Glanz und Elend eines neuen Formats : Warum Faktenchecks in der Coronakrise unerlässlich sind

Faktenchecks sind durchaus umstritten. Frederic Huwendiek, Online-Chef von ZDFheute, hält sie in diesen Zeiten für alternativlos. Die Kolumne zu meinem ÄRGER.

Fakten gegen Verschwörungstheorien. Frederic Huwendiek, Online-Chef von ZDFheute.
Fakten gegen Verschwörungstheorien. Frederic Huwendiek, Online-Chef von ZDFheute.Foto: ZDF und Dirk Uebele

Frederic Huwendiek, Jahrgang 1983, leitet seit 2018 ZDFheute, die Online-Nachrichtenredaktion des ZDF.

Worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?
Dass wir uns in Faktenchecks von dpa bis SZ (und auch bei ZDFheute) ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob an der Berliner Demonstration von Corona-Leugner*innen 20 000 oder 1,3 Millionen Menschen teilgenommen haben. Es gibt doch wichtigere Themen als diesen Quark, auch wenn er in tausenden Posts und Tweets verbreitet wird, oder?

Und worüber haben Sie sich gefreut?
Ebenfalls über diese Faktenchecks. Sicher, wir verschaffen damit kruden bis gefährlichen Thesen mitunter ein größeres Publikum, aber eben auch den Fakten. Das ist eine schwierige Abwägung, aber es gibt keine bessere Alternative. Es ist gut, dass wir aus den Trump-Jahren gelernt haben und Faktenchecks mittlerweile zum journalistischen Standard gehören. Es ist in Deutschland glücklicherweise noch lange nicht so weit, dass wir den „war on misinformation“ verloren geben müssen, wie das vor Kurzem Margaret Sullivan in ihrer „Washington Post“-Kolumne für die USA tat.

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Aber Verschwörungserzählungen boomen auch hierzulande in der Coronakrise, Extremist*innen nutzen sie, um Hass auf die Demokratie und ihre Institutionen zu schüren. Wenn wir sie unwidersprochen stehen lassen, können die Lügengeschichten ihre Macht entfalten und für diese Gesellschaft langfristig noch zerstörerischer sein als jedes Virus. Deshalb: Danke an alle Kolleg*innen, die in Berlin nachgezählt und dabei auch die Polizeiangaben kritisch hinterfragt haben.

Welche Webseite empfehlen Sie?
Sham Jaffs Newsletter whathappenedlastweek.com. Ein gelungen kuratierter Überblick über die Nachrichtenwoche, oder wie sie selbst sagt: „easy, critical, no-bullshit email magazine on world news“. Made in Berlin

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