MDR trennt sich zu Recht von Uwe Steimle : Meinungsfreiheit ja, Narrenfreiheit nein

Uwe Steimle verirrt sich, der MDR verrechnet sich. Aus dem Programmauftrag folgt kein Erziehungsauftrag. Ein Kommentar.

Hat fertig. Der MDR trennt sich vom ständigen Mitarbeiter Uwe Steimle.
Hat fertig. Der MDR trennt sich vom ständigen Mitarbeiter Uwe Steimle.Foto: dpa

Uwe Steimle hat ein Experiment unternommen. Wie lange kann ich meinen Arbeitgeber öffentlich triezen? Dem MDR, einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt „mangelnde Staatsferne“ vorwerfen und dann, wenn mein Sagen und Tun außer Beifall auch Kritik erfährt, auf „Illoyalität“ plädieren.

Der Mitteldeutsche Rundfunk hat den Kabarettisten in seinem Fernsehen groß gemacht und sich, wenn der „Heimatforscher“ nicht nur gegen Flüchtlinge ausfallend wurde, vor ihn gestellt. Das war gesendete Meinungsfreiheit und das nicht falsche Kalkül, in einem Sendegebiet, wo die Beitragszahler bis zu 27,5 Prozent wie bei der Landtagswahl in Sachsen die Rechtspopulisten wählen, mit einer immer weiter nach rechts driftenden Quotengröße zusammenzuarbeiten.

Aber Steimle wollte vom MDR mehr, immer mehr: nicht nur Rückendeckung, sondern quasi Absolution für jeden Schritt und Fehltritt, eine Narrenfreiheit, wie sie der Sender ihm und all den anderen Mitarbeitern via Kodex nicht zugestehen kann. Wer in einem öffentlich-rechtlichen Sender arbeitet, der hat öffentlich wahrnehmbare Verhaltensstandards zu erfüllen. Steimle hält sich offenbar für so besonders, ja besonders wertvoll, dass er sich in „Steimles Welt“ eingerichtet hat.

Öffentlich-rechtlicher Märtyrer?

Da ist er nicht allein. Schon schießen Solidaritätsadressen hoch, von politischer Rache geht die Rede, es wird nicht lange dauern, bis der „öffentlich-rechtliche Märtyrer Uwe Steimle“ gefeiert wird.

Da muss der MDR durch und sich zugleich einer Selbstbefragung unterziehen: Warum hat er Steimles Treiben so lange zugesehen und reagiert jetzt? Offensichtlich verstand sich die ARD-Anstalt bei Uwe Steimle als Besserungsanstalt und den Programmauftrag als Erziehungsauftrag. Das ist schiefgegangen, genährt wurde Steimles Opferhaltung, aktuell befördert wird die gängige Haltung, man dürfe seine Meinung in diesem Land nicht mehr sagen.

Man darf. Steimle hat’s getan, der MDR hat’s getan. Aber man darf wie der MDR sagen, dass man Steimles Meinung nicht teilt. Zum Selbstverständnis gehört es nicht, sich vom ständigen Mitarbeiter Uwe Steimle ständig abwatschen zu lassen.