Kosmos-Festival in Chemnitz : Zehntausende feiern für Weltoffenheit und gegen rechts

#wirsindmehr lautete zum zweiten Mal das Motto in Chemnitz. Nach den rechten Übergriffen in der Stadt vor einem Jahr wollten viele ein Zeichen setzen.

50.000 sollen nach Angaben der Veranstalter am Donnerstag in Chemnitz gefeiert haben.
50.000 sollen nach Angaben der Veranstalter am Donnerstag in Chemnitz gefeiert haben.Foto: Sebastian Willnow/dpa

Musik, Gespräche, Sport, Show - und vor allem überall freundliche Gesichter: Chemnitz hat am Donnerstag ein friedliches Fest der Demokratie gefeiert. Nach Angaben der Organisatoren kamen 50 000 Menschen zum Festival „Kosmos Chemnitz - Wir bleiben mehr“. Auf der Bühne standen etwa Tocotronic, Rapper Alligatoah und Loveparade-Gründer Dr. Motte. Zum Abschluss sang Herbert Grönemeyer - und sagte: „Das Land ist unser Land. Wir halten es fest und stabil und lassen es nicht nach rechts ausschwenken.“ Die sächsische Großstadt war nach rechten Demonstrationen und fremdenfeindlichen Übergriffen bundesweit in den Blickpunkt gerückt.

Zum Abschluss sang Herbert Grönemeyer und sagte: "Das Land ist unser Land. Wir halten es fest und stabil und lassen es nicht nach rechts ausschwenken."
Zum Abschluss sang Herbert Grönemeyer und sagte: "Das Land ist unser Land. Wir halten es fest und stabil und lassen es nicht nach...Foto: Sebastian Willnow/dpa

Mit dem Festival will Chemnitz ein Zeichen für eine friedliche, weltoffene und tolerante Gesellschaft setzen. „Wir sind mehr als ein Konzert. Wir wollen #wirsindmehr fortschreiben. Wir werben für eine offene Gesellschaft“, sagte Sören Uhle, Geschäftsführer der Stadtmarketing-Gesellschaft.
Beim Konzert #wirsindmehr hatten am 3. September 2018 etwa die Toten Hosen, Feine Sahne Fischfilet, oder Kraftklub vor 65 000 Menschen gespielt. Es war eine Reaktion auf rechte Demonstrationen und fremdenfeindliche Übergriffe in der Stadt, nachdem kurz zuvor ein 35-jähriger Deutscher am Rande des Stadtfestes vermutlich von Asylbewerbern erstochen worden war.

"Das gehört alles zu einer zivilgesellschaftlichen Bewegung"

Für Tocotronic war das Festival mehr als nur ein Zeichen. Für ihn gehöre die Veranstaltung in eine Reihe mit den Initiativen #unteilbar und Sichere Häfen, sagte Sänger Dirk von Lotzow. „Das sind alles Ereignisse, die ich zusammenfassen würde zu einer Art zivilgesellschaftlichen Bewegung. Und das finde ich sehr spannend“, befand er. Beim Bündnis Sichere Häfen geht es darum, dass Städte Flüchtlinge aufnehmen - ihnen also sichere Häfen bieten. #unteilbar ist ein Bündnis für Demokratie, Menschenrechte, soziale und gesellschaftliche Teilhabe.

Die Band Tocotronic mit ihrem Sänger Dirk von Lotzow auf der Bühne in Chemnitz.
Die Band Tocotronic mit ihrem Sänger Dirk von Lotzow auf der Bühne in Chemnitz.Foto: Sebastian Willnow/dpa

Sänger Joris, der bereits im vorigen Jahr bei #wirsindmehr als Besucher dabei war, hält es für wichtig, dass sich Künstler aller Couleur für eine weltoffene Gesellschaft engagieren. „Ich glaube, in der heutigen Zeit ist es sehr, sehr wichtig, dass man Haltung zeigt. Und wenn wir das jetzt nicht machen, wo es einfach ist und wir eben auch noch mehr sind, dann wird es eben schwierig irgendwann mal“, sagte der 29-Jährige.

Die tödliche Tat war ein Auslöser für "Kosmos Chemnitz"

Nach der tödlichen Messerattacke auf einen 35-jährigen Deutschen in Chemnitz vor fast einem Jahr am Rande des Stadtfestes Chemnitz muss sich ein Tatverdächtiger aus Syrien wegen gemeinschaftlichen Totschlags vor Gericht verantworten. Ein zweiter mutmaßlicher Täter aus dem Irak ist auf der Flucht und wird weltweit gesucht. Die Gewalttat vom vorigen August sollte bei „Kosmos Chemnitz“ nur indirekt eine Rolle spielen. „Das Ereignis war Auslöser dafür, dass wir uns mit Toleranzfragen auseinandersetzen müssen“, sagte Uhle. (dpa)