MEDIA Lab : Wertschöpfung, Wertschätzung

Studien zeigen: Der Wert der Freiheit und die Vitalität der Presse hängen eng zusammen.

Marlis Prinzing

Wo Presse frei und unabhängig arbeiten kann, widmet sie sich besonders intensiv kritischen gesellschaftlichen Fragen. Das legt der World Press Trends Report dar und auch, dass die Nachfrage nach hochwertigen Nachrichten stieg. Aber dies genügt offenbar nicht, um einen Trend zu stoppen: Gesamterlöse und Redaktionen schrumpften weltweit weiterhin.

Der Bericht basiert auf Umfragen und Datensätzen aus mehr als 50 Ländern. Erfahrungen, Befürchtungen und Risiken, falschen Informationen aufzusitzen, haben bei einem Teil des Publikums die Wertschätzung für glaubwürdige, qualitätsvolle und professionelle Inhalte gesteigert. Dieses Publikum ist offenbar zunehmend bereit, für Inhalte zu bezahlen. Die Umstellung auf digitale Abonnements und Bezahlschranken wird eher akzeptiert als noch vor einigen Jahren.

Mehr Pressefreiheit, weniger Korruption

Wichtigstes Ergebnis des Berichts sind belastbare Beweise, die direkte und starke Beziehungen zwischen freier Presse sowie Faktoren, die die Vitalität von Demokratien, Gesellschaften und Wohlstand belegen, zeigen. Ähnliche Korrelationen fallen auch in anderen Studien auf: In Ländern, die in der Pressefreiheits-Rangliste von „Reporter ohne Grenzen“ weit oben liegen, ist die Korruption niedriger, das Vertrauen in Medien höher. Korrelationen sind zwar keine Kausalitäten, aber Hinweise auf bemerkenswerte Parallelitäten.

Die weltweit rückläufigen Print-Umsätze rühren vor allem aus sinkenden Werbeerlösen her (minus sieben Prozent), denen aber Zuwächse im Bereich der digitalen Werbeeinnahmen von fünf Prozent gegenüberstehen. So wichtig die digitale Transformation ist – das Geld wird weiterhin mit Gedrucktem verdient.

Strategisch setzen die Verlage auf automatisierte News zu Börse, Sport, Wetter, wie eine weitere Studie am Beispiel Deutschlands zeigt. Ihr Einsatz soll in den nächsten drei Jahren mindestens verdreifacht werden.