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Mindestens vier russische Buk‑Flugabwehrsysteme wurden beim US-Angriff auf Caracas zerstört.

© IMAGO/Viacheslav Lopatin

Trump nannte Maduro-Mission „brillant“: Der Einsatz war wohl nur erfolgreich, weil die russische Flugabwehr nicht aktiviert war

Der US-Präsident und seine Militärs lobten den Einsatz gegen Venezuelas Machthaber Maduro überschwänglich. Eine Recherche zeigt nun, warum die Mission so erfolgreich war.

Stand:

Für den Fall, dass etwas in Caracas schiefgehen würde, wartete schon eine zweite Einsatztruppe an US-Soldaten. Doch sie kam nie zum Einsatz. Etwas mehr als zwei Stunden brauchten die US-Spezialkommandos am 3. Januar in Venezuelas Hauptstadt, um Machthaber Nicolás Maduro gefangen zu nehmen und außer Landes zu bringen.

Trump lobte den Einsatz danach als historisch und „brillant“. Und tatsächlich demonstrierte der Einsatz auf den ersten Blick die volle Macht des US-Militärs: hochgerüstet, professionell, kaltblütig. US-Kriegsminister Pete Hegseth und Trump machten sich im Anschluss über die russischen Flugabwehrsysteme lustig, über die die venezolanische Armee verfügte. Die seien wohl doch nicht so gut, wie gedacht, stichelte Hegseth.

Tatsächlich waren auch viele Experten nach dem Einsatz verwundert über die Bewegungsfreiheit der US-Hubschrauber, Drohnen und Flugzeuge im Luftraum über Caracas. Denn die russischen Luftabwehrsysteme, darunter das S-300, Buk-M2 und Pantsir, gelten als effektiv und modern. Kurz nach dem Einsatz schien es, als habe die USA mit einem Cyberangriff die Stromversorgung lahmgelegt und damit die Abwehrsysteme kampfunfähig gemacht.

Helicopters fly past plumes of smoke rising from explosions, in Caracas, Venezuela, January 3, 2026 in this screen grab obtained from video obtained by Reuters. Video Obtained by Reuters/via REUTERS  THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. NO RESALES. NO ARCHIVES. NEWS USE ONLY. THIS PICTURE WAS PROCESSED BY REUTERS TO ENHANCE QUALITY. AN UNPROCESSED VERSION HAS BEEN PROVIDED SEPARATELY.

VERIFICATION:
- Mountains, towers and buildings match satellite and file imagery of Caracas 
- Date verified by multiple corroborating videos of strikes on Caracas      TPX IMAGES OF THE DAY
US-Hubschrauber in der Nacht zum 3. Januar über Caracas.

© REUTERS/VIDEO OBTAINED BY REUTERS

Wie eine Recherche der „New York Times“ nun zeigt, war es aber doch etwas anders. Demnach gab es gleich mehrere Gründe, warum die venezolanische Luftabwehr so uneffektiv war.

  • Einige der russischen Abwehrsysteme waren laut US-Offiziellen nicht an die Radaranlagen angeschlossen, sie waren also faktisch blind.
  • Einige Systeme funktionierten wohl auch nicht. Denn die Venezolaner hatten wohl Probleme, die Maschinen zu warten, wie US‑Offizielle betonen.
  • Einige Flugabwehr-Systeme befanden sich während des US-Angriffs zudem in Lagerhallen.
  • Hinzu kam, dass es vor Ort keine russischen Experten für Wartung und Bedienung gab, da die alle durch den Krieg in der Ukraine gebunden waren.
  • Warum Tausende schultergestützte Luftabwehrsysteme, sogenannte Manpads, von Maduros Armee ungenutzt blieben, ist bisher unklar.

Zwei US-Offizielle mutmaßen gegenüber der „New York Times“, dass Russland die Ausrüstung vielleicht absichtlich nicht gewartet habe, um einen Konflikt mit den USA zu vermeiden.

Alles in allem sei die venezolanische Armee überraschend unvorbereitet auf den Angriff gewesen, schreiben die „NYT“-Reporter. Und das, obwohl die USA über Monate mit einem Militärschlag gedroht hatten. Die Abwehr gegen die US-Soldaten übernahm schließlich vor allem die Leibgarde Madorus, die größtenteils aus Kubanern bestand. Mehr als dreißig von ihnen starben bei dem Einsatz.

Venezuela hatte wohl insgesamt zwölf Buk-Systeme und zwei S-300-Systeme ab 2009 im Rahmen eines milliardenschweren Rüstungsdeals von den Russen gekauft. Noch im Herbst 2025 lieferten die Russen zahlreiche Luftabwehrsysteme des Typs Pantsir und Buk an Caracas. Bei ihrem Einsatz zerstörten US-Flugzeuge mindestens vier Buk‑Flugabwehrsysteme, die sich in Lagern befanden.

„Die venezolanischen Streitkräfte waren auf den Angriff der USA praktisch nicht vorbereitet“, bilanziert Yaser Trujillo, Militäranalyst in Venezuela, in der „New York Times“. „Ihre Truppen waren nicht verteilt, das Ortungsradar war nicht aktiviert, nicht eingesetzt und nicht einsatzbereit. Es war eine Kette von Fehlern, die es den Vereinigten Staaten ermöglichte, problemlos zu operieren, da sie nur einer sehr geringen Bedrohung durch das venezolanische Luftabwehrsystem ausgesetzt waren.“ (ben)

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