zum Hauptinhalt

© Thilo Rückeis

Tagesspiegel Plus

Wir woll’n doch nur spielen: So kommen Sie halbwegs gesellig über die Ostertage

Ob „Backgammon“, „Stadt, Land, Fluss“ oder Versteckspiel mit den Kleinsten – gerade in diesen digitalen Zeiten wünschen wir uns doch alle mehr Spaß offline. Sieben ganz analoge Spieletipps für die Ostertage.

Von Tagesspiegel- Autor:innen

Klar, es ist schon toll, was im letzten Jahr plötzlich an Online-Spieleabenden, Zoom-Stammtischen und virtuellen Ausstellungseröffnungen möglich geworden ist. Aber seien wir ehrlich: An den meisten Tagen ist unser Bedarf an Bildschirm-Aktivität schon durch Homeoffice und E-Learning ganz gut gedeckt. Schön, wenn es abends dann ein Spiel sein kann, das komplett offline auskommt. Sieben Ideen für analoge Geselligkeit.


Backgammon ohne Pardon

Es muss wohl 20 Jahre her sein, dass unser Sohn ein Backgammon-Spiel geschenkt bekam. Sehr ästhetisch anzufassen, glattes Holz. Es lag in einer Schublade, sein Name war mir unbekannt, es kam einfach nicht zum Zuge in unserem Leben, in dem nur Platz für seltene, aber geheiligte, lange, große Siedler-von-Catan-Abende war.

Festes Ritual: Auf den Abendspaziergang folgt eine Runde Backgammon oder Scrabble.

© Susanne Vieth-Entus

Seit Corona ist alles anders. Irgendwann in diesem Jahr lernte ich das Backgammon, das sich in 20 Minuten spielen lässt. Wenn mehr Zeit ist, holen wir Scrabble hinzu, das ebenfalls jahrelang stiefmütterlich behandelt worden war. Das Buchstabenspiel hat es mir ebenfalls sehr angetan. Dabei spielen wir es furchtbar streng, konjugierte oder deklinierte Formen sind verboten, geografische Begriffe sowieso. Im zwölften Corona-Monat ist längst ein Ritual daraus geworden – ebenso wie aus dem Abendspaziergang kreuz und quer durch Charlottenburg. Nach der Rückkehr wird gespielt – meist irgendwann gegen Mitternacht. Pardon wird nicht gegeben, auch nicht bei Müdigkeit: Meine neu gefundene Spielerseele lässt sich als Kompromiss höchstens auf einen Ersatz in Gestalt einer Runde Canasta ein.
(Susanne Vieth-Entus)


„Mama, suchen!“

Such mich! Das finden nicht nur kleine Hasen toll.

© dpa / Friso Gentsch

„Mama, suchen!“ Ok, jetzt wird’s schwierig. „Mh, wo kann das Kind nur sein? Vielleicht hier unter der Kekspackung?“ Kichern unter der Sofadecke. „Nee, hier nicht. Dann bestimmt da in der Besteckschublade!“ Noch lauteres Kichern unter der Sofadecke. „Ach, ich weiß: unterm Wäscheständer!“ Die Sofadecke bewegt sich heftig. Riesenfreude, wenn das Kind entdeckt wird. Und gleich nochmal: „Mama, suchen!“ Natürlich kichert es wieder unter der Sofadecke. Auch beim vierten und fünften Mal. Wenn Mama sich dann mal raffiniert antizyklisch hinterm Duschvorhang versteckt, wird fast mit Empörung reagiert. Das richtige Versteck ist und bleibt eben unter der Sofadecke. Wochenlang.
(Constanze Nauhaus)


Steine der Weisen

Es ist richtig schwierig, gute Quizspiele zu finden. Bei dem einen sind die Fragen zu leicht, beim nächsten zu schwer. Beim nächsten sind die Fragen so alt, dass jüngere Mitspieler Fragen nach Oscargewinnern aus den Sechzigern beantworten sollen. Die Probleme mit dem Schwierigkeitsgrad lassen sich gut mit Brettspielen mit digitaler Fragen-App umgehen. Aber wir wollen Ostern doch endlich mal weg von den Bildschirmen.

