• Vorfall in Lichtenberger Flüchtlingsheim: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung

Vorfall in Lichtenberger Flüchtlingsheim : Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung

Eine schwangere Frau klagt über Schmerzen, Sicherheitsmitarbeiter verweigern den Notruf. Einige Stunden später ist das Kind tot. Das ist jetzt ein Fall für die Staatsanwaltschaft.

Das Schild der Staatsanwaltschaft Berlin am Eingang zum Gerichtsgebäude in der Turmstraße in Moabit.
Das Schild der Staatsanwaltschaft Berlin am Eingang zum Gerichtsgebäude in der Turmstraße in Moabit.Foto: Soeren Stache/dpa

Im Falle der hochschwangeren Frau, der Sicherheitsmitarbeiter einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Lichtenberg Hilfe verweigert haben sollen, hat sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Behörde ermittelt wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung und der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen. Die Ermittlungen richten sich derzeit noch gegen Unbekannt, teilte ein Sprecher dem Tagesspiegel mit.

Das erklärt sich dadurch, dass zwar Vorwürfe gegen den Wachdienst im Raum stehen. Diese zu verifizieren, ist aber Teil der gerade erst begonnenen Untersuchung. Deswegen laufen die Ermittlungen standardmäßig zunächst gegen Unbekannt.

Wie berichtet hatte die 21-jährige Frau ein totes Kind zur Welt gebracht, nachdem sie zuvor über starke Bauchschmerzen geklagt hatte. Als ihr Mann den Sicherheitsdienst in der Flüchtlingsunterkunft "Refugium Lichtenberg" an der Rhinstraße darum bat, einen Rettungswagen zu rufen, weigerte sich dieser. Auch ein Taxi wollten die beiden Mitarbeiter der Familie nicht rufen, empfahlen stattdessen den Weg zu Fuß und mit der Bahn, den das Paar schließlich auch antrat.

Als die beiden Stunden später in der Klinik ankamen, gebar die Frau ihr totes Baby. Todesursache soll eine "akute Plazentainsuffizienz" gewesen sein, also eine plötzlich eintretende Unterbrechung der Durchblutung von Plazenta oder Nabelschnur, die innerhalb kurzer Zeit zum Tod des Kindes führen kann.

Die zuständige Oberärztin kam nach Angaben des Anwalts der Familie zu dem Schluss, ein Überleben des Kindes bei rechtzeitiger Alarmierung des Rettungswagens wäre "wahrscheinlich" gewesen.

Der Vorfall ereignete sich bereits am frühen Sonntagmorgen, den 23. Juni, wurde aber erst am Montag durch den Berliner Flüchtlingsrat publik gemacht. Der Heimbetreiber, die Awo Mitte, distanzierte sich von seinem Sicherheitsdienst. Dieser hätte die klare Anweisung gehabt, in einem solchen Fall den Rettungswagen zu rufen, sagte der Vorsitzende Manfred Nowak dem Tagesspiegel.

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