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„Olga“ war lange gesucht: Mutmaßliche Entführerin hat im Block-Prozess ausgesagt
Die unter dem Aliasnamen Olga bekannt gewordene Frau agierte offenbar auch als „Doris White“. Sie war mutmaßlich „die rechte Hand“ des Chefs der israelischen Sicherheitsfirma.
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Die mutmaßliche Entführerin „Olga“, nach der im Fall der Entführung der Block-Kinder lange gefahndet wurde, ist von der Staatsanwaltschaft Hamburg vernommen worden. Das teilte die Vorsitzende Richterin im Prozess um die Entführung der beiden jüngsten Kinder von Steakhaus-Erbin Christina Block zu Beginn des 29. Verhandlungstags überraschend mit. Die Frau sei am 8. und 12. Januar befragt worden. Ein Vernehmungsprotokoll liege noch nicht vor. Näheres wurde nicht mitgeteilt.
Die Frau, die sich in Hamburg Olga nannte, war laut Anklage „die rechte Hand“ des Chefs der israelischen Sicherheitsfirma, die für die Entführung verantwortlich sein soll. In den Monaten, die die Israelis in der Hansestadt wohnten, war sie eine enge Vertraute der Unternehmerin Block geworden.
Unterdessen berichtete ein früherer Angestellter, der am Empfang arbeitete, dass die mutmaßlichen Entführer im Block-Hotel unter fiktiven Farben-Namen gewohnt hätten, etwa Doris White, George Blue oder John Black. Warum die Gäste aus dem Ausland nicht unter ihren richtigen Namen dort wohnten, sei strikt unter Verschluss gehalten worden, sagte der 31-Jährige am Dienstag vor Gericht. „Über die ganze Situation wurde eine Art Schleier gelegt.“ Seine Vorgesetzte habe ihm nur gesagt, das seien Bekannte von Christina Block.
Der frühere Hotelangestellte schilderte die zentrale Rolle von „Doris White“ bei der Unterbringung der Gäste unter Pseudonym. „Die hat immer mal wieder Gäste gebracht“, berichtete der Zeuge. Sie habe die Kommunikation am Empfang auf Englisch geführt und Zimmerkarten entgegengenommen .Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass es sich bei „Doris White“ um „Olga“ handelt.
Auch ein ehemaliger Hoteldirektor sagte am 29. Prozesstag als Zeuge aus. Im Frühjahr 2023 hätten eine Frau und ein Mann unter falschem Namen und ohne Meldeschein eingecheckt, berichtete er. Sie seien längere Zeit geblieben. Regelmäßig habe sich Christina Block mit der Frau getroffen. Schon nach wenigen Wochen seien mehrere Tausend Euro an Kosten aufgelaufen.
Anwalt könnte wegen Untreue verurteilt werden
Der mitangeklagte Anwalt der Familie Block habe als Aufsichtsratsvorsitzender der Elysée Hotel AG gesagt, dass er sich keine Sorgen machen solle, so der Ex-Hoteldirektor. Darum sei er davon ausgegangen, dass alles in Ordnung sei. „Dann habe ich das auch für mich ein bisschen abgehakt“, sagte der 55-Jährige.
Mitte Dezember hatte die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt dem mitangeklagten Anwalt einen rechtlichen Hinweis gegeben. Der 63-Jährige könne auch wegen Untreue verurteilt werden, weil er die Anweisung gegeben haben soll, die Israelis über Wochen und Monate umsonst im Hotel zu beherbergen. Dadurch sei der Elysée Hotel AG ein Schaden von mindestens 200.000 Euro entstanden. Christina Block könne in dieser Sache wegen Beihilfe oder Anstiftung verurteilt werden.
In der Silvesternacht 2023/2024 sollen die Kinder von Christina Block von der Sicherheitsfirma am Wohnort ihres Vaters in Dänemark entführt und nach Deutschland gebracht worden sein. Block ist angeklagt, die Entführung in Auftrag gegeben zu haben. Sie bestreitet das. Nach der Darstellung von Christina Block war die israelische Sicherheitsfirma ausschließlich zur Überprüfung der Cybersicherheit des zur Block-Gruppe gehörenden Elysée-Hotels angeworben worden und handelte Block zufolge bei der Rückholaktion auf eigene Faust. Der Tat war ein jahrelanger Sorgerechtsstreit zwischen den geschiedenen Eltern vorausgegangen. (dpa)
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