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Gleich kann es losgehen mit der schönsten Nebensache der Welt: Wäsche mangeln

© Thomas Dutour/fotolia

Seltene Vorliebe im Haushalt: Mangelwirtschaft

Ist die Bettwäsche trocken, packen die meisten sie in den Schrank. Für unsere Autorin wäre das der Horror. Sie legt dann erst los. Eine Hommage an das Mangeln mit heißen Walzen.

Ich mangele. Das Mangeln ist eine meiner sinnlosesten Haushaltstätigkeiten. Meine Freundin Ann-Helen sagt, ich sei die Einzige in ihrem großen Bekanntenkreis, die mangele. Sie selbst rollt die Laken nur ganz fest zusammen, ehe sie sie in den Schrank legt, dann fühlen sie sich glatt und frisch an, wenn sie beim nächsten Mal die Betten bezieht. Und ja: Sicher sind all die Arbeitsschritte, die zum Mangeln gehören, eine ziemliche Zeitverschwendung. Aber ich kann es nicht lassen, ich kann einfach nicht.

Ich besitze keinen Wäscheschrank im eigentlichen Sinne. Auch das ist ein Einrichtungsgegenstand, der schon lange vom Markt verschwunden ist. Mein Mann hat ein solches Möbel einmal auf dem Flohmarkt erstanden, denn wir wünschten uns einen Schrank, in dem wir unseren hässlichen Fernseher verstecken konnten. Der Trödelfund sah genau so aus wie der Wäscheschrank, der in meinem Elternhaus gestanden hatte, hartes Holz, zarte Verzierungen. Aber wir haben ihn zerstört. Unser Fernseher war so ausladend, dass er nicht hineinpasste, weshalb wir ein Loch in die Rückwand sägten. Dort zogen wir auch die Kabel durch. Ich schäme mich immer noch dafür, wie übel wir dem schönen Stück mitgespielt haben, um es an unser elektronisches Zeitalter anzupassen.

In einem Wäscheschrank werden die exakt gefalteten Betttücher zu auf den Millimeter genauen geraden Stapeln geschichtet, und die Bändchen der Bettwäsche werden um kleine Hölzchen gerollt, damit sie sich fein kräuseln. Meine Alltagsbettwäsche liegt in einer Ikea-Kiste unter dem Bett. Zu meiner Mitgift gehören allerdings auch ein Dutzend handgenähter Betttücher, an denen ich hänge, in denen ich aber nie schlafe. Sie sind aus ungebleichter, herrlich dicht gewebter Baumwolle. Alle Bettlaken sind mit einem Monogramm bestickt, MA, alle Überschlaglaken sind Kunstwerke mit selbst gehäkelter oder geklöppelter Spitze. Die Monogramme auf den Oberlaken sind größer und schöner als die auf den Unterlaken.

Angesichts der Bettwäsche aus meiner Mitgift ist es natürlich traurig, dass eines Tages die Deckenüberzüge kamen und die weißen Überschlaglaken verdrängt haben. Praktisch und einfach zu handhaben – keine verhedderten Laken am Fußende mehr. Es war ein großer Moment, als ich meinen ersten Deckenbezug erwarb. Aber ich wusste nicht, wie man ihn benutzte, also kroch ich in den Bezug hinein, legte die Bettdecke darüber und fand es dort ziemlich eng und warm, ich fühlte mich eingesperrt.

Ich habe gern zugesehen, wenn meine Mutter und meine Tante für mich die Bettwäsche nähten, die Spitzen häkelten, die Blumenranken und Monogramme stickten.

Ich besitze nicht nur meine eigenen feinen Laken, sondern habe auch welche von meiner Tante geerbt. Ein Teil davon ist aus Leinen gewebt, das aus dem Flachs gesponnen wurde, der auf der kleinen Insel meiner Großeltern mütterlicherseits wuchs. In der Mitte des Lakens verläuft eine Naht, weil man so breite Leinenbahnen nicht weben konnte. Die anderen Betttücher sind modernere Baumwolllaken, aber immer noch erlesen. Meine Tante war eine sehr versierte Stickerin; die einzelnen Stiche sind unsichtbar, sie verbinden sich über den eigentlichen Baumwollfasern des Lakens zu einer schönen Oberfläche.

Die Betttücher liegen in der Kommode, Tantchens Museum, und ich benutze sie nie. Es führt kein Weg zurück vom Bettdeckenüberzug zum Überschlaglaken. Aber zu Gardinen oder Tischdecken möchte ich sie nicht umnähen, noch nicht.

Als ich jünger war, stellte ich eine moderne Version der alten Überschlaglaken her. Ich habe ungebleichte, robuste Baumwolle zu zwei identischen Deckenbezügen zusammengenäht. Zwanzig Zentimeter unterhalb der Oberkante habe ich eine selbst gehäkelte Spitzenborte eingesetzt, ganz akkurat. Die habe ich gehäkelt. Insgesamt drei Meter Spitze für zwei Bezüge. Verglichen mit all der Spitze, die frühere Frauengenerationen gehäkelt haben, ist das nichts, womit ich mich brüsten könnte, aber dennoch. Und unterhalb der Spitze prangt ein großes, verschnörkeltes Monogramm, MA, aus marineblauem Stickgarn (das weniger glänzt als Mouline-Garn und eine regelmäßige Oberfläche ergibt). Wunderhübsch. Etwas Ähnliches sollte ich mit den alten weißen Überschlaglaken machen, ihnen eine Unterseite geben, so würden sie als moderne und praktische Deckenüberzüge wiederauferstehen.

