„Endzeit“ revisited : Auf Leben und Tod in der Zombie-Zone

Olivia Vieweg hat ihren Diplom-Comic „Endzeit“ überarbeitet. Das Ergebnis: komplexer, dramatischer – und eine leuchtende Apokalypse.

Barbara Buchholz
Strahlender Weltuntergang. Die Farben in „Endzeit“ haben die Koloristen Ines Korth und Adrian vom Baur beigesteuert.
Strahlender Weltuntergang. Die Farben in „Endzeit“ haben die Koloristen Ines Korth und Adrian vom Baur beigesteuert.Foto: Carlsen

„Thüringen ist eines von den schwierigen Bundesländern“, sang der Kabarettist Rainald Grebe. Und auch Olivia Viewegs Comic „Endzeit“ erweckt durchaus diesen Eindruck. Nach einer nicht näher beschriebenen Katastrophe haben Untote ganze Landstriche überrannt, nur die Städte Jena und Weimar konnten sich hinter Schutzzäunen verbarrikadieren. Zwischen diesen zombiefreien Schutzzonen pendelt ein fahrerloser roter Regionalzug, der ausschließlich dem Transport von Versorgungsgütern oder Waffen vorbehalten ist.

Die beiden jungen Frauen Vivi und Eva haben jede für sich gute Gründe, ihre Heimat Weimar fluchtartig zu verlassen und ihr Glück in Jena zu suchen, und schmuggeln sich in einen dieser autonom fahrenden Pendelzüge. Doch dann bleibt der Zug auf der Strecke stehen und die einmal geöffneten Türen lassen sich nicht mehr schließen. Vivi und Eva müssen sie sich in einer zunächst unfreiwilligen Gemeinschaft in der Zombie-Zone durchschlagen. Ein Überlebenskampf beginnt, nicht ohne denkwürdige Begegnungen.

Blutrünstige Zombies treiben ein filmreifes Unwesen

Weimar und Jena spielen auch im Leben der Autorin und Zeichnerin Olivia Vieweg eine wichtige Rolle: In Jena ist sie 1987 geboren, an der Bauhaus-Universität in Weimar hat sie studiert – und 2011 dort als Diplom-Arbeit die erste Version von „Endzeit“ gezeichnet und geschrieben, die beim Weimarer Indie-Comicverlag Schwarzer Turm erschien. Jetzt hat Vieweg (die vorübergehend auch mal einen Strip für den Tagesspiegel gezeichnet hat) „Endzeit“ komplett überarbeitet. Mehr als dreimal so dick ist die neue Fassung, die in einer Drehbuchwerkstatt entstanden ist; der Stoff wurde 2017 im Auftrag von ZDF und Arte verfilmt.

Komplett überarbeitet: Eine Szene aus der neuen Fassung von Olivia Viewegs „Endzeit“.
Komplett überarbeitet: Eine Szene aus der neuen Fassung von Olivia Viewegs „Endzeit“.Foto: Carlsen

Nicht nur der Umfang ist gewachsen, die Geschichte und die Charaktere sind jetzt komplexer und dramatischer angelegt. So hat etwa die zaghafte Vivi in der abgebrühteren Eva einen moralisch weniger aufgeräumten Gegenpol und haben beide jungen Frauen deutlich stärker mit den Gespenstern ihrer Vergangenheit zu kämpfen. Außerdem treiben mehr blutrünstige Zombies ein filmreifes Unwesen.

Die Story wirkt gelegentlich etwas überladen und hat durchaus einen Hang zum Pathetischen. Insgesamt aber ist „Endzeit“ ein Augenschmaus. Viewegs Strich – der kindlich-niedliche Kulleraugen und flatternde Kleidchen mit halbverwesten Wesen in Kontrast setzt – wirkt dynamischer als in der ursprünglichen Fassung, ihre Zeichnungen besitzen mehr Tiefe. Dieser Eindruck entsteht nicht zuletzt dank der wunderschönen Farben auf den Seiten. Die Koloristen Ines Korth und Adrian vom Baur lassen nämlich die Apokalypse leuchten: in flammend orangen, gelben und violetten Tönen, in Grün und Blau oder auch düsterem Grau und Braun.

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Olivia Vieweg: Endzeit, Carlsen, 288 Seiten, 22 Euro.

Das Cover des besprochenen Bandes.
Das Cover des besprochenen Bandes.Foto: Carlsen

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