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Erfundener Protagonist : „SZ“ trennt sich nach Zweifeln an Geschichte von Autor

Ein freier Mitarbeiter der „Süddeutschen Zeitung“ hat einen Protagonisten erfunden. Auch der Tagesspiegel überprüft nun Texte des Autors.

Der Online-Auftritt der Süddeutschen Zeitung.
Der Online-Auftritt der Süddeutschen Zeitung.Foto: dpa/Tobias Hase

Die „Süddeutsche Zeitung“ hat die Zusammenarbeit mit einem freien Mitarbeiter beendet. Er hat nach Angaben des Blatts in einer noch nicht veröffentlichten Geschichte des „Süddeutsche Zeitung Magazins“ einen Protagonisten erfunden. Der Autor habe zugegeben, dass Zweifel an der Geschichte berechtigt seien, teilten die Chefredaktionen beider Titel am Mittwoch in München mit. Sie sehen das als „groben Verstoß gegen die journalistischen Standards“. Der Autor hat auch für den Tagesspiegel geschrieben. Die Redaktion hat die Artikel überprüft, aber bislang keine Anhaltspunkte für Fälschungen gefunden.

Bei der Überprüfung weiterer Texte in der "SZ" und im "Süddeutsche Zeitung Magazin" hat sich herausgestellt, dass „in einer Geschichte des Journalisten fremdsprachige Zitate unsauber wiedergegeben wurden und dadurch Sachverhalte ungenau dargestellt worden sind“. Anhaltspunkte für weitere „schwerwiegende Verstöße“ gegen die journalistischen Standards der beiden Titel habe es nicht gegeben. Obwohl die Veröffentlichung des Textes verhindert werden konnte, werde der Vorfall zum Anlass genommen, redaktionsinterne Abläufe bei der Verifizierung und Dokumentation von Texten weiter zu verbessern, hieß es in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Auch "Spiegel" und "Zeit" überprüfen Texte des Autors

Auch „Der Spiegel“ und „Die Zeit“ prüfen Artikel, die der Autor für sie geschrieben hat. Hinweise auf weitere Fälschungen haben sich dabei bislang nicht ergeben. Medienberichten zufolge wurde der betroffene Autor mit dem Deutschen Reporterpreis und dem Nannen-Preis ausgezeichnet. Er schrieb auch für andere Medien wie „Spiegel Online“, den gedruckten „Spiegel“ und „Die Zeit“.

„Wir prüfen intensiv alle Texte des freien Mitarbeiters, die in der 'Zeit', im 'Zeit Magazin' und bei 'Zeit Online' erschienen sind“, sagte eine Verlagssprecherin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Autor habe dafür seine Rechercheunterlagen zur Verfügung gestellt. „Bislang haben sich alle Orte, Personen und Ereignisse als real erwiesen“, erklärte die Sprecherin. Allerdings seien in einem Teil der Texte sachliche Fehler und Ungenauigkeiten aufgefallen.

„Über eine abschließende Bewertung und mögliche Konsequenzen beraten wir zeitnah, nach Ende aller Recherchen“, sagte sie.

Der Spiegel-Verlag teilte am Mittwochabend mit, von der SZ über den Fall informiert worden zu sein. Der Großteil der Texte des Autors bei „Spiegel Online“ sei zunächst bei einem anderen Medium erschienen. Dabei handele es sich um einen Kooperationspartner, der nicht zum Spiegel-Verlag gehöre, wie ein Sprecher dem epd sagte.

Bisher gebe es keine Hinweise auf bewusste Manipulationen. In einem Fall sei eine Verifizierung unmöglich, weil der Autor persönliche Erlebnisse schildere. Dabei handele es sich um einen Text aus der „Homestory“-Reihe des „Spiegels“. Bei rund der Hälfte der insgesamt 43 bei „Spiegel Online“ und im gedruckten „Spiegel“ erschienenen Artikel des Autors sei die Untersuchung noch nicht beendet. Wenn noch Hinweise auf Manipulationen gefunden werden sollten, will der Spiegel-Verlag die Ergebnisse der Prüfungen öffentlich machen.

Im Dezember hatte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ einen schweren journalistischen Betrugsfall im eigenen Haus aufgedeckt und öffentlich gemacht. Dabei ging es um Fälschungen des Reporters Claas Relotius, der zunächst als freier Mitarbeiter und dann als Redakteur für das Nachrichtenmagazin gearbeitet hatte. Von ihm sind dem „Spiegel“ zufolge seit 2011 knapp 60 Texte im Heft und bei „Spiegel Online“ erschienen. Nach „Spiegel“-Angaben hat der Journalist in „großem Umfang seine eigenen Berichte gefälscht und Protagonisten erfunden“. Die neue Chefredaktion um Steffen Klusmann setzte eine Kommission aus internen und externen Experten ein, die den Fälschungen nachgeht. Tsp (mit dpa, epd)

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