Die Empfehlung: Das Brettspiel „Bezzerwizzer“ von Matel. Man zieht vier Fragenkategorien (sprich: Steinchen aus einem Beutel) pro Runde und kann diese nach dem eigenen Können reihen. Die Antworten sind einen bis vier Punkte wert. Technik? Lieber mal auf den ein-Punkt-Platz. Geografie? Ganz nach oben, da werden vier Punkte mitgenommen! Das Spiel dauert nicht stundenlang wie etwa Trivial Pursuit und die Fragen sind, wenn auch nicht superaktuell, nicht zu weit weg von heute. Außerdem wichtig für Vielspieler: Man kann zusätzliche Quizkarten ordern, sobald man alle mitgelieferten kennt. Es gibt noch kleine Extras, die aber auch weglassen kann, wer ein Fan von Frage-Antwort-Spielen ohne Schnickschnack ist – etwa können Kategorien ausgetauscht werden. Oder man kann, um Extrapunkte zu machen, die Frage eines Mitspielers beantworten. Aber Achtung: Wer falschliegt, muss rückwärtsfahren.
(Melanie Berger)


Wer bin ich oder was?

In trüben Corona-Sinnier-Momenten denke ich zurück an diese Skireisen ins Jugendferienhaus im Allgäu mit Bergbesteigungen und Übernachtung im selbst gebauten Iglu – die habe ich als Neuköllner Teenie geliebt. Mit den Kennlernspielen von damals kann man sich auch in Berlins aktueller Coronazeit prima in Schwung bringen. Man braucht mindestens vier Spieler, die in zwei Teams aufgeteilt werden: Das eine schreibt zusammengesetzte Hauptwörter auf einen Zettel, faltet ihn zusammen, übergibt ihn dem anderen Team – und umgekehrt. Da steht dann etwa Regentonne, Kleiderstange oder im übelsten Falle Bruttosozialprodukt. Der Begriff wird pantomimisch dargestellt, der oder die andere aus dem Team raten laut. Bei erfolgreichem Vormachen lassen sich auch Punkte vergeben.

Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Fragte schon Richard David Precht.

© imago/Panthermedia

Oder auch so: Jeder schreibt einen Namen auf einen Zettel und klebt ihn dem Gegenüber auf die Stirn. Dann rät jeder, wer er ist, aber nur mit Ja- oder Nein-Fragen an die anderen („Bin ich ein Schauspieler? Lebe ich noch? Gibt es mich in echt?“) – bei „Nein“ ist der nächste in der Runde an der Reihe. Das Ziel: sich selbst erraten. Das geht auch gut kindgerecht zu spielen mit Micky Maus oder der Biene Maja. Immer mit dabei war bislang auch Superman, Donald Trump und Angela Merkel. Womit wir wieder bei dem Thema wären, dass eine Corona-Pandemie im Zaume zu halten echt kein Kinderspiel ist.
(Annette Kögel)


Legen und legen lassen

Wie gut kennen Sie ihre Familie? Weiß Ihr Partner, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten? Sind sie eher zögerlich oder preschen Sie vor? Alles Dinge, die man bei ein paar Runden „The Mind“ über seine Mitmenschen lernen kann. Es ist ein reines Kartenspiel in einer kleinen Packung, nimmt kaum Platz weg. Das Konzept ist so simpel, dass es überrascht, wie viel Spaß es macht. Das Spiel besteht aus Karten mit den Nummern 1 bis 100. Die Spieler bekommen in der ersten Runde je eine, in der zweiten je zwei und so weiter. Sie halten die Karten verdeckt auf der Hand.

