Buch über „Fontanes Frauen“ : Promisk nur in Büchern

In der Realität war der Autor von „Effi Briest“ in treuer Gatte und Vater: Der Berliner Historiker Robert Rauh porträtiert „Fontanes Frauen“.

Tobias Schwartz
Theodor Fontane, 1883 (Gemälde von Carl Breitbach).
Theodor Fontane, 1883 (Gemälde von Carl Breitbach).Foto: Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

Was wäre Theodor Fontane ohne seine Frauen? Wohl nur ein halber Mensch. Allerdings waren „Fontanes Frauen“ in erster Linie Romanfiguren. Der Verfasser von „Grete Minde“, „Stine“, „Cécile“, „Mathilde Möhring“, „Frau Jenny Treibel“ und allen voran „Effi Briest“ war nicht promisk. Jedenfalls nicht in der Realität. Fontane war ein treuer Gatte und Vater. In seinen Büchern war der Verschleiß dagegen hoch – wie schon die Romantitel zeigen.

Etliche Frauenfiguren Fontanes haben reale Vorbilder. In dieser Hinsicht war der Romancier meist nicht zimperlich, wie deutlich das Beispiel der berühmten Effi Briest zeigt. Deren Vorbild Elisabeth von Ardenne wurde 98 Jahre alt und starb erst 1952, während Fontane seine Figur zwecks Dramatik im Alter von ungefähr 30 Jahren sterben lässt. Elisabeth – Großmutter übrigens von Manfred von Ardenne, der wiederum Uwe Tellkamp als Vorbild für den extravaganten DDR-Forscher in seinem Roman „Der Turm“ diente – wusste also auch von dem Ruhm, den die Romanfigur erlangte und der ein Stück weit ihr eigener Ruhm war.

Beschwingter Plauderton

Der Berliner Historiker und Lehrer Robert Rauh („Fontanes Fünf Schlösser“) hat nun in seinem Buch „Fontanes Frauen“ die Biografien von fünf Frauen skizziert, die von Fontane literarisch verewigt wurden. Neben Elisabeth/Effi sind das Fontanes Tochter Martha, die Corinna Schmidt im Roman „Frau Jenny Treibel“, Margarete von Minden alias Grete Minde in der gleichnamigen Novelle sowie die „Prinzessin Goldhaar“ genannte Karoline de La Roche-Aymon und die „Krautentochter“ Charlotte, die unter anderem in den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ Erwähnung finden. Rauh erzählt von den Frauen und Frauenfiguren in beschwingtem Plauderton, der von Ferne sogar an Fontane selbst erinnert.

Ein Vorbote des großen Jubiläumsjahrs

Den Leser führt er auch an die verschiedenen Lebensorte der Frauen – etwa nach Zerben, Tangermünde, Benrath oder Waren an der Müritz, in hochherrschaftliche Häuser und Schlösser sowie in kleine Dörfer – und liefert so gleichzeitig eine Anleitung zum Wandeln auf den Spuren dieser Frauen. Dieser Vorbote des großen Fontane-Jubiläumsjahrs 2019 ist in nützliches Buch für Fontanisten und solche, die es werden wollen.

Lesungen in Berlin und Brandenburg

Die Berliner Buchpremiere mit der Schauspielerin Corinna Harfouch und Robert Rauh am 9. Oktober, 19 Uhr, im Schloss Schönhausen ist bereits ausverkauft. Die Brandenburger Buchpremiere mit Carmen-Maja Antoni und dem Autoren findet statt am 18. Oktober, 19 Uhr, in Neuruppin, Fontane-Buchhandlung. Weitere Lesungen mit Vortrag gibt es u.a.am 14. Oktober, 16 Uhr, im Schloss Plaue in Brandenburg an der Havel sowie am 21. März 2019 um 19 Uhr mit Robert Rauh und der Carmen-Maja Antoni in der Salzkirche Tangermünde.

Berits am kommenden Dienstag, den 25. September, begibt Rauh sich um 19 Uhr „Auf Fontanes Spuren durch die Mark“ in der Villa Quandt in Potsdam.

Robert Rauh: Fontanes Frauen edition q im be.bra verlag, Berlin 2018. 499 Seiten, 22 €.

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