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Hallo, Frau Antje! Wenn traditionell gekleidete Holländerinnen am Brandenburger Tor auftauchen, heißt das meist: Es ist Grüne Woche.
© dpa

Grüne Woche in Berlin: Was für ein Käse!

Niemand ist der Grünen Woche so treu wie sie: Frau Antje, die Käsetante aus Holland, hat auch in diesem Jahr wieder vor dem Brandenburger Tor posiert: Mit Zöpfen, Holzklompen und Gummikäse. Hallo? Wie spießig ist das denn, fragt unser Kolumnist Bernd Matthies. Eine Glosse.

Die Gute ist in die Jahre gekommen. Es war 1961, als Frau Antje erstmals vor die Kamera trat. „Guten Abend, liebe Hausfrauen!“, grüßte sie fröhlich, „heute zeige ich Ihnen Toast Hawaii!“. Toast Hawaii ist wieder schwer in Mode und Frau Antje noch rüstig, denn gestern tollte sie mit Zöpfen, Holzklompen und Gummikäse vor den Kameras herum, als sei die Zeit stehen geblieben. Hallo? Holland ist ein modernes Industrieland, hat sogar die Zeit der berüchtigten Wassertomaten weit hinter sich gelassen. Wie spießig ist das denn?

Es muss wohl mit der Grünen Woche zu tun haben, die solche Retro-Exzesse herausfordert. Schließlich wurde Frau Antje ebendort und nicht in Holland erfunden, wo man sie immer als rückständig empfunden hat und grinste, wenn sich die jeweilige Darstellerin später für den „Playboy“ lockermachte. Aber bei uns glauben die Leute ja ohnehin, dass das bezopfte Meisje jeden Käse einzeln per Hand zum Bahnhof rollt, jedenfalls so lange, bis ihnen die Verbraucherschützer darlegen, dass das ja gar nicht sein könne.

Immerhin hält das Land der Messe die Treue, anders als die Dänen, deren Kuh Karoline die einzige echte Antje-Konkurrenz war. Und die existiert heute nur noch als Karo-Muster.

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