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Eine sehr moderne, emanzipierte und selbstbestimmte Frau, deren wissenschaftliche Seite zu Lebzeiten im Schatten blieb: Hedy Lamarr.
©  The Everette Collection/ZDF

Arte-Film über Hedy Lamarr: Die Verkannte

Arte erinnert mit „Geniale Göttin“ an die Schauspielerin und Erfinderin Hedy Lamarr. Howard Hughes richtete ihr sogar ein Labor am Set ein.

„Jedes Mädchen kann glamourös aussehen. Dazu muss es nur stillstehen und dumm gucken.“ Das sagt niemand Geringeres als die, die in den 1930er und 1940er Jahren mithin als die schönste Frau der Welt galt: Hedy Lamarr. Als Hedwig Eva Maria Kiesler am 9. November 1914 in Wien geboren und am 19. Januar 2000 nach Jahren völliger Zurückgezogenheit in Florida gestorben, ist sie schon zu Lebzeiten eine Legende. Als sie 1933 in dem tschechoslowakischen Film „Ekstase“ vollkommen nackt auftritt, da ist das ein Skandal.

Es folgen Filme wie „Mädchen im Rampenlicht“ von 1941 oder, vielleicht ihr größter Erfolg überhaupt, der 1949 produzierte Monumentalfilm „Samson und Delilah“ von Cecil B. DeMille. Ihre letzten Filme dreht sie in den späten Fünfzigern, dann endet die knapp dreißig Jahre dauernde Filmkarriere. Dass die Schauspielerin eine veritable Pionierin der modernen Kommunikationstechnik ist, wusste zu ihren Lebzeiten letztlich nahezu niemand.

[„Geniale Göttin. Die Geschichte von Hedy Lamarr“ läuft am Sonntag um 22 Uhr 15 auf Arte]

Regisseurin Alexandra Dean geht in ihrem 90-minütigen Dokumentarfilm „Geniale Göttin“ dem Leben und Schaffen der aus Wien nach Amerika emigrierten Jüdin Hedwig Kiesler nach. Dabei kommen natürlich ihre Filme zur Sprache, sind Ausschnitte aus den großen Lamarr-Klassikern zu sehen, ikonische Filmstills ihres so ebenmäßigen Gesichts. Doch der Fokus in Alexandra Deans sehenswertem Porträt liegt dankenswerterweise auf der wesentlich unbekannteren Seite dieser sehr modernen, sehr emanzipierten und sehr selbstbestimmten Frau: ihrer Seite als Wissenschaftlerin.

Angefangen hat alles 2016 mit dem Fund von vier alten Tonbandaufnahmen. Die Tonbänder geben Telefonate wider, die der Journalist Fleming Meeks 1990 mit Hedy Lamarr für das „Forbes Magazine“ geführt hat. Danach gerieten die Bänder in Vergessenheit, zwischenzeitlich starb Hedy Lamarr. In den Gesprächen lässt die Frau, die zu dieser Zeit 76 ist, ihr überaus bewegtes Leben Revue passieren, bezeichnet sich selbst als enfant terrible, bemerkt einmal eher etwas lapidar am Rande, das sie zu den Unverstandenen zähle, dass sie nie als die gesehen wurde, die sie eigentlich war. Zu Wort kommen in der Doku aber, neben Filmhistorikern und Filmschaffenden auch Hedy Lamarrs Kinder, ihr Sohn Anthony Loder, der manches Mal sichtlich bewegt und angefasst von seiner in Teilen verkannten Mutter erzählt, und dessen Schwester, Lamarrs Tochter Denise Loder.

„Erfinden war ihr Hobby“

„Erfinden war ihr Hobby“, sagt einer der Zeitzeugen, als es darum geht, dass Hedy Lamarr in ihrer drehfreien Zeit in ihr kleines Labor geht. Hollywood-Mogul Howard Hughes richtete ihr in ihrem Wohnwagen-Trailer am Filmset sogar ein kleines Laboratorium ein. Wenige nur wissen zu dieser Zeit davon: neben der Hollywood-Schauspielerin aus Wien ist Hedy Lamarr auch Erfinderin etwa des Frequenzsprungverfahrens.

Ihre Erfindung eines Fernmeldesystems, die während des Zweiten Weltkriegs macht, gilt heute als Basis der modernen Kommunikationstechnik für sichere WiFi-, GPS- und Bluetooth-Verbindungen. Geld für diese Innovation, eine Anerkennung über die Patentierung hinaus, die nie bezahlt wurde, erhielt sie zu Lebzeiten nie. All dies blieb ihr versagt. Sie sollte, wie sie einmal sagt, immer die Schöne sein, die alle in ihren Bann zieht. Sie sollte, lieber Küsse verteilen anstelle mit Patenten anzukommen.

Die Tragik der Hedy Lamarr steckt darin, dass die Anerkennung, stets ihrer Schönheit galt. Die späte Würdigung ihrer Leistung als Pionierin der Kommunikationstechnik hat sie selbst nicht mehr miterleben können. Von dieser Tragik wird hier erzählt.

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