Road Safety Performance Index : Studie verlangt radikale Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit

Die Zahl der Verkehrstoten hat sich zwischen 2010 und 2017 verringert. Deutschland steht in der Statistik gut da - macht aber zu geringe Fortschritte.

Ein Fahrrad liegt Ende Mai in Berlin vor einem Lastwagen. Die Radfahrerin wurde schwer verletzt.
Ein Fahrrad liegt Ende Mai in Berlin vor einem Lastwagen. Die Radfahrerin wurde schwer verletzt.Foto: Paul Zinken/dpa

Auf innerstädtischen Straßen sind europaweit die Erfolge im Kampf gegen tödliche Verkehrsunfälle deutlich geringer als auf Landstraßen und Autobahnen. So sanken laut PIN-Report des Europäischen Transportsicherheitsrates die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle auf innerstädtischen Straßen in der EU und einigen anderen Ländern zwischen 2010 und 2017 insgesamt nur um 14 Prozent. Im Vergleich dazu sank die Zahl der Verkehrstoten auf Autobahnen mit 16 Prozent und auf Landstraßen mit 24 Prozent deutlich schneller. Die Abkürzung PIN steht für Road Safety Performance Index. Innerorts gehen die tödlichen Unfälle vor allem zu Lasten der schwachen Verkehrsteilnehmer: Von den EU-weit 9500 Verkehrstoten bei Unfällen im Jahr 2017 waren über zwei Drittel Fußgänger (39 Prozent), Motorrad- und Mopedfahrer (19) sowie Radfahrer (12). 30 Prozent der Getöteten waren Autofahrer.

Der Autor des Reports, Dovile Adminaite-Fodor, appelliert an die Kommunen: „Völlig zu Recht konzentrieren sich viele Städte darauf, die Luftqualität zu verbessern und den Privat-Gebrauch des Pkw einzudämmen. Doch dies muss einher gehen mit Maßnahmen, die dafür sorgen, dass mehr Radfahrer und Fußgänger auch in einer sichereren Umgebung unterwegs sein können.“ Welchen Einfluss der Trend zu Elektrorädern und E-Rollern auf das Unfallgeschehen in den Städten hat, sei derzeit noch nicht absehbar.

In Deutschland fallen die Fortschritte zur Verbesserung der Verkehrssicherheit in den Städten noch geringer aus als im Durchschnitt der anderen europäischen Länder. Während in Europa die Zahl der Verkehrstoten in Städten zwischen 2010 und 2017 um durchschnittlich 2,2 Prozent im Jahr sank, lag dieser Wert in Deutschland nur bei 1,2 Prozent. In Deutschland nahm die Zahl der innerstädtisch getöteten Verkehrsteilnehmer von 1011 im Jahr 2010 auf 976 im Jahr 2017 ab. Allerdings zählt Deutschland zu den Ländern Europas mit den wenigsten tödlichen Unfällen im innerstädtischen Verkehr. Hierzulande sterben weniger als 20 Personen von einer Million Stadtbewohnern im Jahr bei Verkehrsunfällen. Der EU-Schnitt liegt bei 26. Beim EU-Spitzenreiter in Sachen Verkehrssicherheit in den Städten, Schweden, liegt der Wert etwa bei zehn, bei Schlusslicht Rumänien liegt er bei über 100.

Forderung: Senkung der Geschwindigkeiten im innerstädtischen Verkehr

In Deutschland sind 30 Prozent der Verkehrstoten bei Unfällen innerorts zu beklagen, 57 Prozent auf Landstraßen und zwölf Prozent auf Autobahnen. In Zypern und Rumänien gehen dagegen zwischen 60 und 70 Prozent der Verkehrstoten auf das Konto von Unfällen innerorts.

Die EU hat sich vorgenommen, die Zahl der Verkehrstoten von 2010 bis 2020 um 50 Prozent zu senken. Die Autoren der Studie verlangen drastische Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit in den Städten: Zentral sei die Senkung der Geschwindigkeiten im innerstädtischen Verkehr. Kontrollen hätten ergeben, dass 35 bis 75 Prozent der Fahrzeuge schneller unterwegs seien als die erlaubten 50 km/h. Kontrollen und Strafen müssten verschärft werden. Zudem wird eine Ausweitung der Tempo-30-Zonen in Wohngebieten verlangt. Technische Assistenzsysteme zur Notbremsung bei drohenden Kollisionen von Lastwagen mit Radfahrern und Fußgängern müssten Pflicht werden. Außerdem sollten abgetrennte Fahrradspuren an allen innerstädtischen Straßen kommen, auf denen Pkw und Lkw 50 km/h fahren dürfen.

Der Report listet auch Positivbeispiele von Städten auf, die erfolgreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit ergriffen haben. Da wird etwa genannt, dass in einigen Kommunen Belgiens der Schwerlastverkehr zu Zeiten, wenn die Schule morgens beginnt und nachmittags endet, weiträumig von den Schulwegen ferngehalten werden. In Köln habe man gute Erfahrungen damit gemacht, auf einer von Fußgängern und Radfahrern belebten Straße Tempo 20 zu verordnen. Außerdem sei Radfahrern die Benutzung in beiden Richtungen gestattet worden. Dadurch habe sich das Tempo des Autoverkehrs deutlich reduziert. Immer offensiver wird mancherorts auch der Autoverkehr aus den Städten heraus gedrängt. So will Amsterdam im Innenstadt-Bereich Jahr für Jahr 1500 Parkplätze abbauen. Bis Ende 2025 sollen damit 11200 Stellplätze wegfallen.

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