zum Hauptinhalt

© Bellboy Bar

Tagesspiegel Plus

Neu in Berlin: Die spannendsten Restaurants, Bars und Cafés

Wiener Schnitzel oder vietnamesischer Kaffee? Wilde 20er oder Cocktails in der Badewanne? Diese Neueröffnungen lohnen den Besuch.

Von

Wo gibt’s denn sowas? Eine Bar mit Gold und Plüsch, in der man die Drinks aus einer Miniaturbadewanne trinkt? Oder ein „Schnitzel“ aus einer panierten Weißkohlscheibe? Oder ein Espresso mit Eigelb, salziger Butter und Kondesmilch? Na seit neuestem hier in Berlin.


Bellboy Bar

© Bellboy Bar

Sicher nicht die klassische Bar für einen intimen Abend. Hier betritt man als Gast eine Bühne und wird Teil eines eindrucksvollen Schauspiels. Dunkel und plüschig mit Leder, Gold und Holz ist die „Bellboy Bar“ neben dem „Hilton“ am Gendarmenmarkt ausstaffiert. Swingmusik kratzt und jazzt aus den Lautsprechern. Zeitgemäß gemixt und ziemlich schräg inszeniert sind dagegen die Drinks: Einer kommt in einer Mini-Badewanne als Schaumbad, ein anderer in einem Wikinger-Horn mit Aquavit, Birkenwasser und Eukalyptus. Shots werden in einem großen Krokodilkopf serviert.

Eine versteckte Zweit-Bar gesellt sich seit ein paar Tagen hinzu: das „Butler“. Mit 24 Plätzen, unmarkierten Flaschen und dem Fokus auf einem eher klassischen Bar-Erlebnis. „Füttere nicht die Nilpferde“, rät die Dinner-Karte. Auch Snacks und Speisen wie Tatar, Dim Sum und Schweinbauch bekommt man in dieser Bar mit 200 Sitzplätzen. Fancy!

Mitte, Mohrenstr. 30, Di – So ab 18 Uhr


Bar Normal

© Gebhard de Koekkoek

Was ist schon normal in der Berliner Gastro-Szene. Dass eine Neueröffnung aber so schnell umgelagert wird wie die Bar Normal passiert doch eher selten. An der Ecke Oderberger und Kastanienallee geht ohne Reservierung von zwei-Stunden-Slots nichts. Einmal drinnen sieht man umgeben von freundlichem Service und Musik, die garantiert lauter ist als die Gespräche am Nachbarstich. An das Konzept „Tellerchen zum Teilen und Naturweine dazu“ braucht man die Stadt nicht mehr zu gewöhnen. Deshalb kann die Bar Normal umso entspannter zur Sache gehen: Die als Snack servierten Bitterballen sind wunderbar krosse Kroketten, gefüllt von einer schmelzenden Fleischfüllung mit orientalischem Einschlag (8 Euro). Tortilla, Tacos und gegrillter Schwarzkohl bekommen jeweils einen guten Dreh Creme, Rauch und Süße mit, um Wohlfühlreflexe auszulösen (kleine Teller 11-15 Euro, große 16-23 Euro).

Der House Spritz (Gin, Agavensirup, Limone aufgegossen mit Pet Nat) beweist, dass man in der Bar Normal mit ehrlichen Getränken Geld verdienen will. Eine halbes Dutzend Naturweine gibt es offen, die Flaschenkarte führt vom Schwerpunkt Frankreich über Italien, Österreich und Deutschland bis nach Tschechien. UA

Prenzlauer Berg, Oderbergerstr. 7, Mi–So 18.30–23.30 Uhr


Fredericks

© Fredericks

Die PR geht in die Vollen, suggeriert nicht weniger als die Auferstehung des wilden Nachtlebens der Zwanziger am historischen Ort – na ja. Aber immerhin steht der anglisierte Friedrich für die Auferstehung des historischen Kaisersaals aus dem Esplanade-Hotel, der nach seiner weitweit beachteten Verschiebung über die Straße dann rasch im Dornröschenschlaf einer Teilzeit-Filmkulisse entschwand.

Nun kommt endlich wieder Leben in die Bude, zwei Bars auf zwei Ebenen, ein großes Restaurant mittendrin, dazu Lounge und Deli und eine hippe Einrichtung. Küchenchef Marcus Prahst, früher im „Heimlichtreu“, schlägt einen weiten Bogen mit einer, wie es heißt, „modernen Küche, die Klassiker wie Gulasch und Eisbein neu interpretiert und mit Einflüssen aus aller Welt kombiniert“. Rinderbacken-Gulasch mit Eierkuchen, Rosinenpüree und Baby-Grünkohl, Hühnerfrikassee mit Pilzen, Hühnerherzen und Hühnerhaut, dazu auch Veganes – alles sicher noch nicht in Stein gemeißelt. Das Getränkewesen ist bei Arnd Heissen in besten Händen, mit Live-Musik muss unbedingt gerechnet werden. Mittags Lunch mit Auszügen der Abendkarte.

