Kolonialgeschichte im Comic : Im Wald der Freiheit

Marcelo D'Salete erzählt in dem komplexen Comic „Angola Janga“ vom Freiheitskampf brasilianischer Sklaven.

Thomas Greven
Wut und Widerstand: Eine Seite aus „Angola Janga“-
Wut und Widerstand: Eine Seite aus „Angola Janga“-Foto: bahoe

Der brasilianische Wald, dicht und unfassbar groß, ist heute die von der Abholzungspolitik des Rechtspopulisten Jair Bolsonaro bedrohte grüne Lunge der Welt, dringend gebraucht zum Schutz vor den Folgen des menschengemachten Klimawandels. In „Angola Janga“ (bahoe books, Übersetzung Lea Hübner, 432 S., 29 €), der Comic-Erzählung des Brasilianers Marcelo D'Salete, ist er der bedrohte Schutzraum für entflohene Sklaven, die im 17. Jahrhundert hier eine Gruppe von verstreuten und befestigten Dörfern gründen, die sie Angola Janga nennen, Klein-Angola, in Erinnerung an ihre verlorene Heimat.

„Jeder von ihnen ist mehr als nur ein einzelner“

Dieses erstaunliche Kapitel der brasilianischen Geschichte ist nicht zum ersten Mal Gegenstand eines Comics, auch Filme wurden produziert und es gibt ein Museum. Doch liegt nun ein Buch von fast 450 Seiten in deutscher Sprache vor, für das man sich Zeit nehmen muss.

Auf Leben und Tod. Eine Seite aus „Angola Janga“.
Auf Leben und Tod. Eine Seite aus „Angola Janga“.Foto: bahoe

Es ist die komplexe Geschichte einer Suche nach Freiheit, mit vielen Protagonisten auf beiden Seiten. Bisweilen geht es dem Leser wie bei Dostojewski, man muss nachsehen, um wen es sich gerade handelt. Das hat auch mit den oft etwas unbeholfenen Schwarz-Weiß-Zeichnungen zu tun und mit der anspruchsvollen, nicht-linearen Erzählführung, die ohne Erläuterungen zwischen Orten und Ebenen springt und auch in mystische Bereiche vordringt. Dafür gibt es einen gezeichneten Überblick über die Protagonisten, ein ausführliches Glossar der afrikanischen Begriffe und einen Essay zu den Hintergründen.

Mit Hilfe der Mönche wird der Widerstand mit Gewalt gebrochen

„Jeder von ihnen ist mehr als nur ein einzelner“, sagte ein portugiesischer Jäger der entflohenen Sklaven einmal, und das hat nicht nur damit zu tun, dass sie ihre „christlichen“ Sklavennamen abstreifen und zu ihren afrikanischen Namen zurückkehren.

Das Titelbild des besprochenen Buches.
Das Titelbild des besprochenen Buches.Foto: bahoe

Die Entflohenen repräsentieren die Sehnsucht der vielen weiter gefangenen und misshandelten Sklaven, die in den Zuckerrohrplantagen ausgebeutet werden. Lange Zeit bietet der Wald Schutz und ist eine Falle für die Verfolger, wie ein Spinnennetz. Doch auch dank der dubiosen Rolle des Christentums und der Mönche wird der Widerstand schließlich mit Gewalt gebrochen.

Heute sind die Nachkommen der Sklaven und die Nachkommen der Ureinwohner Brasiliens ebenso bedroht wie der Wald, der ihnen Schutz gab, angesichts des Rassismus des brasilianischen Präsidenten. Man wünscht ihnen einen besseren Ausgang als es D'Saletes „Geschichte der Freiheit“ vergönnt ist.

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