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Berliner Burschenschaften : Tradition, die verbindet

Erst im Juni machte eine Verbindung der BG Schlagzeilen. Sie hatte beim Burschenschaftstag in Eisenach beantragt, eine andere Verbindung aus dem Dachverband „Deutsche Burschenschaften“ (DB) auszuschließen, weil eines der Mitglieder chinesische Eltern hat. Der Antrag wurde letztlich wegen eines Verfahrensfehler abgelehnt. Dennoch sorgte er für Empörung, auch beim konkurrierenden Dachverband, der Neuen Deutschen Burschenschaft (NDB), zu dem auch die Obotritia gehört. Die DB habe damit einen „Keil in die burschenschaftliche Bewegung“ getrieben und deren „freiheitliche Ideale“ verraten, hieß es.

Sarah Leins runzelt die Stirn, wenn man sie auf die Debatte anspricht. „Die Männer schießen sich mit solchen Diskussionen selbst ins Bein“, sagt sie. „Dadurch werden dann alle Verbindungen wieder über einen Kamm geschoren.“ Die 25-Jährige studiert China-Studien an der FU und ist Mitglied bei Lysistrata, der einzigen Verbindung in Berlin, die ausschließlich Frauen aufnimmt, 35 Mitglieder zählt sie derzeit. Von einigen Männern werden die Frauen belächelt oder abfällig als „Tittenbuxe“ bezeichnet.

Dabei ist bei Lysistrata – abgesehen davon, dass die Frauen nicht fechten – alles genauso wie bei den Männern. Die Bundesschwestern haben dieselben Rituale, singen dieselben Lieder und sie plagen auch dieselben Probleme. Denn den Frauen mangelt es genauso wie der Gothia oder der Obotritia an Nachwuchs. Derzeit hätten sie nur sechs Aktive, sagt Leins. Ihre WG in Schöneberg haben sie aufgelöst, auch weil keine der Bundesschwestern dort mehr wohnen wollte. Das neue Quartier der Lysistrata befindet sich nun in Grunewald.

„Dabei könnten gerade die Verbindungen für Studierende, die neu nach Berlin kommen und sich erst mal verloren fühlen, attraktiv sein“, sagt Leins. Wegen des Zusammenhalts, der Verlässlichkeit, der Freundschaft. Auch bei ihr sei das so gewesen, als sie aus Stuttgart herzog. Den meisten Studierenden jedoch werden die Burschenschaften fremd bleiben. Aber das ist wohl so gewollt. Man bleibt halt lieber unter sich.

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