Einmal saßen meine Freundin Sabine und ich zusammen und träumten davon, eine Freiluftausstellung in der Altstadt von Porvoo zu kuratieren. Wir würden Menschen auffordern, ihre alten weißen Betttücher mitzubringen. Wir würden sie in den Gassen aufhängen, der Wind würde durch sie hindurchwehen, sie zu Wolken aufbauschen, die Leute würden zwischen ihnen umhergehen und über die Kunstwerke aus alten Laken staunen. Sabine hat seither alles Mögliche organisiert, um die Talente von Frauen herauszustellen, also ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass wir unseren Traum eines Tages verwirklichen werden. Weiße, handgemachte Wolken.

Ein Ritual von Gemeinschaft

Der Text ist ein Auszug aus "Wisch und Weg" von Maria Antas.

© Verlag

Gemangelte Betttücher fühlen sich anders an als zusammengerollte. Sie sind hart und steif, wenn man unter die Laken schlüpft. Außerdem glänzen sie. Ich kann das Mangeln nicht lassen.

Das Mangeln findet in meiner Küche statt. Die Mangel habe ich ebenfalls von meiner Tante geerbt. Davor habe ich eine elende Zeit mit schlaffen Laken gelebt. Meine Mangel ist ziemlich hässlich und senfgelb, man kann sie also leicht in die trüben Siebzigerjahre datieren, als die Waschküchen aus den Mietshäusern verschwanden – und es in den Wohnungen mehr Platz für Elektrogeräte gab. Auch die elektrische Mangel wurde den kleinen Wohnungen angepasst.

In meiner Kindheit war das Mangeln ein Großprojekt. Zusammen mit der Nachbarin hatten wir die gewaschenen Betttücher in große Spankörbe gelegt und schritten gemeinsam zum nächsten Mietshaus. Dort im Keller (der immer nach frischer Wäsche duftete) stand die große Steinmangel. Es brauchte zwei Frauen, um sie zu manövrieren, vom einen Ende zum anderen muss sie drei oder vier Meter gemessen haben, und sie machte einen beträchtlichen Lärm. Harte Frauenarbeit, die aber nie infrage gestellt wurde. Laken mussten gemangelt werden.

Ich konnte den ganzen Nachmittag lang beim Mangeln zusehen. Ein Ritual, das eine Form von Gemeinschaft schuf, wie es sie heute kaum noch gibt. Ich verstand nicht alles, worüber die Frauen sprachen, wurde jedoch vom Rhythmus der Gespräche und der aufeinander abgestimmten Bewegungsmuster an der großen Mangel gewiegt. Gemeinschaft entsteht unter anderem dadurch, dass die Bewegungen der Körper auch die Gedanken und Worte in einer wechselseitigen Choreografie in Bewegung setzen.

Für ein kleines Kind kann es nicht viele Orte geben, an denen es sich geborgener fühlt als in einem Mangelraum. Doch, einen Ort: direkt unter dem Laken, wenn zwei Erwachsene es nach dem Waschen glatt ziehen und zusammenlegen. Erst ertönt ein Knall hoch über dem Kopf. Dann folgt ein kühler Luftzug, der den ganzen Körper überströmt. Die Wolke hoch oben, die Wolke, die sich hinabsenkt, bis man darunter fast verschwindet. Das ist ein wunderbarer Ort. Auch meine Kinder legten sich unter die Laken, wenn mein Mann und ich sie glatt zogen. Ich wusste, was sie fühlten, sie brauchten es nicht zu erklären.

Streng genommen zählt das Mangeln nicht zum Hausputz. Sämtlicher Schmutz ist ja schon weg, wenn die Laken zwischen die schweren Walzen gezogen werden. Aber eigentlich gehört zum Reinemachen doch auch, den Dingen zu Hause eine schöne Oberfläche zu verpassen. Polierte Töpfe (wenn meine Mutter Rhabarbergrütze gekocht hatte, bekamen die Aluminiumtöpfe anschließend eine silbrige Oberfläche, auf der man die Kratzer fast nicht mehr sah), geputzte Silberlöffel, gebohnerte Böden und glänzende Ledermöbel. „Pled“ hieß das Wundermittel, das mehrere Jahrzehnte lang in den Wohnungen versprüht wurde, um sie zum Glänzen zu bringen. Ich erinnere mich an eine Reklame mit einer Frau mit hochtoupiertem Haar, die sich auf die Kante eines dunklen Ledersofas setzt – graziös, sexy –, „Pled“ auf dem Glastisch versprüht und dann mit dem Tuch einen durchsichtigen Glanz schafft.

Das Mangeln gehört zu derselben Glanzkategorie des Putzens. Minus Sexappeal.

Das Mangeln kann man auch deshalb als eine Form des Putzens bezeichnen, weil es viel mit der häuslichen Hygiene zu tun hat. Es heißt, dass Milben und anderes Ungeziefer aus dem Bett ferngehalten werden, wenn die Bettwäsche erstens oft genug gewechselt wird und zweitens diese spezielle, durchs Mangeln gefestigte Oberfläche hat, durch die die Schädlinge nicht dringen können. Mangeln ist also vernünftig, auch wenn ich die letzte Frau im Süden Finnlands, im Norden Europas, ja, auf der ganzen Welt bin, die es tut. Das will ich glauben, das will ich leben.

PS: Gerade sehe ich es: Eine andere Maria, die im benachbarten Viertel wohnt, bekennt auf Facebook, dass sie gemangelt habe. Jetzt sind wir schon zwei Vernünftige.

PPS: Am Tag darauf hat auch Martina aus Kauniainen ihre Mangelleidenschaft kundgetan. Die Bewegung wächst.

Der Text ist ein Auszug aus Maria Antas’ „Wisch und weg. Ein Buch über das Putzen“, das am 21. März erschien (InselVerlag, 240 Seiten, 18 Euro).

Maria Antas

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