Immer weniger Hörer in Norwegen : Killt das UKW-Ende das Radio?

Die Hörerzahlen in Norwegen sind nach dem UKW-Aus beim Radio deutlich gesunken. Ein Menetekel für DAB+ in Deutschland?

Seit Abschaltung des UKW-Netzes hören in Norwegen immer weniger Menschen Radio. Im Juli schaltete nicht einmal mehr jeder zweite Norweger einen der jetzt rund digitalen 30 Sender ein. Die Hörerzahlen sanken nach offiziellen Angaben stark von rund 68 Prozent im Januar 2017 auf 48,2 Prozent Mitte Juli 2018. Norwegen hatte als erstes Land der Welt im vergangenen Jahr die Radio-Übertragung über Ultrakurzwelle abgeschaltet. Lediglich kleine Lokalradios dürfen noch über UKW senden. Viele Norweger sind über das Ende der UKW-Ära unglücklich – obwohl laut Regierung mehr als 99 Prozent der Haushalte sicheren Digitalempfang haben. Autoradios allerdings mussten umgerüstet werden. Auch politisch gibt es Forderungen, das UKW-Netz wieder zu aktivieren - vor allem von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei, die Teil der norwegischen Regierung ist.

Verband Vaunet skeptisch über DAB+-Erfolg in Deutschland

Auch in Deutschland wird eine Umstellung auf digitales Radio diskutiert. Besserer Empfang und mehr Sender sind die Hauptargumente. Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio und Audiodienste im Vaunet, sagte dem Tagesspiegel, die Entwicklung in Norwegen überrasche nicht. „Sie zeigt, dass eine technologische Veränderung den Verbrauchern nicht politisch verordnet werden kann. Die Politik kann auch nicht die Verbrennungsmotoren beim Automobil verbieten, weil sie ab morgen nur noch elektrogetriebene Fahrzeuge will.“

Deswegen spreche sich Vaunet gegen ein politisch gesetztes Abschaltdatum der UKW-Verbreitung aus, das funktioniere schlichtweg nicht. Laut Schunk ist ein Wechsel von UKW zu DAB+ erst dann sinnvoll, wenn die analoge Radionutzung auf unter zehn Prozent abgesunken ist. Digitales Radio sei zudem weit mehr als nur DAB+, die Hörer empfangen digitales Radio auch mobil über Apps oder über Webradioangebote, immer häufiger auch mit ihrem Smartphones. Radio ist also schon längst Multichannel. DAB+ stelle keineswegs die alleinige digitale Zukunft dar. „Die tatsächliche Nutzung konzentriert sich bereits auf andere Empfangswege.“ Joachim Huber

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