Ex-Chefredakteur Thieme widerspricht : Betriebliche, nicht persönliche Gründe

Ex-Chefredakteur Matthias Thieme wehrt sich gegen die Darstellung des Verlegerehepaars zu seiner Kündigung

Anna Ringle
Matthias Thieme war seit 10. Februar Chefredakteur von "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier". Am Wochenende wurde seine Kündigung bekannt.
Matthias Thieme war seit 10. Februar Chefredakteur von "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier". Am Wochenende wurde seine...Foto: dpa

Nach dem Abschied des kurzzeitigen Chefredakteurs von „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“, Matthias Thieme, ist ein offener Konflikt ausgebrochen. Thiemes Anwalt Andreas Cremer widersprach der Darstellung des Berliner Verlags, wonach der Weggang „persönliche Gründe“ hatte. „Es waren betriebliche Gründe, keine persönlichen“, sagte Cremer der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Am Vortag hatten die Verleger Silke und Holger Friedrich in einem Statement der dpa mitgeteilt, Thieme habe nach kurzer Zeit entschieden, seine Position aus „persönlichen Gründen“ aufzugeben. „Wir bedauern diese Entscheidung und wünschen Herrn Thieme für seinen weiteren Weg alles Gute“, hatte es weiter geheißen.

Thiemes Anwalt betonte, die Formulierung „aus persönlichen Gründen“ vermittele den Eindruck, „die Kündigung sei aus Gründen erfolgt, die nicht im Zusammenhang mit der Tätigkeit und den Bedingungen des Arbeitsplatzes standen“. Aus Sicht des Anwalts legt die Formulierung nahe, dass der Weggang „durch Unzulänglichkeiten veranlasst wurde, die dem persönlichen Lebensbereich meines Mandanten zugeordnet werden müssen“. Der Berliner Verlag wollte sich zur Aussage des Anwalts am Dienstag auf Anfrage nicht äußern.

Thieme hatte nur drei Wochen nach seinem Wechsel auf den redaktionellen Chefposten seine Arbeit beendet. Erst am 10. Februar hatte der Verlag bekanntgemacht, dass Thieme die Aufgabe des Chefredakteurs beider Blätter mit sofortiger Wirkung übernimmt. Seine Vorgänger waren Jochen Arntz für die „Berliner Zeitung“ und Elmar Jehn für den „Berliner Kurier“.

Wechsel von der "Frankfurter Neuen Presse"

Davor war Thieme bereits Chefredakteur mit Schwerpunkt digitale Produkte bei der „Berliner Zeitung“ gewesen. Der 1974 geborene Journalist war zum 1. Februar von der „Frankfurter Neuen Presse“ nach Berlin gewechselt.

Silke und Holger Friedrich hatten im Herbst den Berliner Verlag von der Kölner Mediengruppe DuMont übernommen. Bis dahin waren die Unternehmer nicht als Verleger tätig gewesen.

Im Impressum zum jeweiligen Web-Auftritt der beiden Titel ist die für die Bereiche Style und Zeitschriften im Verlag zuständige Margit J. Mayer als redaktionell Verantwortliche ausgewiesen. Im Impressum der jeweiligen Print-Ausgaben stand am Dienstag noch Thieme als Chefredakteur. Mayer war nach dem Eigentümerwechsel gemeinsam mit dem Herausgeber der „Berliner Zeitung“, Michael Maier, zum Berliner Verlag gekommen. (dpa)

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