Tiergarten, Bellevuestr. 1, Mi–Sa 12–22 Uhr, Bars bis 1 Uhr


SodaZitron

© Sodazitron

Das Schnitzel ist natürlich leiwand: Nicht zu dünn plattiert, knusprig in Butterschmalz ausgebacken und wunderbar wellig souffliert. Immerhin steht im „SodaZitron“ in der Kollwitzstraße der Tiroler Harald Höllrigl in der Küche, der die Zubereitung jahrelang im „Borchardt“ perfektionieren konnte. Austro-Klassiker wie Grießnockerlsuppe, Tafelspitz und karamellisierten Kaiserschmarrn kann der Routinier natürlich genauso gut. Wer seinen ofenfrischen Apfelstrudel probieren will, muss Samstag oder Sonntag kommen, nur da zieht er den Teig.

Ein Vergnügen in dem smarten Eckrestaurant, das vormals den „Dritten Mann“ beherbergte, ist die ausführlich kommentierte, deutsch-österreichische Weinkarte mit erstaunlicher Jahrgangstiefe. Die hat Co-Betreiber und „Eat Berlin“-Erfinder Bernhard Moser mit ansteckender Leidenschaft zusammengestellt. Besonders bei den österreichischen Winzern hat der passionierte Weinerklärer einige hierzulande wenig bekannte Namen versammelt, so dass man sich samt Brettljause diesen Frühling auf der schönen Terrasse sicher gern mal durch die Karte probiert.

Prenzlauer Berg, Kollwitzstr. 87, Mo, Mi–Fr 18–24, Sa, So 12–24 Uhr


Heritage

© Heritage

Hier sitzt der Gast in der ersten Reihe am Gendarmenmarkt, bei passendem Wetter auch draußen vor der Tür. Das ehemalige „Aigner“ wurde optisch angenehm überarbeitet, und kulinarisch wird es von Florian Glauert, ehemals „Duke“, ins 21. Jahrhundert bewegt. Das stilistisch offene Küchenkonzept wurde schon in Hamburg ausprobiert, Basel soll folgen, aber immer mit Freiraum für den jeweiligen Chef.

Glauert kocht gern betont fürs Auge, die Farben sind kräftig, die Aromen aber auch. Es schmeckt. Interessant ist vor allem der neue Ansatz bei vegetarischen und veganen Gerichten, die nichts mit den nordischen Pastinakengewittern zu tun haben, sondern experimentell und vielfältig aufgebaut sind: „Don’t call it Schnitzel“ ist eine Weißkohlscheibe, die mit Knusperbröseln und einem Kartoffel-Gurken-Salat vertraute Assoziationen öffnet, ohne dem Schnitzel im „Borchardt“ gegenüber Konkurrenz zu machen. Die Preise sind sehr vernünftig, beim Wein ist noch Luft nach oben.  

Mitte, Charlottenstr. 52, täglich 18–22 Uhr


Frea Bakery

© Felix Denk

Bestimmt kein Zufall: Sämtliche süßen Backwaren wie der Spandauer (Croissantteig mit Vanillecreme) oder die Maritozzi (Brioche mit Kakaobutter-Füllung) waren schon alle. Um! kurz! nach! 12 Uhr! Ihr Publikum hat die Frea Bakery offensichtlich längst gefunden. Was einerseits daran liegt, dass Jasmin Martin und David Suchy um die Ecke schon seit Jahren eine angesagte Frea Restaurant betreiben. Und andererseits hat ihr neues Eckcafé eine wunderbare Lage und einen tollen Look mit hellem Holz, bunten Stoffen und alten Möbeln.

Das Sauerteigbrot wird in der offenen Backstube aus dem Ofen geholt, die süßen Teilchen bekommen offenbar nur Frühaufsteher, und dazu gibt’s ein paar Frühstücks- und Mittagsgerichte. Etwa das mit 11 Euro selbstbewusst bepreiste, aber auch wirklich gute Sandwich mit Coleslaw, Salzgurke, eingelegten Zwiebeln und gegrillten Pilzen. Oder die fabelhaft fluffigen Gnocchi Parisienne mit Spargel und Radieschen. In der Küche steht übrigens Alexander Brosin. Ein Routinier mit reichlich Gemüsekompetenz, der früher mal im Margaux wirkte und zuletzt in der leider geschlossenen Data Kitchen. Fast vergessen: Hier ist alles vegan und zero waste.

Mitte, Gartenstr. 9, Mi-So 8-15 Uhr


Dong Nam Coffee Lab

© Dong Nam Coffee Lab

Geballte Kompetenz: Trieu Linh Vu, der eine Gründer, betreibt die Kaffeerösterei „84Coffee“, die auf fair gehandelte Bohnen aus Südostasien spezialisiert ist. Der andere, Binh Pham, ist Geschäftsführer der „Umami“-Restaurants mit mittlerweile drei Standorten. Gemeinsam haben sie jetzt das „Dong Nam Coffee Lab“ am oberen Ku’damm eröffnet, ein auch architektonisch interessantes Café mit viel Stampfbeton und hellen Bambuspanelen.

Zwei verschiedene Röstungen in diversen Zubereitungen sind im Angebot, dazu etwas kurios klingende Kompositionen wie einen „ Eggspresso“, in den eine Creme aus Eigelb, gesalzener Butter und Kondensmilch kommt – in Vietnam wohl sehr beliebt. Schmeckt auch besser, als es klingt. Zu viel Koffein? Ein paar Premiumtees gibt es auch und zum Essen belegte Croissants und Sauerteigbrote, Cheesecake, Sommerrollen und Bowls.

Halensee, Ku’damm 105, Mo–Fr 9–19.30, Sa / So 10–19.30 Uhr 

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
true
isPaid:
true
showPaywallPiano:
false