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Partnersuche bei Parship. Entscheidend ist das erste Treffen.

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parship und Co.: Online-Dating: Ins Schlaraffenland der Liebe

Wie Online-Dating unsere Beziehungen beeinflusst – im Guten wie im Schlechten. Die Beziehungen der Deutschen werden glücklicher, aber kürzer, sagt eine Expertin. Mancher meidet längere Beziehungen und wechselt häufig die Partner.

Acht von zehn Deutschen im mittleren Lebensalter leben derzeit in einer Beziehung, jeder siebte bis achte zweifelt aber, ob er oder sie die Richtige ist. Das gilt zumindest für Internetnutzer, denn es ist das Ergebnis der neuesten Erhebung, die die Online-Paarvermittlung Elitepartner regelmäßig durchführen lässt und für die mehr als 25 000 Personen online befragt werden. Folgt man der Psychologin und Paartherapeutin Lisa Fischbach, die bei Elitepartner tätig ist, so sind die Menschen in Sachen Beziehung kritischer und konsequenter geworden. „Da der Anspruch an Beziehungen heute sehr hoch ist, lebt man entweder sehr glücklich mit dem Partner oder man trennt sich.“ Die Beziehungen der Deutschen werden glücklicher, aber kürzer.

Eine ähnliche Diagnose stellte in den USA gerade der Journalist Dan Slater: „In der Zukunft werden wir bessere Beziehungen, aber mehr Scheidungen erleben.“ Der Autor eines Anfang des Jahres erschienenen Buches mit dem Titel „What Technology Does to Meeting and Mating“ führt das vor allem auf das Internet zurück. Seine These: Dass Beziehungen heute oft online angebahnt werden, führt zu weniger Engagement und Verbindlichkeit. Als Beispiel führt er die Geschichte eines „durchschnittlich attraktiven“ jungen Rechtsanwalts an, der sich nach der Trennung von seiner langjährigen Freundin an der Erfahrung berauscht, dank des Online-Datings nun, mit Ende 30, plötzlich jede Menge Rendezvous mit aufregenden Frauen zu haben. Und der deshalb schnell bereit ist, eine Beziehung, die nicht optimal läuft, zugunsten einer jederzeit per Mausklick möglichen Alternative zu beenden. Das von kurzen Beziehungen unterbrochene Leben als Single macht ihm nicht nur keine Angst mehr, es gefällt ihm ausgesprochen gut. Die Bereitschaft zu harter „Beziehungsarbeit“, von deren Wert Paartherapeuten überzeugt sind, wird Slaters Diagnose zufolge drastisch sinken, weil das Internet für Singles auf der Suche zum Schlaraffenland geworden ist.

„Kein Zweifel, in den letzten Jahrzehnten hat es im Bereich der Liebe gravierende Veränderungen gegeben, doch dafür ist nicht das Internet der Grund“, sagt der Berliner Single- und Paarberater Christian Thiel, Autor des Buches „Wer passt zu mir? Das Geheimnis der erfolgreichen Partnerwahl“. Hauptgrund mangelnder Bindungsbereitschaft der Dreißig- bis Vierzigjährigen ist laut Thiel, dass es heute länger dauert, bis Menschen wirtschaftlich auf festen Füßen stehen. „Das Internet kann nichts für das Ausmaß an Flexibilität, das die Gesellschaft heute von uns verlangt, es kann auch nichts dafür, dass es heute leichter ist als jemals zuvor, sich zu trennen oder sich scheiden zu lassen.“

Thiel, der auch Online-Workshops für Singles anbietet, ist klarer Befürworter der Online-Partnersuche – schon weil es offline ab einem bestimmten Alter und in bestimmten Berufs- und Lebenszusammenhängen schwierig werde, gleich mehrere potenzielle Partner zu finden: Interessante Menschen, die auch auf der Suche nach einem oder einer Neuen sind und die in Wesen und Interessen passen könnten.

Wissenschaftlich beschäftigen sich mit dem „Internet als Partnermarkt“ Soziologen von der Universität Bamberg in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojekt. Sie nutzen dafür die Daten einer großen Online-Kontaktbörse. In einer Zwischenbilanz räumten sie vor zwei Jahren mit populären Mythen auf, die sich an die neuen Wege der Suche nach dem oder der Richtigen knüpfen. Mitmenschen, die das Netz dazu nutzen, sind nicht unattraktiver, aber auch nicht deutlich jünger, unehrlicher oder leichtfertiger als andere. Unterschiede sieht die Soziologin Doreen Zillmann, eine der beteiligten Forscherinnen, am ehesten in der Phase, die vor dem ersten Rendezvous liegt. „Man muss aktiv auswählen, um die große Zahl der Angebote auf eine kognitiv handhabbare Menge einzuschränken, man muss sich dabei ein Stück weit offenbaren, hat dafür aber die Erwartungssicherheit, dass auch der andere auf der Suche ist.“ Insgesamt verliere die Unterscheidung zwischen Online- und Offline-Dates, zwischen Paaren, deren Bekanntschaft im Netz begann und solchen, die sich am Arbeitsplatz, bei Freunden oder in der Bar getroffen haben, immer mehr an praktischer Bedeutung. „Online-Dating gewinnt mehr und mehr an Akzeptanz und wird als ein Weg der Kontaktanbahnung akzeptiert.“ Kaum ein Paar habe Hemmungen, sich zu diesem ersten Ort der Begegnung zu bekennen.

