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Berliner Filmfestspiele : Christoph Terhechte hört als Leiter des Berlinale-Forums auf

Christoph Terhechte gibt die Leitung der Berlinale-Sektion Forum überraschend zum Juli 2018 ab. Festivalleiter Dieter Kosslick dankt ihm für seine „langjährige, großartige Arbeit“.

Christoph Terhechte, seit 2001 Leiter des Berlinale-Forums, gibt sein Amt im Juli ab.
Christoph Terhechte, seit 2001 Leiter des Berlinale-Forums, gibt sein Amt im Juli ab.Foto: Mike Wolff

Eine überraschende, bedauerliche Nachricht: Christoph Terhechte gibt die Leitung der Berlinale-Sektion Forum zum Juli 2018 ab, wie die Internationalen Filmfestspiele Berlin und das Arsenal-Filminstitut am Mittwoch meldeten. Das Arsenal richtet die Berlinale-Sektion seit 1971 aus. Terhechte war bereits seit 1997 Mitglied im Forum-Auswahlkomitee und übernahm die Leitung der Sektion für ästhetisch anspruchsvolle Independentfilme, auch mit neuen Bildersprachen experimentierende Werke im Juni 2001 von Forum-Gründer Ulrich Gregor. Seit 2002 war Terhechte auch Mitglied im Auswahlkomitee des Berlinale-Wettbewerbs. Terhechte, 1961 in Münster geboren, hatte vor seiner Zeit bei den Filmfestspielen als Journalist und Filmkritiker in Hamburg, Paris und Berlin gearbeitet. Nun möchte er sich neuen beruflichen Aufgaben widmen.

Sein Berlinale-Vertrag läuft eigentlich noch bis Frühjahr 2019, er endet zeitgleich mit dem von Berlinale-Direktor Dieter Kosslick, der das Festival nächstes Jahr zum letzten Mal ausrichtet. Die Nachricht vom vorzeitigem Weggang des Forum-Chefs legt die Vermutung nahe, dass er recht bald zu einer anderweitigen Tätigkeit wechseln wird. Ob damit die Leitung eines anderen internationalen Filmfestivals gemeint ist, bleibt vorerst offen. „Es waren 17 tolle Jahre“, sagte Terhechte, derzeit in Cannes, dem Tagesspiegel. Über seine berufliche Zukunft wollte er sich wegen laufender Verhandlungen noch nicht äußern.

Terhechtes Abschied fällt in die Zeit der Suche nach einem Nachfolger für Dieter Kosslick, der nächstes Jahr sein letzte Berlinale bestreitet. Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte angekündigt, noch vor der Sommerpause den Namen des neuen künstlerischen Leiters oder der Leiterin bekanntgeben zu wollen. Außerdem bestätigte sie vor wenigen Tagen erneut, dass sie eine Doppelspitze befürwortet, also eine Arbeitsteilung zwischen künstlerischer und organisatorischer Leitung. Dies hatte auch Kosslick selbst zuletzt wiederholt angemahnt.

Für 2019 sucht das Forum nun nach einer kommissarischen Leitung

Der Neustart und Generationswechsel bei der Berlinale bis 2020 fällt somit größer aus als zunächst gedacht. Auch Wieland Speck, der langjährige Chef der Sektion Panorama, hat seinen Posten bereits geräumt, im Sommer 2017. Das Panorama, die andere, noch etwas umfänglichere Nebenreihe des Festivals mit einem Schwerpunkt auf queeren Filmen, wird neuerdings von dem Leitungsteam Paz Lazáro, Michael Stütz und Andreas Struck kuratiert. Alle drei arbeiteten bereits vorher beim Panorama und haben keine langjährigen Verträge. Auch das Forum sucht vorerst „nur“ für 2019 eine kommissarische Leitung, die vermutlich aus den eigenen Reihen stammen dürfte. Die künftige Berlinale-Leitung gewinnt also einen personellen Spielraum, über die Kuratierung des Wettbewerbs und des Hauptprogramms hinaus.

Dieter Kosslick dankte Terhechte für seine „langjährige, großartige Arbeit“: „Das kuratorische Profil der Sektion hat mit seinem facettenreichen Programm einen bedeutenden Beitrag zur Vielseitigkeit der Berlinale und zum Filmdiskurs geleistet.“ Auch der Vorstand des „Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V.“ dankte Terhechte, dem es gelungen sei, „dem Forum die Risikofreude zu erhalten und in einer sich stark verändernden Festivallandschaft immer wieder neue Impulse zu geben“. Die von ihm gesetzten Schwerpunkte bereicherten ganzjährig das Programm des Arsenal-Kinos, teilten die Leiterinnen Milena Gregor, Birgit Kohler und Stefanie Schulte Strathaus mit.

Um die Zukunft der Berlinale war Ende 2017 eine heftige Debatte entbrannt. 79 Filmschaffende hatten Reformen gefordert. Etliche mahnten Programmverschlankungen an, während andere Kosslicks Verdienste würdigten und seinen Kurs für das Festival als weltgrößtes Publikums-Filmfest verteidigten. (Tsp)


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