Nun müssen sie in der richtigen Reihenfolge abgelegt werden. Ein Beispiel: Drei Spieler, Runde eins. Einer hat die 35, einer die 10, der Dritte die 76 auf der Hand. Zuerst muss die 10, dann die 35, dann die 76 gelegt werden. Die Spieler dürfen aber nicht miteinander sprechen, keinen Laut machen. Krach gemacht wird dabei also keiner und man sollte lange Schweigepausen und verstohlene Blicke aushalten können. Bin ich wirklich der mit der niedrigsten Karte? Da hat doch sicher jemand was unter 10, oder? Es gibt eine gewisse Zahl an Fehlern, die man machen darf. Und: Es gibt auch ein paar Joker zur Hilfe. (Melanie Berger)


Koffer packen und Quatschsätze bilden

In Corona-Zeiten wird man ja langsam bräsig und wächst an Handy oder Laptop fest. Da lohnt sich eine Zeitreise zurück zum guten alten Erinnerungsspiel, um den Geist wach zu halten. Wer kennt noch „Ich packe meinen Koffer“? Nacheinander werden immer mehr Begriffe angesagt, die sich einpacken lassen, virtuell oder auch reell. Und ein:e jede:r muss alle bereits genannten Begriffe nacheinander wiederholen – und noch einen neuen hinzufügen. Das Spiel funktioniert mit Promilleumdrehungen oder auf dem Trockenen. Und auch in diversen Motto-Versionen, also Urlaub, Corona, Beziehung. Und es schult auch, womit wir wieder kurz beim Homeschooling wären, beim Schwierige-deutsche-Wörter-Lernen. Ob Schnee, Frühlingssonne oder Hitzewelle – in diesen Coronazeiten lohnt es sich, einige dieser analogen Spiele auf Lager zu haben.

Koffer packen: In Coronazeiten eher im Spiel möglich.

© imago/Panthermedia

Wie auch „Wahrheit oder Pflicht“: Eine:r darf Fragesteller:in sein und die anderen in der Runde müssen die Fragen ehrlich beantworten – oder eine lustige Aufgabe erledigen, zum Beispiel ein Lied singen oder zehn Liegestütze machen oder oder oder. Da ist schon viel Amüsantes, Ernstes, auch Tiefgründiges zutage gekommen, über das sich hinterher noch austauschen lässt. Richtig lustig kann auch Sätze-Vervollständigen sein: Einer sagt ein Wort, der nächste packt das nächste ran, und so weiter, bis ein richtiger Quatschsatz herauskommt. (Annette Kögel)


Stadt, Land, Vollpfosten

Der Fluss war immer das schwierigste an „Stadt, Land, Fluss“. Was früher ein Pausenfüller in der Schule oder der Zeitvertreib im Schwimmband zwischen Wasserrutsche und Pommes war, gibt es inzwischen aber mit noch viel mehr, noch viel kreativeren Kategorien als Abendfüller. Bei „Stadt, Land, Vollpfosten“ muss man, getreu der klassischen Variante, einen Buchstaben wählen und dann so schnell es geht so viele Begriffe wie möglich mit diesem aufschreiben. Neben Stadt, Land, Fluss stehen auf den vorgedruckten Zetteln aber auch Dinge wie „Fußballspieler“, „Haushaltsgerät“ „Insekt“, oder „Verbrechen“.

Fluss mit X: Irgendwie hakte es immer und bei allen an den selben Stellen.

© imago / Steinach

Kreativität ist gefragt, denn hat ein Mitspieler die gleiche Antwort, gibt es weniger Punkte. Pro Runde gibt es vier Durchgänge. Dann wechseln die Kategorien, damit es nicht öde wird. Aus „Musiker“ wird „berühmter Toter“, aus „TV-Sender“ wird „Automarke“. Pro Durchgang gibt es ein als „Vollpfosten“ markiertes Feld. Hier zählt die Antwort doppelt. Gern wird auch über Antworten gestritten, es lohnt sich, im Vorfeld Regeln auszumachen, was zählt – und was nicht. (Melanie Berger)

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
true
isPaid:
true
showPaywallPiano:
false