Skandal um US-Unis : Die Verblendung ist besorgniserregend

Wie geht man mit jungen Erwachsenen um, die keine Vorstellung von ihrer Leistungsfähigkeit haben? Der Uniskandal in den USA macht nachdenklich. Ein Zwischenruf.

Fanutensilien der Stanford-Universität
Fanutensilien der Stanford-UniversitätFoto: AFP/Justin Sullivan/Getty Images

In den USA haben reiche Eltern ihren mäßig talentierten Kindern Plätze an Elite-Hochschulen gekauft. Dieser Skandal flog in der vergangenen Woche auf. Nun stehen die Eltern am Pranger, das Hochschulsystem der USA wird kritisiert, die korrupten Angestellten werden gefeuert.

Die jungen Erwachsenen aber, die sich in die Studiengänge schmuggeln ließen, werden in Schutz genommen. Sie hätten von den Schmiergeldern nichts geahnt, meint selbst der Staatsanwalt. Die Studenten glaubten offenbar, aufgrund der eigenen Leistungen in Georgetown, Yale oder Stanford akzeptiert worden zu sein. Diese Verblendung ist ebenso besorgniserregend wie der Fall an sich.

Wie geht man mit jungen Erwachsenen um, die keine realistische Vorstellung von ihrer eigenen Leistungsfähigkeit haben? Das ist eine Frage, die Ausbilder und Dozenten immer stärker beschäftigt – und nicht nur in den USA.

Manche Bewerber hatten sich für den Aufnahmetest mit irgendwelchen Begründungen mehr Zeit erbeten. Die Prüfungsbögen wurden in der Extrazeit von gekauften Helfern auf Vordermann gebracht. Andere bekamen ein Sportstipendium für das Ruder- oder Wasserballteam der Universität, obwohl sie weder ruderten noch gut schwimmen konnten.

Wer immer sich für den Besten hält, der wird rücksichtslos

Gewundert haben sie sich darüber nicht. Der von Eltern, Lehrern, Coaches und Nachhilfeinstitutionen gezüchtete Narzissmus hat ihnen den Blick auf sich selbst verstellt. Selbstüberschätzung ist eine urmenschliche Eigenschaft: Jüngere überschätzen sich öfter als Ältere, Männer sehen sich positiver als Frauen, Dumme halten sich für klüger als Schlaue.

Ein bisschen zu viel von sich zu halten, bringt Menschen im Idealfall dazu, an ihre Grenzen zu gehen und ihr Potenzial voll auszuschöpfen.

Doch Erwachsene, die nie gelernt haben zu erkennen, dass andere smarter und intelligenter sind als sie selbst, werden nicht klüger. Sie werden schlechter und rücksichtsloser. Sie lernen nicht genug, sie stehen den wirklich Leistungsfähigen im Weg. Ihnen selbst und ihren Eltern macht das vielleicht nichts aus. Allen anderen sollte es etwas ausmachen. Denn sie haben den Schaden davon.