Glaubwürdigkeit der Medien : Mehr Vertrauen, mehr Misstrauen

Studie zeigt wachsende Polarisierung bei den Bürgern, wenn es um das Vertrauen in die Medien geht

Wird nicht mehr so oft hochgehalten: der "Lügenpresse"-Vorwurf
Wird nicht mehr so oft hochgehalten: der "Lügenpresse"-VorwurfFoto: picture alliance / Daniel Naupol

Die „Lügenpresse“-Debatte ist abgeflaut, aber ihre Spuren sind weiterhin sichtbar. Die neue „Mainzer Langzeitstudie Medienvertrauen“ zeigt dazu zwei Trends. Bei 44 Prozent der Bürger ist die Glaubwürdigkeit der Medien hoch. Das ist ein geringer Zuwachs im Vergleich mit 2017 (42 Prozent) und 2016 (41 Prozent) und ein großer zu 2015, als der Wert bei 28 Prozent lag. Andererseits, und darauf weisen die Forscher des Instituts für Publizistik an der Uni Mainz hin, „haben sich pausche Kritik und Polemik verfestigt“. Jeder vierte Bürger in Deutschland hält die Medien in Deutschland nicht für glaubwürdig und wirft ihnen gezielte Manipulation vor. Diese Entwicklung in Zahlen: 2018 22 Prozent, 2017 17 Prozent, 2016 22 Prozent, 2015 19 Prozent.

Interessant dabei ist, dass die Gruppe, die beim Medienvertrauen eine mittlere Position („teils, teils“) einnimmt, mit 34 Prozent so klein ist wie noch nie in den bisher fünf Umfragewellen. 2017 waren es 41 Prozent, vor zehn Jahren lag der Wert bei 63 Prozent. Die Forscher schließen darauf, dass „sich offenbar viele Menschen angesichts einer polarisierten Debatte dazu veranlasst sehen, auch selbst Position für oder gegen die Medien zu beziehen“. Der harte Kern der Kritiker findet sich an den Rändern des politischen Links-Rechts-Spektrums. Sie sind formal weniger gebildet, politisch weniger interessiert und schauen mit größerer Sorge in ihre wirtschaftliche Zukunft als die Nutzer mit starkem Medienvertrauen.
Die Entfremdung zu, wenn nicht die Abkehr von den etablierten Medien zeigt sich vor allem in zwei Parametern. Haben 2017 noch 18 Prozent der Aussage „Die Medien haben den Kontakt zu Menschen wie mir verloren“ zugestimmt, so waren es 2018 schon 27 Prozent. Ähnlich die Entwicklung bei den Werten zur Aussage „In meinem persönlichen Umfeld nehme ich die gesellschaftlichen Umstände ganz anders war, als sie von den Medien dargestellt werden“: Bejahten 2017 diese Aussage 36 Prozent, waren es ein Jahr später 43 Prozent.

Größtes Vertrauen in öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk musste nach einem „Vertrauenshoch“ beim Urteil über die Berichterstattung – 2017 mit 72 Prozent – einen Rückgang auf 65 Prozent gegenwärtigen. Regionalzeitungen liegen mit 63 Prozent knapp dahinter. Internet und Social Media gelten unverändert als wenig glaubwürdig. Nur 21 Prozent der Befragten vertrauen den Nachrichten auf den Seiten der Suchmaschinen (2017 23 Prozent), ganze vier Prozent den News in sozialen Netzwerken (2017 drei Prozent). Von 42 auf 51 Prozent binnen eines Jahres hat sich der Anteil derjenigen, die Nachrichten in sozialen Netzwerken generell nicht für glaubwürdig halten, vergrößert.
Auch schwankt das Medienvertrauen je nach Thema. Zwar attestieren 44 Prozent der Bürger den etablierten Medien Glaubwürdigkeit, zugleich machen sich nur 22 bis 25 Prozent die Aussage zu eigen, wonach die Berichte über den Islam und die Kriminalität von Flüchtlingen vertrauenswürdig sind. Rund 35 Prozent bejahen und verneinen jeweils die Thesen, der Islam gehöre nicht zu Deutschland und dass durch die Flüchtlinge die Kriminalität steige.
Die Daten basieren auf Umfragen im im Oktober/November 2018, heißt, sie sind erhoben worden, bevor „Der Spiegel“ und andere Medien mitteilten, dass zahlreiche Artikel des Reporters Claas Relotius gefälscht waren. Über ihre Effekte wird nicht nur die nächste Studie aus Mainz Auskunft geben.

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