„Prinz Gigahertz“ : Digitaler Ritter in der radioaktiven Märchenwelt

Mit seinem neuen Comic „Prinz Gigahertz“ überwindet Lukas Kummer Genre-Grenzen und erweist einem Klassiker die Ehre.

Neonbunter Alptraum: Eine Szene aus „Prinz Gigahertz“.
Neonbunter Alptraum: Eine Szene aus „Prinz Gigahertz“.Foto: Zwerchfell

Eine Atombombenexplosion hat die Erde in eine mittelalterliche Artus-Welt verwandelt, die von Mutanten und Kannibalen bevölkert ist. Gelegentlich fällt Technologie aus einer fremden Dimension vom Himmel.

Da passt es nur, dass der größte aller Ritter sich mit der Technik auskennt – und dass der Dämon, der ihn 30 Jahre nach dem großen Wumms jagt, in Wahrheit ein intelligenter Kampfroboter ist, dessen Laserstrahl reihenweise Gegner zerteilen kann...

Eine weitere Szene aus „Prinz Gigahertz“.
Eine weitere Szene aus „Prinz Gigahertz“.Foto: Zwerchfell

Zwischen Fantasy und Science-Fiction

In „Prinz Gigahertz“ enthüllt der Zeichner Lukas Kummer die Geschichte seines Protagonisten und die Mechanik seines Settings Stück für Stück und verwandelt Fantasy immer mehr in überraschende Science-Fiction. Dabei spielt er geschickt mit den Vorbildern, Klischees und Grenzen der fantastischen Genres. Diese Eingrenzungen, von Verlagen und Fans oft selbst gezogen, überwindet Kummer mit beeindruckender Leichtigkeit.

Schon in seinen Thomas Bernhard-Comicadaptionen „Die Ursache“ und „Der Keller“ wählte Kummer einen interessanten formalen Ansatz und bot eine reduzierte, faszinierend repetitive Visualisierung.

Comic-Stadt Kassel
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Auch in „Prinz Gigahertz“ arbeitet er mit klaren Formen, Linien und Perspektiven. Er dezimiert und abstrahiert viel, aber zumeist gekonnt, und setzt obendrein auf eine knallig-bunte, wenngleich flache Kolorierung. Das sieht anders aus, und gut. Seit „Die Verwerfung“, seinem preisgekrönten Comic über den 30-jährigen Krieg, hat sich der gebürtige Österreicher stark weiterentwickelt.

Verbeugung vor einem Klassiker

Und er erweist einem Klassiker die Ehre: 1937 startete Hal Foster seinen Comicstrip-Klassiker „Prince Valiant“ alias „Prinz Eisenherz“. Jeden Sonntag erschien in den US-Zeitungen eine bunte Seite über Fosters pseudohistorisches, detailreiches Mittelalter und die Abenteuer des Prinzen von Thule.

Das Titelbild des besprochenen Bandes.
Das Titelbild des besprochenen Bandes.Foto: Zwerchfell

Gut 80 Jahre später initiiert Lukas Kummer eine Kickstarter-Kampagne, um sein neues Comic-Projekt zu finanzieren. Anfang 2020 erscheinen die ersten Kapitel als englischsprachiger Webcomic auf der Plattform Falotten Comics, die Kummer und sein Kollege Adrian Richter für die kostenlose Verbreitung ihrer Bildergeschichten im Netz eingerichtet haben.

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Außerdem ist jetzt ein gedruckter Sammelband erschienen (Zwerchfell, 120 S., 18 €). Mit „Prinz Gigahertz“ stellt Kummer abermals seine Vielseitigkeit und kreative Energie unter Beweis.