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Auch in der Mall of Berlin ist an diesem Samstag weniger los als sonst.

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Tagesspiegel Plus

Ungeimpfte unerwünscht: Weihnachtsshopping mit 2G – und glücklichen Kunden aus Sachsen

In Berlin dürfen nur noch Geimpfte und Genesene shoppen gehen. Das macht sich bemerkbar: Die Malls sind leerer als sonst. Kontrolliert wird aber nicht überall.

Von Christine Van den Berg

Es ist verhältnismäßig ruhig am Samstagmorgen, dem ersten Tag, an dem nur noch Genesene und Getestete shoppen gehen können. Simone Dalm-Schickram (52) steht am Eingang zu Tchibo am Alexanderplatz und kontrolliert die wenigen Gäste. „Bisher ist es total ruhig. Außerdem brauche ich oft gar nicht nach dem Impfausweis zu fragen. Die Kunden zücken ihre QR-Codes wie selbstverständlich“, erzählt sie. „Ich finde es total gut, dass wir wieder kontrollieren. So ist es vielleicht ein bisschen sicherer für alle.“ Eine Frau schlüpft an ihr vorbei, Dalm-Schickram schickt sie aber sofort wieder aus dem Laden. Die Dame beteuert, sie habe ihren Impfausweis vergessen. Ihren Kaffee muss sie sich wohl woanders holen.

Auch das Einkaufszentrum Alexa füllt sich nur langsam. Zwar können Ungeimpfte in das Gebäude, in die Geschäfte dürfen sie allerdings nicht. Saad B. (22), der bei einem Mobilfunkladen im Erdgeschoss arbeitet, wusste gar nichts von 2G. Ein Schild vor dem Geschäft hätte nicht nur ihm, sondern auch dem Kunden Klarheit verschafft, der sich, ohne kontrolliert zu werden, im Laden umschaut.

„Ich muss mich ehrlich gesagt erstmal daran gewöhnen“, sagt Saad B. und lässt den einzelnen Kunden herumspazieren, ohne den Impfausweis zu prüfen. Valentina, Mitarbeiterin einer Kosmetikkette, steht besser vorbereitet hinter einem Band, durch das nur kontrollierte Kund:innen reinkommen.

Allerdings wirft die 19-Jährige nur einen flüchtigen Blick auf die Impfnachweise, egal ob in Papierform oder digital. Die Personalausweise kontrolliert sie nicht. Bei Zara wird hingegen alles sehr genau geprüft – ohne Impfnachweis in Kombination mit dem Personalausweis kann dort niemand shoppen. Das könnte erklären, warum sich vor dem Geschäft eine längere Schlange bildet.

Anna und Flo – beide Anfang 30 – bestätigen den Eindruck vieler anderer Kunden, dass an diesem Samstag viel weniger los sei als üblich. Dass nun 2G gilt, findet sie gut. „Ich bin geimpft und finde es gut, dass die Regeln für Ungeimpfte verschärft werden, und außerdem habe ich nicht lange angestanden.“ 

Wenn, dann sollte man schon 2G-plus machen. Dann hätte das Anstehen auch mehr Sinn.

Denise (28), Kundin im Einkaufscenter Alexa
Denise (Mitte) mit ihren Freundinnen Sigrid (links) und Lea.

© Christine van den Berg

Sandra Völler (53) und Sylviane Wattenhofer (63) gehen an diesem Morgen auch bei Zara shoppen und freuen sich über freie Gänge. „Wenn das das Ergebnis von 2G ist, na umso besser”, sagt Völler. Die drei Freundinnen Denise, Lea und Sigrid halten nichts von 2G. „Wenn, dann sollte man schon 2G-plus machen. Dann hätte das Anstehen auch mehr Sinn“, sagt Denise. 2G heißt aber nicht, dass in den Geschäften nicht auch Ungeimpfte herumlaufen.

Verkäuferin Viviene kontrolliert die Impfnachweise ihrer Kund:innen.

© Christine van den Berg

Viviene ist 21 und arbeitet als Mitarbeiterin in einem Einrichtungsgeschäft, ist selbst nicht geimpft, prüft aber sehr genau, ob es ihre Kund:innen sind. Dass sie als Ungeimpfte eigentlich nur noch in ihrem Laden herumschlendern kann, stört sie nicht. 

Als Verkäufer habe ich einen guten Blick für die Kunden.

Ein Mitarbeiter über fehlende Einlasskontrollen

In einem Schmuckgeschäft wird man zwar von einer Mitarbeiterin begrüßt. Anstatt die Impfausweise zu kontrollieren, händigt sie den Kund:innen allerdings nur ein Einkaufskörbchen aus. Auf Nachfrage, warum sie nicht am Eingang die Impfausweise kontrollieren, sagt ein anderer Mitarbeiter: „Als Verkäufer habe ich einen guten Blick für die Kunden. Ich sehe, wenn jemand reinkommt, und dann frage ich nach den Nachweisen.“ Dass währenddessen eine Kundin ungeprüft hereinspaziert, bemerkt er nicht, obwohl das Geschäft fast leer ist.

Der Saturn am Alexanderplatz verweist gleich am Eingang auf die neuen Regelungen. Vor den Türen stehen drei Mitarbeiter der Security, um die Impfnachweise zu prüfen.

© Christine van den Berg

Vor Saturn und Primark am Alexanderplatz bilden sich gegen Mittag Schlangen. An beiden Stellen werden die Impfnachweise gescannt. Auch vor den Geschäften in der Weinmeisterstraße stehen vereinzelt bis zu sechs Personen an. Eine Mitarbeiterin bei Cos und ein Mitarbeiter bei Urban Outfitters berichten, dass sie an diesem Vormittag nur eine Person haben wegschicken müssen, die ungeimpft war. 

Ich hab’ zu viele Coronaleugner in meinem Umfeld. Ich hab’ keinen Bock mehr, dass die weiterhin alles machen können.

Uwe Ebersbach, Kunde in der Mall of Berlin
Sabine (57) und Uwe Ebersbach (60) sind zum Shoppen und wegen der Berliner Weihnachtsmärkte aus Sachsen angereist.

© Christine van den Berg

Wie im Alexa sind auch in der Mall of Berlin weniger Kund:innen unterwegs. Mehrere Mitarbeiter:innen bestätigen den Eindruck, dass an diesem Samstag deutlich weniger Menschen shoppen gingen. Was für den Einzelhandel zu Einkommenseinbußen führen könnte, finden Sabine und Uwe Ebersbach aus Sachsen besser, als 3G einzuführen. „Ich hab’ zu viele Coronaleugner in meinem Umfeld. Ich hab keinen Bock mehr, dass die weiterhin alles machen können. Außerdem ist es mit 2G viel leerer hier – das ist doch schön.“ 

Dass die neuen Maßnahmen negative Folgen für den Einzelhandel haben können, ist schon abzusehen: „Wir verzeichnen bereits Frequenzrückgänge“, sagte Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, am Samstag. Er rechne mit Umsatzeinbußen von 15 bis 30 oder 40 Prozent. Zugleich erneuerte er seine Kritik an der Umsetzung der 2G-Regel wegen der Folgen für die Beschäftigten: „Die Mitarbeitenden müssen die Hilfspolizei geben und bei der Kontrolle die Konfrontationen mit Kunden aushalten.“ (mit dpa)

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