Anne-Sophie Mutter in Berlin : Sie kann alles

Makellos wie eine Perlenkette: Star-Geigerin spielt in der Philharmonie Mozarts Violinkonzerte.

Alexandra Ketterer
Jeder Einsatz sitzt. Geigerin Anne-Sophie Mutter bringt Mozarts Musik zum Leuchten.
Jeder Einsatz sitzt. Geigerin Anne-Sophie Mutter bringt Mozarts Musik zum Leuchten.Foto: dpa/Patrick Seeger

Mozarts Musik ist ein Röntgenbild der Seele, sagte Anne-Sophie Mutter einmal. Die Geigerin selbst versteht es wie keine zweite, die Seelenwelten des Komponisten zum Leuchten zu bringen. Beim Gastspiel mit dem Kammerorchester Wien- Berlin in der Philharmonie beginnt sie mit dem Stück, das sie mit 13 unter Leitung Herbert von Karajans berühmt gemacht hat: das Konzert für Violine und Orchester Nr. 2.

Das Allegro setzt sehr schwungvoll ein, Mutter spielt die Töne gebunden und makellos wie eine Perlenkette. Das berüchtigte Mutter-Vibrato lässt nicht auf sich warten. Doch stellt sie es in wichtigen Passagen ab, arbeitet so klare Momente heraus. Die Wechsel bleiben unerwartet. In ihrer nüchternen und professionellen Art gelingt es ihr, die Spannung im Rondeau noch zu steigern. Musste die Solistin das Orchester im ersten Stück noch ein wenig antreiben, sind die Musiker später, im Violinkonzert Nr. 3 G- Dur, auf ihr zügiges Tempo eingestimmt. Jeder Einsatz sitzt. Mutter lockt, kommentiert kraftvoll, dann ganz intim im unprätentiösen Stil.

Tänzerische Stimmungswechsel

Nach der Pause ist man kurz besorgt, ob das Kammermusikorchester das schwindelerregende Niveau auch ohne die präzise Virtuosin halten kann. Was sich als unbegründet herausstellt. Die Musiker binden in der Sinfonie Nr. 1 Es-Dur, die Mozart mit neun Jahren komponierte, die träumerischen Passagen nahtlos an die impulsiven an. Große Freude am Zusammenspiel ist jedem einzelnen ins Gesicht geschrieben. Für das Violinkonzert Nr. 5 schwebt Mutter zurück auf die Bühne. Mit stark gesetzten Kontrasten und Vibtratoträumen wird das „Türkische“ zum Höhepunkt des Abends. Auch die gemächlichen Passagen spielt sie mit vielseitiger Färbung. Den tänzerischen Wechsel von Dur zu a-Moll genießen Solistin, Musiker und Zuhörer strahlend.

Zum Applaus eilt ein Fan mit Krone und Blumentopf (Deutschland- und Österreichflagge inklusive) auf die Bühne, überreicht Mutter die Geschenke. Die gibt sie an Konzertmeister Rainer Honeck weiter. Zu Recht. Anne-Sophie Mutter muss nicht mehr gekrönt werden. Sie ist schon längst Königin.

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!

2Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben