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Ein Loch klafft in einer Wand, nachdem Diebe sich am 29. Dezember 2025 in den Tresorraum einer Sparkasse in Gelsenkirchen, Deutschland, gebohrt haben.

© REUTERS/Polizei Gelsenkirchen

Sparkassen-Einbruch in Gelsenkirchen: Feuerwehr und Polizei übersahen offenbar Täter im Gebäude

NRW-Innenminister Reul berichtet von möglichen Versäumnissen beim Einbruch in eine Gelsenkirchener Sparkasse. Die Täter versteckten sich offenbar, während Beamte nach einem Feueralarm nur den Nebenraum kontrollierten.

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Nach dem Einbruch in die Gelsenkirchener Sparkasse kurz nach Weihnachten steht nun auch das Verhalten der Einsatzkräfte im Fokus. Bei seiner Aussage im Innenausschuss des Landtags berichtete NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstag von möglichen Versäumnissen bei Feuerwehr und Polizei, wie „Table.Briefings“ schreibt.

Laut Minister gelangten die Täter durch eine lediglich mit einem Rolltor gesicherte Tiefgarage ins Gebäude. Ermittlerkreisen zufolge schalteten sie die Alarmanlage aus, berichtet „Table.Briefings“. Zudem hätten sie eine Tür mit Silikon präpariert – sie ließ sich dadurch mühelos öffnen und wieder schließen.

Täter versteckten sich wohl vor Einsatzkräften

Mit Spezialgeräten bohrten die Einbrecher ein Loch durch eine 40 Zentimeter dicke Stahlbetonwand in den Tresorraum. Offenbar löste der dabei entstandene Staub eine Brandmeldung aus. Mehrere Feuerwehrleute und ein Polizist schöpften jedoch keinen Verdacht, wie Reul im nicht öffentlichen Teil der Sitzung berichtete.

Die Beamten hätten lediglich einen Vorraum geprüft. Die Einbrecher hielten sich derweil im angrenzenden Archiv auf, so „Table.Briefings“. Auch Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma fanden demnach nichts Verdächtiges. Vier Stunden nach dem Feueralarm sei das erste Schließfach aufgebrochen worden.

Die Polizei hat inzwischen 230 Beamte für die Ermittlungen abgestellt. Der Anspruch sei: „Das Ding klären wir auf“, sagte Reul. Allerdings hätten die Täter den Tresorraum mit „verschiedenen chemischen Flüssigkeiten kontaminiert“, um DNA-Spuren zu verwischen.

Verdacht auf Insider-Hilfe

„Wir wissen jetzt immer noch nicht, ob es hier um organisierte Kriminalität und möglicherweise Clangelder geht oder ob das ein einmaliger Coup war“, sagte Marcel Hafker, innenpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, zu „Table.Briefings“. Zuletzt war viel darüber spekuliert worden, ob die Täter Hilfe von einem Insider hatten. Reul betonte, dieser Frage müsse man nachgehen – es gebe aber noch keinen konkreten Verdacht.

Der Aufbruch der 3100 Bankschließfächer habe am 27. Dezember um 10.45 Uhr begonnen. Die letzte Öffnung wurde um 14.44 Uhr festgestellt. Entdeckt wurde der Einbruch erst zwei Tage später, am 29. Dezember. Die Beute könnte möglicherweise mehr als 100 Millionen Euro betragen, berichtete die dpa Anfang Januar unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Die Polizei hat die Kunden auf eine noch monatelange Spurensicherung vorbereitet. In dem betroffenen Tresorraum befänden sich nach derzeitigem Stand „noch mehrere hunderttausend Gegenstände“, teilten die Ermittler am Dienstag mit. Kriminaltechniker aus ganz Nordrhein-Westfalen seien damit beschäftigt, diese auf Spuren zu untersuchen, zu katalogisieren, fotografisch zu sichern und dann sicher aufzubewahren.

An der Sicherung der Gegenstände seien auch Mitarbeiter der Sparkasse beteiligt. „Diese Arbeit wird voraussichtlich mehrere Monate in Anspruch nehmen“, erklärte die Polizei. Jeder Gegenstand beinhalte aber die Chance, den entscheidenden Hinweis auf die Täter zu liefern. „Die Polizei bittet alle geschädigten Kunden um Verständnis, dass die Abarbeitung noch andauern wird.“ (Tsp/AFP/dpa)

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