Wünsch dir was : Vorsicht, Tripods!

Dystopie am Vorabend: Erinnerungen an die ganz besondere Kinderserie „Die dreibeinigen Herrscher“. Und was später aus ihr folgte.

Till Frommann
Und das im Nachmittags-TV. In diesem Gefährt jagen Außerirdische in der britischen Serie „Die dreibeinigen Herrscher“ Kinder. Das ZDF zeigte das 1986 erstmals.
Und das im Nachmittags-TV. In diesem Gefährt jagen Außerirdische in der britischen Serie „Die dreibeinigen Herrscher“ Kinder. Das...Screenshot: Tsp

In der Sommerzeit schauen die Fernsehsender zurück und kramen Oldies hervor. Wir hätten da Vorschläge: Filme, Shows und Serien, die wir nie vergessen haben.

Wovor Kinder ganz bestimmt Angst haben: eine Aufzählung ohne Bewertung und rein aus persönlicher Erinnerung. Mit größter Wahrscheinlichkeit ist diese Einschätzung aber allgemeingültig. Kinder haben Angst vor Brokkoli, dem Sandmann und Dinosauriern.

Wer in den 1980ern aufgewachsen ist und Kinder-TV des ZDF konsumiert hat, wird außerdem Angst gehabt haben vor den dreibeinigen Herrschern. Das waren riesige, metallene Fortbewegungsmittel von Außerirdischen, die die Protagonisten in der britischen Kindersendung „Die dreibeinigen Herrscher“ jagten. Das ZDF zeigte das1986 zum ersten Mal. Und das nachmittags!

Es fing dramatisch an. Die Handlung spielt im Jahr 2089: Diverse Städte sind vernichtet worden, die Menschen leben so wie im Mittelalter, und Außerirdische unterjochen sie – eine Dystopie, wie sie die Streamingdienste des Jahres 2020 zeigen könnten. Die „dreibeinigen Herrscher“ sehen jedoch deutlich schlechter aus als heutige Hochglanzproduktionen. Die Serie wirkt, als wäre die Zukunft mit einer mittelguten VHS-Videokamera aufgenommen worden.

In der ersten Folge werden wir Zeuge einer sogenannten Weihe: Ein Jugendlicher wird von einem dieser hochhaushohen Blechbüchsen mithilfe eines Greifarms wie aus einem dieser Automaten, die auf Rummelplätzen stehen, in das Innere des Dreibeiners manövriert.

Und dort? Wird er geweiht. Der Jugendliche bekommt eine metallene Kappe auf seinen Kopf verpasst, die dafür sorgt, dass er seine Kreativität, seinen Widerstand, seinen eigenen Willen verliert. Die Jugendlichen Will Parker und sein Vetter Henry (die Protagonisten der Serie) flüchten vor dieser Weihe.

Großartig wäre es, wenn irgendein Fernsehsender die BBC-Serie wiederholen würde – auf dass sich Kinder dieser Generation vor diesen riesigen, metallenen Kolossen fürchten werden. Aber würden sie das? Oder sind die „Tripods“ (so der Originaltitel) viel zu altmodisch für die heutige Zeit?

Wiederholt wurden „Die dreibeinigen Herrscher“ in Deutschland bislang lediglich von einem ominösen Internetsender, der es nicht ganz so genau nahm mit den Urheberrechten. Disney besitzt die Filmrechte seit 1997, hat sie aber bisher nicht für ein Remake eingesetzt. Angeblich hätte ein Film 2012 in die Kinos kommen sollen. #

Leuchtende Augen, wasserstoffblonde Haare

Nur die ersten zwei Bücher wurden verfilmt, danach wurde die Serie eingestellt. Zum Glück gibt es die Serie in Deutschland als DVD-Box inklusive eines Hörbuchs, das das dritte Buch ergänzt. Kinder, die geweiht worden sind, wurden ihrer Kreativität und ihres freien Willens beraubt, damit die Menschen keine Revolte gegen die Aliens anzetteln.

Das ist eine Vorstellung, die nicht nur bei Kindern Angst und Schrecken verbreitet, sondern auch in diversen Horrorklassikern verwendet wird. Es gibt eine ganzes Film- und Fernsehgenre über besessene Kinder.

Als da wäre die zwölfjährige Regan aus dem Film „Der Exorzist“ (1973). Schlüsselszene des Gruselklassikers ist die Szene, in der sie sich im Bett in ein Monstrum verwandelte, während der Pfarrer versuchte, ihre Besessenheit zu exorzieren, inklusive eines 360-Grad-Drehs ihres Kopfes.

Oder der Film „Das Dorf der Verdammten“ von 1960: Kinder mit starrenden, leuchtenden Augen und wasserstoffblonden Haaren, die mit übernatürlichen Fähigkeiten Erwachsene töten. Bei Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ wurde das Kind der Familie überfahren und dann auf dem Indianerfriedhof beerdigt, sodass dieses als mordlustiges Zombiebalg zurückkehrte und über Eltern und Nachbarschaft herfiel.

Wie wäre es mit einem Pop-up-Sender, wie sie der Pay-TV-Sender Sky für Filmreihen wie „Star Wars“, „Harry Potter“ oder „James Bond“ eingerichtet hat? Dieser könnte „Sky Besessen HD“ heißen. Nachmittags als Kinderprogramm „Die dreibeinigen Herrscher“ und dazu Gruselkram aus verschiedensten Jahrzehnten.

Wahrscheinlich wäre das Zuschauerinteresse dann doch zu gering. Gut, dass wir nur von TV-Serien besessen sind. Was – mal mehr, mal weniger – kaum Nebenwirkungen hat.

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