Finale der Castingshow : Yoncé Banks wird „Queen of Drags“

Yoncé Banks aus Paderborn ist die deutsche „Queen of Drags“. Die von Heidi Klum moderierte Castingshow schaffte queere Sichtbarkeit wie nie im deutschen TV.

Inga Hofmann
Die Finalistinnen Vava Vilde, Yoncé Banks und Aria Addams (von links).
Die Finalistinnen Vava Vilde, Yoncé Banks und Aria Addams (von links).Foto: ProSieben/Martin Ehleben

Seit Donnerstagabend hat Deutschland erstmals eine „Queen of Drags“:  In der finalen Folge wurde Yoncé Banks zur besten Drag Queen im deutschsprachigen Raum gekürt. Zehn Kandidatinnen kämpften in sechs Folgen um die Krone und wurden dabei von der Jury, also Conchita Wurst, Bill Kaulitz, Heidi Klum und einer Gastjurorin bewertet.

Im Finale unterstützte die Choreografin und Drag Queen Laganja Estranja die Jury bei der Entscheidungsfindung.

Woche für Woche musste die Kandidatinnen bei verschiedenen Aufgaben ihre Kreativität und Wandelbarkeit unter Beweis stellen. Von futuristisch anmutenden Ganzkörperanzügen, über märchenhafte Ballkleider bis hin zu gruseligen Horror-Makeups war alles dabei. Und auch in der finalen Folge enttäuschten die Queens nicht: In Gruppen- und Einzelauftritten performten die Teilnehmerinnen in bonbonfarbenen Kleidern und mit tortenähnlichen Kopfschmucken zu Musik von Katy Perry und Beyoncé - passend zu den Lyrics „Wer regiert die Welt? Mädels!“.

Die Queens zeigten, dass Drag politisch sein kann

Vorangegangene Uneinigkeiten über die Choreografie traten dabei in den Hintergrund- ebenso wie abgebrochene Fingernägel und entzündete Augen.

Doch die Show hatte nicht nur Unterhaltungswert. In den vergangenen Wochen haben die Queens die Sendung immer wieder für eigene Statements und Erfahrungsberichte genutzt und sie damit ein stückweit politisiert. „Unsere Queens haben Deutschland gezeigt, dass Drag Kunst ist. Viel mehr als nur eine Perücke aufsetzen und schön aussehen“, sagt Juror Bill Kaulitz.

Auf Hasskommentare reagiert Gewinnerin Yoncé Banks souverän

Für ihre Statements ernteten die Queens jedoch nicht nur positives Feedback, sondern mussten sich besonders im Netz mit Hasskommentaren und sogar Drohungen auseinandersetzen. „Unter den Kommentaren liest man teilweise auch sehr unmenschliche, verletzende Dinge“, sagte Gewinnerin Yoncé Banks dem Tagesspiegel nach dem Finale. Von negativen Kommentaren lässt sich die 26-jährige jedoch nicht unterkriegen: „Hater sind Menschen, die zu Hause sitzen, unzufrieden mit sich und ihrem Leben sind, ihren Frust an anderen ablassen müssen.“

Die Final-Jury mit Conchita Wurst, Laganja Estranja, Heidi Klum und Bill Kaulitz.
Die Final-Jury mit Conchita Wurst, Laganja Estranja, Heidi Klum und Bill Kaulitz.Foto: ProSieben/Martin Ehleben

Deshalb appellierte sie während ihrer Krönung als „Queen of Drags“ an das Publikum: „Bitte respektiert eure Mitmenschen. Wir sind alle gleich und wir sind alle nackt geboren“. Damit spielt sie auf das berühmte RuPaul-Zitat an, dass wir alle nackt geboren werden und der Rest Drag sei.

An der Drag-Kunst fasziniere sie das Spiel mit den Geschlechtern: „Ich bin mit Absicht sehr sexuell, provokant und leicht bekleidet.“ Nur weil sich jemand sexy anziehe, heiße das nicht, dass man angefasst oder belästigt werden dürfe.

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Wie ihr Name verrät, inspiriert die Paderbornerin vor allem die Sängerin Beyoncé. Ihr Nachname „Banks“ stamme von einer starken Frau namens Tyra Banks. Mit ihren Auftritten polarisierte sie die Jury häufig: Während Heidi Klum ihre Choreografien lobte, bemängelte Conchita Wurst ihre fehlende Wandelbarkeit. Im Finale konnte Yoncé jedoch auch die ESC-Gewinnerin endgültig überzeugen: „Du bist ein Star!“

Erste Drag Queen auf dem Cover eines deutschen Modemagazins

Damit gewinnt Yoncé nicht nur das Preisgeld in Höhe von 100.000 Euro und eine Reise nach New York, sie wird darüber hinaus als erste Drag Queen in Deutschland das Werbegesicht für „Mac Cosmetics“. Besonders freut sich Yoncé aber, auf dem Cover der deutschen „Cosmopolitan“ zu erscheinen: „ Dass ich mich jetzt als erste „Queen of Drags“ dazugesellen darf, macht mich unglaublich stolz!“  Es ist das erste Mal, dass eine Drag Queen auf einem deutschen Modemagazin gezeigt wird und  über ihre Kunst erzählen darf.

Ob es eine weitere Staffel geben wird, ist ProSieben zufolge noch nicht entschieden. Die Bilanz fällt aus Quotensicht eher ernüchternd aus. Nach ordentlichen Beginn Mitte November, als die erste Folge 11,4 Prozent Marktanteil erzielen konnte, setzte ein Abwärtstrend ein. Das Finale markierte mit 7,9 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen einen Tiefstwert. Im Schnitt reichte es über die gesamte Staffel nur für etwas mehr als neun Prozent.

Klar sei aber, dass diese Show „Grenzen gesprengt“ habe, so der Sender. Yoncé Banks und die anderen Queens haben eine nie dagewesene queere Sichtbarkeit im deutschen Fernsehen geschaffen, die auch den öffentlichen Diskurs beeinflusst hat. Und eins ist klar: „The Drag Show must go on!“

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