Kinder-Comic „Akissi“ : Spielplatz Elfenbeinküste

Mathieu Sapins und Marguerite Abouets Kinder-Comic „Akissi“ vermittelt unterhaltsam und kindgerecht gesellschaftlich relevante Themen.

Thomas Greven
Abenteuerlicher Alltag: Eine Seite aus „Akissi“.
Abenteuerlicher Alltag: Eine Seite aus „Akissi“.Foto: Reprodukt

Über das ersehnte „Erwachsenwerden“ und Zu-Kunst-Werden haben Comics und Comic-Schaffende einige Jahre lang die Zielgruppe der Kinder etwas vernachlässigt. Doch in jüngster Zeit hat sich das wieder geändert: Vorhang auf für die kleine Akissi, die in der Elfenbeinküste ihre Abenteuer erlebt, so wie zuvor ihre große Schwester Aya, deren Geschichten schon länger auf Deutsch vorliegen.

Die Zeichnungen hat Mathieu Sapin („Gérard: Fünf Jahre am Rockzipfel von Depardieu“) übernommen, dem es gut gelingt, an die Bilderwelt seines Vorgängers Clément Oubrerie anzuknüpfen.

Dass die Geschichten in den 1980er Jahren spielen, in denen die Autorin Marguerite Abouet selbst noch in Abidjan lebte, fällt kaum ins Gewicht; eher ist es der Kontext eines nichtindustrialisierten Landes und manchmal archaisch anmutender kultureller Praxen, der verstörend wirken könnte, obwohl Abouet ihn meist spielerisch und ironisiert präsentiert: Läusebekämpfung und Wurmkuren, Affen und Mäuse als Haustiere, Lehrergewalt und Aberglaube.

Auch in Abidjan müssen sich Mädchen gegen freche Jungs durchsetzen

Doch warum sollen kindliche Leser nicht genauso vom exotischen Ambiente einer Geschichte angezogen werden wie Erwachsene? Entscheidend ist doch die Frage, ob Vorurteile entstehen oder bestätigt werden, weil die Fremdheit des Kontextes die Leser überfordert, oder ob durch die Lektüre gelernt wird, wie selbstverständlich ein Alltag sein kann, der dem eigenen so überhaupt nicht entspricht.

Zum Glück sind die Geschichten rund um Akissi und ihre Spielkameraden geeignet, Letzteres zu erreichen. Auch weil es genug Gemeinsamkeiten gibt, in denen Kinder aus dem reichen Deutschland des 21. Jahrhunderts sich wiedererkennen können. Denn auch in Abidjan werden Superhelden verehrt und müssen sich Mädchen gegen freche Jungs durchsetzen, wenn sie mit Fußball spielen wollen (oder, unserer Erfahrung schon weniger nah, Tauben jagen).

Das Titelbild des besprochenen Bandes.
Das Titelbild des besprochenen Bandes.Foto: Reprodukt

Der Sammelband mit den ersten Geschichten von Akissi ist Teil der Strategie einer Reihe von Verlagen, jenseits der Comic-Klassiker neue, zeitgemäße Titeln für Kinder zu präsentieren. Adressat sind unter anderem Eltern, die von den Comics ihrer Kinder nicht nur Unterhaltung erwarten, sondern auch, dass sie kindgerecht gesellschaftlich relevante Themen und Debatten vermitteln – wie es dieses Buch tut.

Mehr zum Thema

Marguerite Abouet, Mathieu Sapin: Akissi – Auf die Katzen, fertig, los! Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock, Handlettering von Olav Korth, Reprodukt, 96 Seiten, 18 Euro

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