Abschied auf eigenen Wunsch : Marion Horn verlässt Chefredaktion der "Bild am Sonntag"

Neue, übergreifende Redaktionsstrukturen bei "Bild", da wollte Marion Horn nicht mitmachen. Alexandra Würzbach folgt ihr nach

Chefredaktion der "Bild am Sonntag": Alexandra Würzbach (links) kommt, Marion Horn geht.
Chefredaktion der "Bild am Sonntag": Alexandra Würzbach (links) kommt, Marion Horn geht.Fotos: Axel Springer Verlag

Chefredakteurin Marion Horn verlässt die "Bild am Sonntag". Dies hat der Axel Springer Verlag am Dienstag bestätigt. Alexandra Würzbach, 51, bislang Stellvertreterin des "Bild"-Chefredakteurs für die Zeitung, sei ab sofort neue Chefredakteurin der "BamS" und Mitglied der Chefredaktion der "Bild"-Gruppe. Die 53-jährige Horn, seit 2013 Chefredakteurin der "Bild am Sonntag", verlasse Springer vor dem Hintergrund neuer, übergreifender Redaktionsstrukturen bei "Bild" auf eigenen Wunsch. Die Journalistin war erste "BamS"-Chefin.

Ihre Nachfolgerin Alexandra Würzbach erhielt ihre journalistische Ausbildung 1990 an der Axel Springer Journalistenschule, danach arbeitete sie unter anderem bei "Bild" Dresden, als Unterhaltungschefin bei der "B.Z". und als Textchefin in der "Bild"-Bundesredaktion. Seit 2007 ist sie als Autorin bei der Zeitung und seit 2013 Mitglied der Chefredaktion, heißt es einer Pressemitteilung.

Erkennbar wird, dass mit dem Abschied Horns eine engere Verzahnung von "Bild" und "Bild am Sonntag" einhergehen wird. Dies wiederum hängt mit den Umbau- und Sparmaßnahmen im Bereich News Media National beim Medienkonzern Axel Springer zusammen. Dessen Vorstandschef Mathias Döpfner hatte angekündigt, "wo strukturell Umsatzrückgang herrscht, müssen wir restrukturieren und Arbeitsplätze abbauen". 50 Millionen Euro will der Konzern einsparen, dies betrifft auch die Redaktionen von "Bild" und "Bild am Sonntag", deren Sportredaktionen bereits kooperieren. Ansonsten arbeiteten die Titel weitgehend autonom, was ein besonderes Anliegen von Horn war, die zu "Bild"-Herrscher Julian Reichelt auf Abstand hielt. Diese auch inhaltliche Distanz war in Zeiten von Konzentration, sprich Verkleinerung nicht durchzuhalten.

"Nicht meine Art des Journalismus"

Marion Horn dankte laut einer Pressemitteilung "Axel Springer für fast 20 Jahre Freiheit bei meiner journalistischen Arbeit. Und ich danke der großartigen Redaktion von "Bild am Sonntag" für die letzten sechs Jahre. Dieses Team hat jede Ausgabe mit Leidenschaft, Disziplin und großem Können zu einer ganz besonderen Zeitung gemacht." Und die Journalistin machte keinen Hehl aus ihrer Skepsis für die künftige Entwicklung: "Dieses hervorragende Team wird sicher auch in der neuen Redaktionsstruktur eine wichtige Rolle spielen. Eine eigenständige Redaktion ist aber eine wichtige Basis für meine Art des Journalismus. Ich gehe deshalb auf eigenen Wunsch.“

Vorstandschef Mathias Döpfner sagte, „Marion Horn ist eine großartige, mehrfach ausgezeichnete Journalistin. Sie hat als Chefredakteurin mit Kompetenz und Leidenschaft insbesondere die investigative und politische Relevanz von ,Bild am Sonntag' geprägt." Alexandra Würzbach werde das besondere journalistische Profil und Erscheinungsbild der "BamS" ausbauen und weiter stärken.“ "Bild-Chef Julian Reichelt stellte fest: „Marion Horn hat die Leser von Bild am Sonntag jede Woche mit exklusiven und bewegenden Geschichten begeistert." Er verstehe aber, wenn sie für sich feststelle, dass ihr die neue, gemeinsame Redaktionsstruktur mit "Bild" nicht entspreche.

Der Aufstieg von Alexandra Würzbach ist mit einer Machterweiterung von Julian Reichelt verbunden. Er ist mit dem Abgang von Marion Horn jetzt noch mehr Chef aller "Bild"-Redaktionen. Vorher hatte Tanit Koch die Position als "Bild"-Chefredakteurin aufgegeben und war zur Mediengruppe RTL gewechselt, Nikolaus Blome war als Politikchef gegangen. Julian Reichelts Reich ist größer geworden, seine Verantwortung auch.