„Aidiyet“ im Berlinale-Forum : Kühne, kühle Dekonstruktion eines Thrillers

Berlinale-Forum: Der türkische Regisseur Burak Çevik schafft es in seinem Film „Aidiyet“ , die Spannung bis zuletzt zu halten.

Eylül Su Sapan und Çağlar Yalçınkaya in "Aidiyet"
Eylül Su Sapan und Çağlar Yalçınkaya in "Aidiyet"Foto: Kuyu Film / Berlinale

„Aidiyet“ beginnt mit einem Prolog, einem vor schwarzem Bild verlesenen Brief, in dem der Regisseur Burak Çevik seine Tante um Erlaubnis bittet, ihre Geschichte zu erzählen. Nachdem ihn die Themen Tod, Sterben und Töten in seinem Schaffen nie losgelassen hätten, sei ihm bewusst geworden, dass es auch seine Geschichte ist, und indem er sie nun erzählt, möchte er sich von ihr befreien.

Die Geschichte beginnt, doch der Film verbleibt im Modus des Uneigentlichen. Auf der Tonebene berichtet ein Mann von den Eckdaten seines Lebens, dem Tod des Vaters, dem Schulabschluss, dem Beitritt zum Militär Ende der neunziger Jahre. Bei einem Heimaturlaub begegnet er nachts einer jungen Frau, die am Ufer sitzt. Sie kommen ins Gespräch, gehen spazieren, verbringen die Nacht miteinander, bevor er am nächsten Tag zu seinem Stützpunkt abreisen muss. Später besucht sie ihn, sie werden ein Paar, verloben sich, planen ihre Hochzeit.

Nüchterner Tonfall

Das alles spielt sich im Off ab und wird auch dann noch im protokollartig nüchternen Tonfall vorgetragen, als die Geschichte dramatischer wird und auf eine Katastrophe zusteuert: Der Mann lernt die Eltern seiner Verlobten kennen, „da war ich das erste Mal am späteren Tatort.“ Im Bild sind währenddessen Orte zu sehen, die in der unvermeidlichen Verknüpfung mit der Schilderung zu Schauplätzen werden: das Meer, eine Bar, eine Tankstelle, eine Wohnung.

Als die Begegnung des jungen Paares im dritten Teil des Films schließlich noch einmal spielfilmgerecht inszeniert erzählt wird, ist der Möglichkeitsraum aus Zuschauersicht durch die Vorinformationen drastisch eingeengt, das spätere Verbrechen bereits in die unschuldige Gesprächsanbahnung eingeschrieben. Çevik gelingt so die ebenso kühne wie kühle Dekonstruktion eines Thrillers, der seine Spannung hält, indem entscheidende Fragen bis zuletzt offenbleiben.

14.2., 13:45 Uhr (Cinestar 8), 17.2., 22.30 Uhr (Arsenal 1)

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