Beatrice Rana im Kammermusiksaal : Lodernde Leidenschaft

Die 25-jährige italienische Pianistin Beatrice Rana spielt Werke von Chopin, Ravel und Strawinsky im Kammermusiksaal der Philharmonie.

Beatrice Rana
Beatrice RanaFoto: Nicolas Bets

Die vielen jungen Leute, die am Dienstagabend aufs Kulturforum strömen, wollen leider nicht zu Beatrice Rana. Dabei hat die 25-jährige Pianistin genau ihr Alter. Chilly Gonzales dagegen, der die Massen nach nebenan in die Philharmonie lockt, ist fast doppelt so alt. Bei dem Crossovermusiker, der seine Auftritte am Klavier gerne in Bademantel und Schlappen absolviert, haben die Leute vielleicht mehr Spaß – Beatrice Rana aber spielt dafür definitiv mehr Noten.

Drei extrem anspruchsvolle Werke hat sie sich vorgenommen, Chopins Etüden Opus 25, Ravels „Miroirs“ und Strawinskys „Feuervogel“ in der Bearbeitung von Guido Agosti. Doch der Italienerin, die am Konservatorium des apulischen Städtchens Monopoli studiert hat, geht es nicht um pure Virtuosität. Ein starker Ausdruckswille treibt sie an, zu Chopin beispielsweise hat sie einen sehr eigenen Zugang.

Ein Erzromantiker ist das bei Beatrice Rana, der in entrückten Welten lebt. Kaum gönnt sie sich Atempausen zwischen den 12 Etüden, wie im Traum wechseln die Stimmungen, begegnen sich widerstreitende Gefühle. Dabei bleibt vieles neblig, verwischen die Konturen. Auf einem Erard-Flügel aus der Entstehungszeit der Werke mag das interessant wirken – doch weil die Interpretin nunmal an einem modernen Steinway sitzt, irritieren die fehlende Nachvollziehbarkeit der Stimmführung, die Verunklarung der Strukturen auf die Dauer dann doch.

Rückhaltlos risikofreudig geht sie den "Feuervogel" an

Überzeugender gelingen die „Miroirs“, denn nun haben die Melodien mehr Relief, wirkt das Passagenwerk filigraner, der Klang klarer. Jetzt klingt der Steinway auch nach Steinway: brillant, kristallin. Ravel als „tönend bewegte Form“, das funktioniert – solange sich Beatrice Rana nicht durch den Drang zu allzu schnellem Spiel selber überfordert, wie passagenweise in der „Alborada del gracioso“.

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Viel Selbstbewusstsein braucht jeder Interpret für die Klavierfassung der Höhepunkte aus Strawinskys „Feuervogel“-Ballettmusik. Schließlich gilt es hier, als One-Woman-Show ein vielköpfiges Orchester zu ersetzen, die faszinierende, schillernde Farbigkeit der Partitur allein mit der Hammermechanik des Klaviers nachzubilden. Beatrica Rana langt mächtig hin, entfacht lodernde Leidenschaft in der „Danse infernale“. Dicht und intensiv erklingt das Wiegenlied, als ruhiger Kontrast, mit dennoch hohem Adrenalinspiegel, bevor sich die Pianistin schließlich rückhaltlos risikofreudig ins furiose Finale stürzt.

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