Collagen in der Zwitschermaschine : Entschleunigte Eisenstrukturen

Schneiden, montieren, fotografieren: Die Ausstellung „CUT“ im Projektraum Zwitschermaschine zeigt Collagen von Hannah Becher, Kaa und Reno Delvendaahl.

Matthias Reichelt
"Under Construction" von Hannah Becher, 2018.
"Under Construction" von Hannah Becher, 2018.Foto: Hannah Becher / Galerie

Schneiden, Kombinieren, Montieren und Kleben bilden die Grundpraktiken der Collage, die Hannah Becher in der von ihr zusammengestellten Ausstellung „CUT“ im Projektraum Zwitschermaschine zum Thema macht, wo sie neben eigenen Arbeiten auch Werke der Künstlerfreunde Kaa und Reno Delvendaahl präsentiert. Bekannt ist Becher für ihre großen, menschenleeren Gemälde, die sich den Stahl- und Eisenkonstruktionen der industriellen Architektur des 20. Jahrhunderts widmen – wie etwa dem Schöneberger Gasometer. In einem bewussten Prozess der Entschleunigung entstehen ihre Werke in mehreren Etappen: fotografieren, ausdrucken, per Kopierer vergrößern und dann aus den großen Bildern Schablonen der Eisenstrukturen herausschneiden, um die Formen mit Farbauftrag auf den Bildträger zu bringen.

Einige dieser Schablonen kombinierte sie für die aktuelle Schau zu Collagen und Assemblagen wie „Under Construction“ (2100 Euro), deren Bestandteile kaum noch ihre Ursprünge erahnen lassen und als reine Abstraktionen wahrgenommen werden. Konträr dazu bietet Kaa Figuration und damit den Ansatz für Geschichten. Ihre Vita hat die Künstlerin, deren Name nicht aus dem „Dschungelbuch“ entlehnt wurde, mit einer künstlerisch ironisierenden Art ins Märchenhafte wie Absurde fiktionalisiert: „Keinen interessiert meine Vita, oder dass ich die Schwester von Tietz bin, oder, oder, oder … Es sei denn, Vito wäre mein Liebhaber gewesen – also bevor er Heidi traf.“

Kaa unterläuft das kuratorische Prinzip der Schau

Kaas Werke folgen rudimentär dem Collageprinzip. Ihre narrativen Ansätze entspringen den mit leichter Hand und lockerem Strich gezeichneten und bemalten Figuren, die auf Buchdeckeln appliziert wurden, die wiederum mit Zellstrukturen oder tachistischen Klecksen versehen sind. Als ob die Gestalten einem aufgeschlagenen Buch entspringen, ziehen sie die Blicke an und verführen zum Weiterspinnen von Geschichten. Aber Kaa schert aus und unterläuft das kuratorische Prinzip dieser Ausstellung in anarchischer Manier. Das Motto absichtlich ignorierend integriert sie ein klassisches Gemälde in dominanter Größe. Es zeigt die Rückenansicht einer Frau im Badeanzug, ein extrem hochformatiges Bild mit dem profanen Titel „Schwimmerin“ (3000 Euro). Reno Delvendaahl folgt wie Hannah Becher dem Prinzip der Resteverwertung. Bemalte Leinwände aus eigener Produktion hat er in Streifen geschnitten und anschließend zu quadratischen Objekten verwebt. Skulpturale Gebilde aus Malerei in streng rechtwinkliger Anordnung. Eine Reanimierung konkreter Kunst mit anderen Mitteln, die etwas mysteriöse Titel wie „Amsterdam“ (275Euro) tragen.

Zwitschermaschine, Potsdamer Str. 161, Eröffnung: 15. 9., 18 Uhr; bis 23. 9., Do–So 15–19 Uhr

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