Entscheidend ist das erste Treffen, auf das man nicht lange warten sollte

Entscheidend sei ohnehin, was bei der ersten Verabredung in der realen Welt geschieht, findet auch Christian Thiel, „ob das nun passiert, nachdem man sich beim Tanzen kennengelernt hat wie meine Eltern, oder ob zuerst ein paar E-Mails hin und her gingen“. Eine Befragung, für die die Online-Partnerschaftsvermittlung Parship in Zusammenarbeit mit der Uni Zürich fast 3000 Paare gewinnen konnte, die sich zwischen 2001 und 2012 online oder offline kennengelernt hatten, zeigt: Online-Paare haben sich im Durchschnitt einen Monat nach der Kontaktaufnahme persönlich getroffen, Offline-Paare hatten oft schon ein paar Tage nach der ersten Begegnung das erste romantische Tête-àTête, manchmal aber auch erst ein halbes Jahr später. Wenn aus einer Online-Bekanntschaft aber ein Paar wird, dann folgen die klassischen weiteren Schritte deutlich schneller, vom Zusammenziehen über das Heiraten bis zum Kinderkriegen.

Von „einschüchternden emotionalen Erwartungen“, die durch das Online-Dating aufgebaut würden, spricht die Soziologin Eva Illouz. Durch das Abgleichen psychologischer Profile von Interessenten in Internet-Kontaktbörsen entstehe zudem der Eindruck, die Partnerwahl könne informierter, rationaler und rationeller erfolgen. Die Ergebnismaximierung sei zum Selbstzweck geworden, so fürchtet die bekannte Liebes-Forscherin, eine „Mentalität des Vergleichens“ mache es immer schwieriger, sich für eine Möglichkeit zu entscheiden, die einem „gut genug“ vorkomme. „Das Internet arrangiert die Auswahl wie auf einem Buffet und lädt zu einer Form von Wahl ein, die aus der ökonomischen Sphäre abgeleitet ist, so schreibt Illouz in ihrem Buch „Warum Liebe wehtut“. „Formen von Wissen, die eher auf Intuition oder Offenbarung beruhen, werden dadurch beeinträchtigt.“ Auf jeden Fall lernt, wer mit einem anderen Menschen zunächst per E-Mail und anschließend telefonisch in Kontakt kommt, zuerst dessen Sprache und Gedanken, dann seine Stimme kennen – allenfalls ergänzt durch ein statisches Foto. Ein Kennenlernen von innen nach außen, so könnte man sagen. Kein Zweifel: Die Partnersuche im Netz ist zunächst weniger optisch, weniger sinnlich. Denn erst beim ersten Treffen kommt das Fluidum der gesamten Erscheinung, kommen Ausstrahlung, Mimik und Gestik des anderen hinzu. Erst dann hat man auch die Chance zu erkennen, ob man sich überhaupt „riechen kann“. Thiel rät deshalb dringend, zu Beginn nie mehr als zwei, drei Mails hin und her zu schicken, darin nicht die Ebene eines eher konventionellen Flirts zu verlassen – und sich, erste Anzeichen von gegenseitiger Sympathie vorausgesetzt, möglichst bald zu treffen. Wer sich wirklich eine Beziehung wünscht, sollte das schon deshalb tun, weil ein kleiner Prozentsatz der Nutzer von Online-Kontaktbörsen nur darauf aus ist, online den eigenen Marktwert zu testen, wie Zillmann berichtet. Sie sind nicht wirklich auf der Suche nach einem Partner – haben womöglich sogar schon einen.

Weg ins Glück. Die Beziehungen werden besser – und die Trennungen häufiger, wenn es nicht mehr passt.

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Vielleicht ist beim Online-Dating die Gefahr größer, im Vorfeld zu viele Hoffnungen in jemanden zu setzen, der zwar schöne Textbotschaften verfassen kann, sich schließlich aber als der oder die „Falsche“ entpuppt. „Früher war es dafür leichter, sich in den Falschen zu verlieben“, gibt Singleberater Thiel zu bedenken. In einen Menschen, der äußerlich „genau mein Typ“ ist, der aber für sein Leben komplett andere Träume hat. Wenn das Profil, mit dem der andere sich im Netz zeigt, sehr gut sei, könne man sich und anderen dagegen solche vermeidbaren Enttäuschungen ersparen. Dass in einer derart „geplanten“ Beziehung starke Emotionen keinen Platz haben, ist damit nicht gesagt. „Das Kennenlernen im Netz wirkt auf viele sehr unromantisch. Aber was dabei herauskommt, kann sehr romantisch sein“, sagt Soziologin Zillmann.

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