Brasilien : Abholzung im Amazonas auf Rekordstand

30 Prozent mehr Bäume als im Vorjahr fielen im vergangenen Jahr im brasilianischen Regenwald.

Einsamer Baum in einer abgeholzten Gegend Brasiliens, fotografiert bei einem Amazonas-Überflug von Greenpeace.
Einsamer Baum in einer abgeholzten Gegend Brasiliens, fotografiert bei einem Amazonas-Überflug von Greenpeace.Foto: Raphael Alves/AFP

Die chinesische Mauer, die vom All aus zu sehen sein soll, ist eine Mär. Wissenschaftlich wahrnehmbar ist aber ein ebenso gewaltiges Phänomen: die Zerstörung des Amazonas. Das brasilianische Weltrauminstitut Inpe hat Satellitenaufnahmen ausgewertet und festgestellt, dass die Entwaldung an Fahrt aufgenommen hat. Das liegt nicht nur an den Waldbränden, die den Baumbestand im vergangenen Sommer dezimierten. Legaler und illegaler Holzabschlag setzen dem Wald zu.

Die Haupterkenntnis der Analyse: Die Abholzung des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes ist auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Von August 2018 bis Juli 2019 seien schätzungsweise 9 762 Quadratkilometer Wald gefällt worden, erklärte das brasilianische Weltrauminstitut Inpe am Montag (Ortszeit). Das sei ein Anstieg von knapp 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, eine der deutlichsten Zunahmen seit Beginn der Messungen vor 30 Jahren. Über dem aktuellen Wert, der etwa der Hälfte der Ausdehnung Hessens entspricht, lag die Abholzung zuletzt 2008 mit 12 911 Quadratkilometern. Die Daten stammen von Satellitenaufzeichnungen.

Bolsonaro kürzt Mittel für Wissenschaft

Die Zahlen bestätigen die Befürchtungen von Umweltschützern. Seit dem Amtsantritt des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro Anfang des Jahres hat die Zerstörung des Regenwaldes stark zugenommen. Bolsonaro hatte damals angekündigt, Schutzgebiete im Amazonasgebiet für die wirtschaftliche Ausbeutung freizugeben. Umweltschutz- und Ureinwohnerbehörden hat er abgebaut und ihnen die Mittel gekürzt. Kritische Wissenschaftler hat er aus den Behörden entlassen.


Umweltminister Ricardo Salles relativierte die Zahlen bei der Vorstellung des Berichts. Die Abholzung steige bereits seit 2012, sagte er nach Berichten der Zeitung „O Globo“. Zugleich kündigte er Maßnahmen gegen die illegale Rodung an. Ein Großteil der Probleme stamme jedoch aus Amtszeiten früherer Regierungen.


Bolsonaro hat immer wieder den Inpe-Wissenschaftlern widersprochen und sie Lügner genannt, auch in Bezug auf die verheerenden Waldbrände im August, die er als normal bezeichnete. Inpe sieht einen deutlichen Zusammenhang zwischen der illegalen Abholzung des Amazonas und dem Ausbruch von Waldbränden, da die Brände meist bei Brandrodungen entstehen. Der Regenwald speichert riesige Mengen des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid und ist von immenser Bedeutung für das Weltklima und den Kampf gegen die Erderhitzung.

WWF: Abholzung ist außer Kontrolle geraten

Der Umweltverband WWF nannte die Ergebnisse einen Rückschlag für den Regenwald. Die Entwaldung im Amazonas sei völlig außer Kontrolle geraten. Die massenhafte Abholzung 2018/2019 ist laut WWF die höchste seit 2008 — damals wurden mehr als 12 000 Quadratkilometer Regenwaldgebiet im Amazonas zerstört. „Das geschieht nicht zufällig, sondern ist direkte Konsequenz der Regierung Bolsonaro, die Schutzgebiete und indigene Territorien de facto zum Abschuss freigegeben hat“, erklärte der Brasilien-Referent beim WWF Deutschland, Roberto Maldonado.


Die Organisation Greenpeace verurteilte die Kürzung der Mittel zur Bekämpfung der Entwaldung seit dem Amtsantritt Bolsonaros. „Seine Regierung wirft praktisch die ganze Umweltschutzarbeit der letzten Jahrzehnte weg“, sagte eine brasilianische Greenpeace-Sprecherin.


Der ultrarechte brasilianische Präsident Bolsonaro steht seit Monaten wegen seiner Umweltpolitik international in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, die kommerzielle Ausbeutung von geschützten Amazonas-Gebieten zu befürworten. Bolsonaro ist eng mit der brasilianischen Agrarlobby verbündet und zweifelt die Verantwortung des Menschen für den Klimawandel an.

In Brasilien hatten im Sommer die heftigsten Waldbrände seit Jahren gewütet, etwas mehr als die Hälfte dieser Brände wurde im Amazonasgebiet registriert. Umweltschützer und indigene Gruppen werfen Brasiliens rechtem Präsidenten Jair Bolsonaro vor, ein Klima geschaffen zu haben, in dem sich Landwirte, Holzfäller und Goldgräber zu immer weiteren Waldzerstörungen ermutigt gefühlt hätten. dpa/epd/KNA

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