Berlin : Wer war hier der Held?

Spandau streitet um die letzten Kriegstage im Mai 1945.

[Wie war das 1945 im Berliner Westen? Hier die Geschichte, wie die Rote Armee Berlin-Spandau einnahm, Ortsteil für Ortsteil. Mehr konkrete Kiez-Nachrichten immer in unseren Tagesspiegel-Bezirksnewslettern, die schon 200.000 Haushalte im Abo haben: leute.tagesspiegel.de]

Kopfsteinpflaster, Wassergraben, Bäume – der Weg zur Zitadelle ist klein, der Streit um den Namen groß: Dieser soll den Namen des russischen Soldaten Wladimir Gall tragen, der im Mai 1945 ein Blutbad verhindert hat. Oder auch nicht.

In der Spandauer Bezirksverordnetenversammlung ist es am Mittwochabend zum Eklat gekommen. Während SPD, Linkspartei und Grüne einen entsprechenden Prüfauftrag ans Bezirksamt durchsetzten, forderten CDU, FDP und AfD eine Klärung der tatsächlichen Verantwortlichkeiten bei der Rettung von zahlreichen Frauen, Kindern und Senioren, die bei Kriegsende auf der Festung Zuflucht gesucht hatten.

Die Rolle des 2011 verstorbenen Soldaten ist umstritten. Er hatte seinem Vorgesetzten bei den Kapitulationsverhandlungen als Dolmetscher gedient. Schon zu DDR-Zeiten hatte Gall ein Buch veröffentlicht. Er ist in Spandau gefeiert worden. Am Eingang der Festung erinnert eine Gedenktafel an beide Offiziere.

Die Frage sei, ob hier der Richtige geehrt werden solle, sagte CDU-Fraktionschef Arndt Meißner unter Hinweis auf die kontroversen Meinungen der Historiker. Volker Wilkening (AfD) verwies auf die Rolle zweier Volkssturm-Offiziere. Sie hätten auf deutscher Seite die unblutige Übergabe der Zitadelle ausgehandelt.

SPD-Fraktionschef Christian Haß warf der AfD „Geschichtsklitterung“ vor, worauf Wilkening als Quelle auf das „Spiegel“-Archiv verwies. Die AfD wich anschließend komplett vom Thema ab: Sie forderte in einem Änderungsantrag, die Straße nach dem deutschen General August von Thümen und dem russischen General Ludwig Adolph Peter zu Sayn-Wittgenstein zu benennen, die 1813 die Zitadelle aus französischer Besatzung befreit hatten. Rainer W. During

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!