Corona-Ausbruch auf Spargelhof : Ansteckungen über Grenzwert, aber kein Lockdown

Der Grenzwert der Infektionen pro 100.000 Einwohner wurde in einem Landkreis in Bayern überschritten - fast 100 Erntehelfer waren infiziert.

Corona-Aus für die Spargelsaison eines bayerischen Hofes (Symbolbild).
Corona-Aus für die Spargelsaison eines bayerischen Hofes (Symbolbild).Foto: Sebastian Gabsch PNN

Viele Ansteckungen - kein Lockdown: Der Corona-Ausbruch im bayerischen Landkreis Aichach-Friedberg sei örtlich begrenzt, es seien zuletzt keine Infektionen mehr hinzugekommen. Das teilten die örtlichen Behörden am Montag mit, wie die Augsburger Allgemeine berichtete.

Auf einem Spargelhof waren 95 Menschen positiv getestet worden. 525 Mitarbeiter wurden untersucht, wie das Landratsamt in Aichach bereits am Freitag mitgeteilt hatte. „Aktuell werden alle Kontaktpersonen der Erkrankten ermittelt.“ 

Als Grenzwert für eine Rückkehr zu strengeren Beschränkungen gilt bundesweit die Zahl von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Manche Bundesländer, darunter Bayern und Berlin, haben diese Grenze auf 35 Infektionen herabgesetzt. 

In Aichach-Friedberg gab es nun 74 nachgewiesene Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen. Auf 100.000 Einwohner umgerechnet sind das 55,4 Infektionen. Damit ist der Kreis bundesweit der einzige, der über der Grenze von 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern liegt.

Die Getesteten hätten zum Zeitpunkt des Abstrichs keinerlei Symptome einer Covid-19-Erkrankung gezeigt, teilte die Behörde mit.

[Alle aktuellen Entwicklungen in Folge der Coronavirus-Pandemie finden Sie hier in unserem Newsblog. Über die Entwicklungen speziell in Berlin halten wir Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden.]

Erntehelfer in Kleingruppen aufgeteilt

Früheren Angaben zufolge hatte es unter Erntehelfern auf dem Betrieb in Inchenhofen eine Aufteilung in Kleingruppen gegeben, die vom Gesundheitsamt vorab ausdrücklich gelobt worden war. 

Die Geschäftsführung der Lohner Agrar GmbH teilte mit, angesichts der Vorkehrungen wie die Einrichtung eines eigenen Supermarktes, einer eigenen Kantine mit Abstandsvorkehrungen und die Unterbringung in Ein- bis Zwei-Personen-Zimmern keine Erklärung dafür zu haben, wie das Virus auf den Hof gekommen ist. 

Womöglich schon vor Einreise erkrankt

Mit Verweis auf die Behörden und weil der Abstrichtest nicht zwischen aktiven und abgestorbenen Viren im Rachenraum unterscheide, könnten Menschen womöglich schon vor der Einreise eine Erkrankung durchgemacht haben.

Wegen der ersten positiven Tests hatte der Betrieb die Spargelernte und den Verkauf vor gut einer Woche eingestellt und die Spargelsaison vorzeitig beendet. 

Quarantäne auf Firmenkosten

„Ein mögliches Infektionsrisiko für Kunden besteht und bestand in keinem höheren Maße, als dies während der Corona-Krise allgemein beim Einkauf im Supermarkt gegeben war. Insbesondere die saisonalen Erntehelfer haben bei ihrer Arbeit auf dem Feld keinen Kontakt zu Kunden“, hieß es seitens der Geschäftsführung weiter.

Die positiv getesteten Mitarbeiter und einige Kontaktpersonen blieben getrennt voneinander zunächst in firmeneigenen Wohnungen in Quarantäne und würden dort kostenlos versorgt. 

Aktuell gut 6000 Infektionen 

Mehrere negativ getestete Personen seien schon wieder nach Rumänien zurückgereist oder kehrten in den nächsten Tagen in ihre Heimat zurück.

Unser Tagesspiegel Innovation Lab trägt die Corona-Zahlen live aus allen Landkreisen zusammen. Demnach gibt es 188.044 nachgewiesene Infektionen hierzulande. 8885 Menschen starben im Zusammenhang einer Covid-19-Erkrankung, nach RKI-Schätzung sind 173.100 Menschen genesen. 

Das bedeutet, es gibt 6059 Menschen, die akut an einer Sars-Cov-2-Infektion erkrankt sind. Im Sieben-Tage-Mittel sind täglich 330 neue Infektionsnachweise dazugekommen. Dieser Wert lag vor einer Woche bei 362,3. (Tsp/dpa)