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Die Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana.

© dpa/Marco Alpozzi

Update

„Schaumstoffisolierung nie überprüft“: Seit 2019 gab es keine Sicherheitskontrollen mehr in der Bar in Crans-Montana

Für 40 Menschen endete die Brandkatastrophe in Crans-Montana tödlich, 119 weitere Personen wurden verletzt. Der Gemeindepräsident räumt nun ein, dass die letzte Sicherheitsinspektion schon lange her ist.

Stand:

In der Schweizer Bar, in der an Neujahr Dutzende Menschen bei einem Brand ums Leben kamen, hat es seit 2019 keine Sicherheitsinspektionen mehr gegeben. „Es tut uns zutiefst leid“, sagte der Gemeindepräsident von Crans-Montana, Nicolas Féraud, am Dienstag vor Journalisten.

„Wir hatten keine Hinweise darauf, dass die Kontrollen nicht vorgenommen worden waren“, erklärte er mit Blick auf die ausbleibenden Inspektionen in den Jahren 2020 bis 2025.

In den Bars der Stadt sollten Brandschutzinspektionen eigentlich jährlich stattfinden. Die letzte Kontrolle im Jahr 2019 in der Bar „Le Constellation“ sei positiv ausgefallen.

Keine Brandmeldeanlage wegen Bar-Größe

Infolge des Unglücks seien nun Wunderkerzen in Innenräumen verboten worden, erklärte der Gemeindepräsident weiter. Der in „Le Constellation“ verwendete schalldichte Schaumstoff sei zur Zeit des Einbaus als zulässig eingestuft worden.

„Diese schalldämmende Schaumstoffisolierung wurde nie überprüft“, so Féraud. „Unsere Sicherheitsbeauftragten hielten dies nicht für notwendig.“ Aufgrund der Größe der Bar sei keine Brandmeldeanlage erforderlich gewesen.

Crans-Montana Mayor Nicolas Feraud attends a press conference by the city council of the resort of Crans-Montana on January 6, 2026, following the devastating New Year bar blaze. Swiss local authorities admitted on January 6 they failed to conduct periodic fire and safety inspections over the past five years at a bar where an inferno killed 40 people and injured 116 others. (Photo by Fabrice COFFRINI / AFP)
Nicolas Féraud, Gemeindepräsident von Crans-Montana, spricht am Dienstag vor Journalisten. 

© AFP/FABRICE COFFRINI

Féraud sagte, die Behörden hätten einen weiteren von den beiden geführten Veranstaltungsort geschlossen.

Bar-Betreiber ist der Justiz bekannt

Zuvor war am Montagabend bekannt geworden, dass der Betreiber der Bar in dem Schweizer Skiort für die französische Justiz kein Unbekannter ist. Der Franzose Jacques M. geriet bereits früher wegen anderer Vergehen ins Visier der Ermittler, wie die Nachrichtenagentur AFP am Montag aus mit dem Fall vertrauten Kreisen erfuhr. Demnach wurde er vor 20 Jahren in der Region Savoyen wegen Zuhälterei festgenommen.

In der Silvesternacht waren in der Bar in Crans-Montana 40 Menschen bei einem Brand ums Leben gekommen. Bei den Toten handelte es sich überwiegend um Jugendliche und junge Erwachsene.

Weitere 119 Personen wurden großteils schwer verletzt. Das Inferno wurde nach bisherigen Ermittlungen durch eine funkensprühende Partyfontäne ausgelöst, die Schaumstoff an der Decke in Brand setzte.

Die Schweizer Justiz leitete Ermittlungen gegen die Barbetreiber ein. Es läuft ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Verursachung eines Brandes, wie die Polizei am Sonntag mitteilte.

Die beiden Betreiber der Bar sind derweil aber nicht in Gewahrsam genommen worden, da es keine Anzeichen dafür gebe, dass sie sich dem Verfahren entziehen wollten.

Stark verengte Fluchttreppe

Wie die „Bild“ am Montag berichtet hatte, soll eine stark verengte Fluchttreppe aus dem Keller eine zentrale Rolle bei der Brandkatastrophe gespielt haben. Demnach sei der Treppenaufgang beim Umbau vor rund zehn Jahren von etwa drei Metern Breite nahezu halbiert worden.

Das zeigten entsprechende Fotos, die den Ermittlern vorliegen sollen. In der Brandnacht konnten demnach nur wenige Menschen gleichzeitig die Treppe nutzen – zu wenig angesichts des sich schnell ausbreitenden Feuers und der Rauchentwicklung.

Die Genfer Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud kündigte laut „Bild“ an, zu prüfen, ob Sicherheitsvorschriften beim Umbau eingehalten wurden. Unklar sei, warum die verengte Treppe bei Kontrollen seit 2015 nicht beanstandet wurde.

Auf den Umbaufotos seien zudem akustische Dämmmatten zu sehen, die laienhaft angebracht worden sein sollen und sich an Neujahr entzündet hatten. Auch brennbarer Schaumstoff befand sich offenbar in den verkleideten Wänden.

TOPSHOT - A mourner lays a flower bouquet at a makeshift memorial near the Constellation bar, on January 4, 2026, in Crans-Montana in honour of the victims of the fire that ripped through the venue in the luxury Alpine ski resort on New Year's Eve. Authorities investigating the New Year's blaze in the Swiss resort of Crans-Montana have identified 24 of the 40 people killed, including 11 minors and six foreign nationals, police said on January 4, 2026. Also 119 were injured during the fire, most of them seriously, according to the latest toll. (Photo by MAXIME SCHMID / AFP)
Eine Trauernde legt in Crans-Montana einen Blumenstrauß an einer provisorischen Gedenkstätte in der Nähe der Bar „Constellation” nieder.

© AFP/Maxime Schmid

Für Kritik sorgte das Verhalten des Crans-Montana-Gemeindepräsidenten Nicolas Féraud, der auf Fragen zum Brandschutz zunächst nicht eingegangen sein und einen „Spiegel“-Journalisten scharf zurückgewiesen haben soll.

Inzwischen habe er mitgeteilt, dass alle Unterlagen an die Staatsanwaltschaft übergeben worden seien und die Gemeinde eine Zivilklage gegen die Bar-Betreiber unterstütze.

Ein Bautagebuch des Betreibers deutet den Angaben zufolge darauf hin, dass der Umbau 2015 unter Zeitdruck stand. Noch am Tag der Neueröffnung sei in der Bar gearbeitet worden, heißt es.

Unterdessen sind alle Todesopfer und Verletzten identifiziert. 22 der Todesopfer waren Schweizer, 18 weitere kamen aus dem Ausland, die meisten davon aus Frankreich und Italien; Deutsche waren nicht unter den Toten oder Verletzten.

Jüngsten Behördenangaben zufolge sind unter den Verletzten 69 Schweizer, 23 Franzosen und zwölf Italiener, darunter auch Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft.

83 Verletzte lagen am Montag weiterhin im Krankenhaus, dutzende von ihnen wurden mit schwersten Verbrennungen in Spezialkliniken in Deutschland, Frankreich, Italien und Belgien behandelt. (Tsp/dpa/Reuters)

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