagabend heißt es: "Sich von Positionen zu distanzieren, ohne Menschen auszugrenzen, bleibt eine schwierige Aufgabe, über die wir als Werk im lebhaften Gespräch sind."

Die AfD-Fraktion bezeichnete die Absage als "undemokratisches Verhalten". Ihr stellvertretender Vorsitzender Peter Felser kündigte an: "Vor dem Hintergrund dieser kurzfristigen Absage ist klar, dass wir die Strategie einer Gegenöffentlichkeit intensiv weiterverfolgen müssen."

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